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Do You Think It's Allright When I Say Hello

NILG

Was hier gerne Hallo sagen möchte, ist eine Band aus Köln und dem Bergischen Land. NILG, die Band der 18 Schattierungen (so viele Stücke hat das Album), der ziemlich, aber nicht übertrieben eklektischen Verweise (CAN natürlich, aber nur unter anderem) und des Humors (angeblich haben NILG die Bühnenp
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Autor: intro.de

Was hier gerne Hallo sagen möchte, ist eine Band aus Köln und dem Bergischen Land. NILG, die Band der 18 Schattierungen (so viele Stücke hat das Album), der ziemlich, aber nicht übertrieben eklektischen Verweise (CAN natürlich, aber nur unter anderem) und des Humors (angeblich haben NILG die Bühnenpräsenz von MIKE FLOWERS; bestimmt spielen sie mit ihrer ländlichen Kirmes-Erfahrung; bestimmt rufen sie verstörte Hallos Richtung Publikum ["Prince Of Darkness"]; bestimmt auch rappen sie irrwitzig einen Alptraum in sich englisch anhörender deutscher Sprache ["Schweißgebadet"]).
Würde mich nicht wundern, wenn NILG ihre Entwürfe komplett als Träumerei beschrieben. Immerhin taucht das Thema neben "Schweißgebadet" auch noch im Titel des ersten Stücks auf ("Traum"). Ein Traum von entspannt experimenteller Rockmusik. Dennoch ziehe ich ein anderes Bild vor, um die hier ausgestellte Vielseitigkeit irgendwie zu fassen: Filmmusik. Zu einer surrealistisch erzählten, ja fiktiven Geschichte der Rockmusik. So kommt das Album zum Beispiel immer wieder auf eine Formulierung von Sixties-Appeal zurück, die nichts mit BACHARACH, aber etwas zumindest mit Soul zu tun hat. Rauh-eingängiger Soul vom Schlage BOOKER T.s vielleicht? Besonders der unbedingte Smasher "Whamby'81", mit seinem noch unbedingteren Groove, seiner Orgel, seinem Frauen-Männer-Chorus (man hört das Geschlecht zunächst wirklich nicht heraus) erinnert an Stax-Soul. Eine Liebesgeschichte wird erzählt. Cooles Autofahren unter Sternen. Wie im Film ... Wäre dieser chronologisch verfaßt und das Album wirklich als fiktives Rockgeschichte-Erzählen konzipiert, das Ganze würde in Deutschland im Jahr 1997 und bei handgespieltem Techno enden. Und wirklich: auch etwas in der Art haben NILG im Angebot.
Weiteres großes Bild, neben Traum/Film, ist Psychedelik. Großes Thema unserer Zeit, insbesondere auch seit Kai Althoffs großem Durchstarten (WORKSHOP, SUBTLE TEASE). Und tatsächlich sind NILG und die Althoff-Projekte mehr als nur lose verzahnt. Der große NILG-Sänger, Gondi Norola, singt auch für SUBTLE TEASE. Der große WORKSHOP-Sänger Stefan Mohr singt auch für NILG. Matthias Köchling spielt überall großes Schlagzeug. Im Gegensatz zu Kai Althoffs Projekten dreht sich bei NILG jedoch nicht alles um die Achse Leiden/Exzeß/glamouröses Aufbegehren. "Do You Think ..." deutet Psychedelik eher an, als Grenzerfahrungen zu inszenieren. Verrücktheiten bleiben auf dem Boden der Tatsachen. Nicht langweilig, aber kompatibel zum Alltag. Das ist aufregend genug, um andererseits auch seelengut zu sein.
Erhältlich ist "Do You Think ..." möglicherweise im gut sortierten Schallplattenhandel, mit Sicherheit aber bei Finlayson, Siebengebirgsallee 2, 50939 Köln. Auf dem kleinen, feinen Label erschienen bislang und neben den ersten beiden WORKSHOP-Platten die Debütalben von KREIDLER und GENF. Dieses Jahr außerdem "Daen" von BIEGEN, melancholisch-ironievolle Rockmusik mit dem DYLAN-Cover "It's Allright, Ma (I'm Only Bleeding)", und ein entfernt an FOREVER SWEET erinnerndes, jedoch weniger formalistisches Stückchen Housemusic, die "Broken Heart EP" von DIN (Andreas Oster).