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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

You Believe In Songs

Nicolai Dunger live

1.4. im Gebäude 9, Köln. Das Gebäude 9 kann - ich weiß nicht ob sie es wussten - auch ein kleiner sympathischer Club sein. Dazu muss man einfach die hintere Halle sich wegdenken und schon hat man vorne bei der Theke einen Club mit kleiner Bühne, die gleich von zwei Seiten einsehbar ist. Ein Blick au
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1.4. im Gebäude 9, Köln. Das Gebäude 9 kann – ich weiß nicht ob sie es wussten - auch ein kleiner sympathischer Club sein. Dazu muss man einfach die hintere Halle sich wegdenken und schon hat man vorne bei der Theke einen Club mit kleiner Bühne, die gleich von zwei Seiten einsehbar ist. Ein Blick auf diese Bühne macht gleich klar, wie der Schwede sein letztes Werk „Tranquil Isolation“ umsetzen möchte. Auf Platte unterstützt von Will Oldham und Kumpanen wird er live sich nur auf sich und seine Gitarre verlassen können. Ob dies bei den persönlichen schwermütigen Liedern als Metapher gemeint ist?
Gleich der erste Song überrascht. Die klare Stimme Dungers lässt Nick Drake ähnliche Züge erkennen, aber schon bei den nächsten Songs wird klar, dies ist die einzige Ausnahme. Hauptsächlich neues Material wird gespielt und wortkarg zupft und schrammelt Dunger auf seiner Gitarre. Wo andere es schwer haben alleine eine solche Performance durchzustehen überrascht er: Immer wenn man denkt es wird eintönig kommt ein neuer Song in einem anderen Tempo und in einer anderen Stimmung. Auch ohne Band überzeugt er. Wohlig erscheint sein Gesang. Oft erinnert es an Will Oldham und die Stimme überschlägt sich. Manchmal schreit er, obwohl man es nicht schreien nennen könnte, vielleicht ein jaulen? Wenn das Wort jaulen doch nur nicht so negativ behaftet wäre.
Das überschaubare Publikum sitzt, steht und lehnt und lauscht. Ein Mädchen – vermutlich mag sie nicht es nicht, wenn man sie Mädchen nennt, ist sie wahrscheinlich doch schon jenseits der 24 - lehnt sich an die Schulter ihres Begleiters. Andere lehnen sich an ihr Bier. Die spartanische Umsetzung tut den Stücken Dungers gut, so manches Lied erscheint in einem anderen Gewand als auf Platte. Draußen wird es wohl immer noch regnen, doch hier drinnen herrscht eine angenehme Atmosphäre. Dunger trippelt mit seinen Füßen im Takt. Manchmal hört man ein Feuerzeug zünden und auch dieses scheint im Takt zu geschehen. Und auch der Rauch der entzündeten Zigarette scheint sich ebenfalls passend zur Musik im Raum auszubreiten. "You Believe In Songs [...] And I Believe in You", singt Dunger. Am Ende gibt er noch zwei Zugaben auf Zuruf, spielt einen neuen Song, sowie einen von der aktuellen Platte. Einfach schön!