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Ohne Herzklopfen geht es nicht.

Nneka über »My Fairy Tales«

Mit ihren bisher drei Veröffentlichungen und dem Dauerbrenner »Heartbeat« hat Nneka bereits für Furore gesorgt. Was die Nigerianerin auszeichnet? Viel Herz, brisante Texte und vor allem der unbändige Wille, etwas verändern zu wollen.
Geschrieben am

Interview:
Sermin Usta

Du wirkst in Interviews eher zurückhaltend als extrovertiert. Ändert sich das, wenn es um dein soziales Engagement geht?
Manchmal bin ich zu emotional, was in politischen Angelegenheiten nicht immer hilfreich ist. Davon abgesehen, bin ich die meiste Zeit ich selbst.

Wie empfindest du die Behandlung von Flüchtlingen in Europa? 
Sie hätten einfach mehr Respekt verdient. Aber da macht Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern eigentlich einen guten Job. Ich bin der Meinung, dass alles ein Problem der richtigen Integration ist.

Du bist selbst als politischer Flüchtling nach Deutschland gekommen. Wenn du dich an die Zeit zurückerinnerst: Wie hast du dich die ersten Tage gefühlt?

Ich war ängstlich und konnte die Sprache nicht sprechen, das fühlte sich alles sehr fremd an: die Leute, das Essen, die Stimmung, sogar die Gesichter .

Wie haben sich die Leute in Deutschland damals gegenüber dir und anderen Flüchtlingen verhalten?
 

Sie waren schon offen für alles, aber gleichzeitig auch sehr streng. Ich hatte den Eindruck, dass es für viele Leute in Deutschland eine große Anstrengung bedeutete, sich den Fremden zu öffnen und sie willkommen zu heißen.

Die darauffolgenden Jahre hast du in Hamburg gelebt und bist dort zu einer ernstzunehmenden Musikerin herangereift. Wer war maßgeblich an diesem Reifungsprozess beteiligt? 

Im Grunde begann alles, was mit meiner Kunst zutun hat, in Hamburg. Die Stadt ist zu einer zweiten Heimat geworden. Ich habe dort studiert und gelernt wie man Musik macht. Ich habe Freunde wie DJ Farhot getroffen, die mir die Möglichkeit gaben, meine Kreativität auszuleben und meinen eigenen Stil zu finden. Außerdem brachte mich Hamburg dazu, Nigeria wieder zu lieben - das aufzuarbeiten was ich an meinem Heimatland hasse, aber gleichzeitig auch vermisse.

Du transportierst mit deiner Musik stets eine gewisse Ernsthaftigkeit, die im Kontrast zu den afrikanischen Rhythmen steht. Ist dir das bewusst?

Ich versuche mit meiner Musik schon, diese Brücke zu schlagen und die Menschen daran zu erinnern, für welche Probleme auf der Welt sie verantwortlich sind. Es geht um die Frage, was wir gemeinsam daran ändern können. Da versuche ich, Lösungen aufzuzeigen. Mit anderen Worten: Ich gebe mir Mühe, selbst die Veränderung zu sein, die ich gerne bei anderen sehen würde.

»My Fairy Tales« klingt sehr stringent. Hattest du von Anfang an eine genaue Vorstellung davon, wie die neue Platte klingen soll?

Nicht wirklich. Ich habe die Songs aufgenommen, ohne sie in meiner Vorstellung auszubauen. Den größten Teil des Albums habe ich in Paris aufgenommen. Ich thematisiere auf der neuen Platte Themen wie die Probleme mit Boko Haram und das Ausmaß der Korruption in Nigeria.

Ist es dir ein Anliegen, auch die glücklichen Momente der Menschen in Nigeria zu betonen?

Wo es Leid gibt, findet man auch Glück und Vergnügen. Das müssen die Menschen da draußen verstehen.