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So war’s in London: Noel spielt Blur-Song

Noel Gallagher & Damon Albarn

»The war of Britpop is over« – am Samstag beenden Noel Gallagher und Damon Albarn den wohl bissigsten, aber auch amüsantesten Musiker-Streit der Neunziger mit einem gemeinsamen Auftritt.
Geschrieben am
23.03.2013, London, Royal Albert Hall

Noel Gallagher und Damon Albarn treten gemeinsam auf – ein Stück Musikgeschichte, schreibt die Presse. Aber auch mit etwas weniger Pathos oder Theatralik muss man gestehen: das hatte schon was, die ehemaligen Streithähne zusammen performen zu sehen. Das Kriegsbeil hatten die beiden Britpop-Ikonen schon vor einer Weile begraben, eine Premiere bleibt der Auftritt trotzdem. Und ist auch nicht selbstverständlich, denkt man an die jahrelangen Fehden, die in Noels Wunsch gipfelten, sein Erzfeind würde an Aids erkranken und sterben.

Anlass ist die jährliche Benefizkonzertreihe der Stiftung »Teenage Cancer Trust« und Noel Gallagher lässt es sich als Kurator der Veranstaltung nicht nehmen, am Samstagabend selbst die ausverkaufte Royal Albert Hall zu bespielen. Unter großem Jubel und dem Aufruf zu einem »Happy Birthday«-Ständchen begrüßt er aber zunächst Damon Albarn, der am selben Tag 45 Jahre alt wird. An der Seite von Blur-Kollege Graham Coxon und dem »Godfather of Britpop« Paul Weller geschieht dann das, was vor Jahren wohl ein schlechter, beziehungsweise grandioser  Scherz gewesen wäre: Nicht nur Damon, sondern auch Noel stimmt den Blur-Song »Tender« an.

Die folgende Nummer »May I«, eine Coverversion des erst kürzlich verstorbenen Singer/ Songwriters Kevin Ayer, kündigt Gallagher mit den Worten »Sit down, open your mind« an und überlässt den Übrigen die Bühne. Hinzu stößt der 77-jährigen Lyriker Michael Horovitz, der keinen Zweifel daran lässt, dass er in seinem Leben reichlich mit Drogen zu tun hatte. Hände zitternd und etwas verwirrt faselt er »It can’t get weller than Weller«, imitiert Tiergeräusche und raunt fragmentarische Passagen seiner Gedichte ins Mikro – er wirkt fehl am Platz. Noel Gallagher and The High-Flying Birds brauchen nach diesem schrägen Auftritt knapp zehn Minuten, bis im Publikum wieder die Köpfe aufmerksam nach vorne gerichtet sind. Neun Songs vom selbst betitelten Album spielen Gallagher und seine Band, in der er das erste Mal wirklich Frontmann ist. Trotz der Begeisterungsstürme für die aktuellen Songs, die den Saal immer wieder durchfluten, sind es doch die Oasis-Klassiker, auf die das Publikum wartet. Auch nach bald 20 Jahren führen »Don’t Look Back In Anger«, »Supersonic«, »If I Had A Gunq und selbstverständlich die Akustikversion von »Wonderwall« dazu, dass sich die Engländer lautstark singend in den Armen liegen.

Nur einer scheint in Nostalgie am »War of Britpop« festzuhalten und kann es nicht lassen zu spotten. In Anspielung auf Noels Besuch bei Ex-Premier Blair, den Bruder Liam 1997 ausgeschlagen hatte twitterte dieser: »Don’t know what’s worse RKID sipping champagne with a war criminal or them backing vocals you’ve just done for BLUE ! LG x«.