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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Have Battles In Your Life

Night of Geräusch

Black Dice, Wolf Eyes und Battles live.20.04.06, Köln, Gebäude 9. Egal, wie exponiert sie in den letzten Monaten in den Pop-Gazetten des Landes präsent waren - dem Package dieses Abends im Allgemeinen und den New Yorkern Black Dice und Wolf Eyes im Speziellen, einen wie auch immer gea
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Black Dice, Wolf Eyes und Battles live.

20.04.06, Köln, Gebäude 9. Egal, wie exponiert sie in den letzten Monaten in den Pop-Gazetten des Landes präsent waren - dem Package dieses Abends im Allgemeinen und den New Yorkern Black Dice und Wolf Eyes im Speziellen, einen wie auch immer gearteten Popappeal unterstellen zu wollen, ist falsch. Nicht wenige hatten bisher diese fatale Erfahrung machen müssen, als sie durch Veröffentlichungen Black Dice's auf Fat Cat bzw. der Wolf Eyes auf Sub Pop (!!!) auf eines der bisherigen Konzerte dieser Bands gelockt wurden. Entweder, sie verließen die Säle nach wenigen Minuten kopfschüttelnd, oder sie erhielten die Schlüssel zu ganz neuen Welten ernster Musik und hatten den Bands dadurch einiges zu verdanken. So auch an diesem Abend, aufgrund dieser keinen Wunsch unerfüllt lassenden Zusammenstellung ein Pflichttermin für alle, die etwas für experimentelle Musik übrig haben.

Dabei ging der Abend gar nicht so experimentell los, als Battles aus New York schon kurz vor neun Uhr auf die Bühne traten. Denn die ließen sich live wie schon auf ihrer unlängst veröffentlichten Doppel-EP "EP C/B EP" vom Postrock und -Hardcore der Dischord- und Touch&Go-Schule beeinflussen. Dafür verzichteten sie aber auf Gesang und ersetzten ihn durch Keyboard- und Synthesizer-Klänge, virtuoses Gitarrenspiel und Vokal-Samples. Angeführt vom grandios spielenden Drummer John Stanier, ehemals bei Helmet und Tomahawk, trieben sie ihr Spiel mit kreativsten Dynamikelementen in bisher ungekannte Sphären und lieferten mit ihrem 45-Minuten-Set schon sehr früh den Höhepunkt des Abends, wenn nicht sogar des bisherigen Konzert-Jahres. Leider kommt ihr erstes volles Album erst im nächsten Jahr, aber zum Glück kann man sich die Band noch dieses Jahr im Rahmen des Warp-Spezials auf dem Melt-Festival ansehen. Sollte wirklich niemand verpassen.

Einen schönen Bruch brachten danach die Wolf Eyes zustande. Ihre von zähflüssigem Noise durchkaute Metaladaption zerbröselte in Sekunden die Hoffnungen all derer, die doch noch auf so etwas wie Popstrukturen gewartet hatten. Wer dennoch folgen wollte, bekam einen düsteren, aber doch selbstironischen Gestus zu sehen, Gegrunze der grindigsten Art und eine Gitarre Marke Eigenbau, die eher an einen Besenstil erinnerte. Dazu drei fertige Typen, die gekonnt eine standesgemäß überdrehte Show lieferten. So entpuppten sich die Wolf Eyes als ein toller Liveact, der weit Spannenderes als die Kollegen von Sunn O))) und Earth vor einigen Wochen an gleicher Stelle auf die Bühne brachte. Zumindest boten sie aber eine im wahrsten Wortsinne physische Erfahrung, die letztendlich ihre Fortsetzung durch Black Dice erfuhr. Drei Typen, unerwartet hübsch boyish aussehend, mit Acid-Visuals, für mich undefinierbaren Soundmodulen, einer recht verlorenen Gitarre, vereinzeltem Gejaule und Lautstärken, wie man sie sich bei Manowar vorstellt. Während Black Dice's letztes Album "Broken Ear Record" Tendenzen in Richtung eines etwas differenzierteren Sounds erkennen ließ, schwenkte ihr Liveset wieder um in Richtung unerhört gewaltiges Getöse. Dabei gaben sie sich im Gegensatz zu Wolf Eyes introvertierter und fokussierten dadurch ihre Musik sehr effektiv. Und zertrümmerten damit nicht nur Hörgewohnheiten und Trommelfelle, sondern auf Rezeptionskategorien, die unbeholfen von Smegma oder Throbbing Gristle palavern lassen, damit aber nie den Kern, die Faszination des Ganzen erklären, die eine Darstellung in einem Popmagazin eigentlich notwendig macht. Auch hier hilft nur: Einfach anhören! Es lohnt sich, so, wie sich der Besuch dieses Konzertabends lohnte.