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Red Brocade

NIKKI SUDDEN

Während seine Teilzeitkumpels von R.E.M. mittlerweile Millionen einstreichen, zieht der englische Songwriter Nikki Sudden immer noch mit seiner nölenden Stimme und klapprigen Gitarre durch die Lande, weiterhin gehandelt als ewiger Kultstar. Teilzeit scheint das zentrale Wort: als Teilzeit-Avantgarde
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Autor: intro.de

Während seine Teilzeitkumpels von R.E.M. mittlerweile Millionen einstreichen, zieht der englische Songwriter Nikki Sudden immer noch mit seiner nölenden Stimme und klapprigen Gitarre durch die Lande, weiterhin gehandelt als ewiger Kultstar. Teilzeit scheint das zentrale Wort: als Teilzeit-Avantgarderocker und -Postpunker sorgte Sudden mit seiner ersten Band, den Swell Maps, für Fans wie etwa Stereolab, Wilco oder Pavement; als Teilzeitmusikerfreunde versammelte Sudden auf seinen zahlreichen Alben u. a. Größen wie Sonic Youth, Hugo Race oder eben R.E.M. um sich; und kommerzielle Teilzeiterfolge feierte er in den Achtzigern mit seinem Projekt Jacobites. Nun hat er "Red Brocade" aufgenommen, mit hauptsächlich versierten Musikern aus Chicago, Freunden seines verstorbenen Bruders Epic Soundtracks. Dieses Album gibt, trotz durchgehend neuer Songs, eine Art unterhaltsamen Überblick über Suddens Schaffen der letzten Dekaden: da reihen sich wunderschöne Balladen (Nukleus bildet das großartige Duett mit Jeff Tweedy von Wilco auf "Farewell My Darling", sagt eigentlich alles) an ruppig-rockige Sechziger/Siebziger-Songs. Nikki Sudden schüttelt die wesentlichen Arten traditioneller Rockmusik (Country, Folk, Rock'n'Roll, Blues, ein bißchen Punk, verziert mit zahlreichen für ihn nicht unbedingt typischen Instrumenten) aus dem Ärmel und hat dabei noch nie so unverkrampft und eingängig geklungen. Yes, es ist ein blödes geflügeltes Journalisten- und Promoterwort, aber: "Red Brocade" ist Suddens mit Abstand beste Veröffentlichung seit dem Frühachtziger-Klassiker "The Bible Belt". Vielleicht ist es ja auch einfach nur ein ganz tolles Popalbum. Übrigens erscheint er selbst erstmals nicht auf seinem eigenen Cover - wenn das mal nicht die Wende zur Konzentration auf die Musik bedeutet.