×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

In Köln: In den Armen seiner Musik

Niels Frevert live

Publikums-Reaktionen sind nicht immer ein verlässlicher Gradmesser für den Zauber eines Konzertes. Heute schon, wie Christian Wessels für uns zu berichten weiß.
Geschrieben am
Publikums-Reaktionen sind nicht immer ein verlässlicher Gradmesser für den Zauber eines Konzertes. Heute schon: Mucksmäuschenstill hängt die vollbesetzte Kulturkirche an Niels Freverts Lippen und schlägt zwischen den Liedern gerührt Purzelbäume.

03.04.09 Köln, Kulturkirche

Wie schön, dass Frevert das Ausmaß seines aktuellen Soloalbums endlich auf die Bühne gebracht hat. "Du kannst mich an der Ecke rauslassen" ist wunderbar, aber schon ein gutes Jahr alt. Höchste Zeit für eine gelungene Umsetzung. Klar, die ist aufwendig. Aber so lohnend. Wie heute: Frevert kommt mit einer dezent-präsenten Band. Mit einem Streichquartett, das die Koordinaten des klassischen Bandkontextes so wunderbar erweitern kann. Wenn man es richtig einsetzt.

Die Streicher-Arrangements des aktuellen Albums stammen von Werner Becker, der in den 70ern unter dem Namen Antony Ventura als Easy Listening Komponist erfolgreich war. Dementsprechend verspielt und leichtfüßig sind seine Entwürfe. Eher Zuckerwatte als orchestrale Schwergewichte. Auch ältere Stücke freuen sich über neue Farbe. Vielleicht hat Multi-Instrumentalist Peter Hintertür sich gekümmert: Während des Konzertes dreht er sich hauptsächlich um Vibraphon und Trompete, sonst um Filmmusik für Tatort & Co.

"Doppelgänger" oder "Tag ohne Namen" erstrahlen in neuem Glanz. Das eher stumpfe "Seltsam öffne mich" verlässt sich sogar ausschließlich auf Streicherbegleitung. Und gewinnt. Frevert steht da, ausnahmsweise ohne Gitarre, weiß nicht wohin mit seinen Händen. Und singt herzzerreißend. Überhaupt: Er ist ganz bei sich. Sehr fokussiert, sehr geborgen in den Armen seiner Musik. Dass er außerdem super aussieht und sich schnieke anzieht, erwähnen wir aus Chronistenpflicht. Weil er auch an diesem Abend sicher Herzen gebrochen hat. "Pissköpfe" hat Linus Volkmann Freverts frühere Band Nationalgalerie genannt. Letzten Monat noch. Er muss da was falsch verstanden haben...

Übrigens: Elke Brauweiler (Paula) spielt Bratsche. Und Laith Al Deen covert "Evelin" auf seinem neuen Album.