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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Nicht niedlich genug: Scooter

Die Wahrheit

Katzen sind das neue große Ding. Doch Medien und Musikindustrie reagieren nur schwerfällig auf den Trend aus Amerika.
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Katzen sind das neue große Ding. Doch Medien und Musikindustrie reagieren nur schwerfällig auf den Monstertrend aus Amerika. Von Boris Fust.


In eigener Sache:
Gruner & Jahr, Burda und die Intro GmbH & Co KG haben ein gemeinsames Problem: Als deutsche Verlagshäuser für Publikumszeitschriften wissen sie nicht, wie man im Internet Geld verdient. Dabei reicht ein Blick nach Amerika, genauer: in die 190 Queen Anne Avenue in Seattle, Washington. Dort hat die Firma Pet Holdings, Inc. ihren Sitz. Sie betreibt den weltweit erfolgreichsten Katzenblog: 200.000 Unique Vistors sorgen für 30 Prozent des Traffics des Blogbetreibers Wordpress, ein Werbebanner kostet 4.000 Dollar pro Woche.

Liebe Leser! Die Medienlandschaft befindet sich im Umbruch. Diese Kolumne erscheint daher heute letztmalig. Die zuständige Redaktion wird an unseren neuen Unternehmensstandort im Großraum Düsseldorf verlegt und geht in einer Task-Force-Unit für hochwertigen Katzen-Content auf. Die Mitarbeiter freuen sich auf neue Herausforderungen. Bereits in der nächsten Woche finden Sie an dieser Stelle ein neues exklusives Informationsangebot für Premium-Leser: "WOW Miao – Der listig-lustige Katzenblog" bietet good clean fun für Sie und Ihre Liebsten daheim und auf dem Smartphone.

Das Thema Musik bleibt nichtsdestotrotz interessant, vor allem für die vielen älteren Mitbürger, die sich noch an die Zeiten erinnern können, als man PutPat noch auf "Laser Disk" schaute und manuell auf dem Sofa gruschelte. Auch im neuen Medium Internet kann man mit Musikangeboten erfolgreich sein. Auf Twitter beispielsweise erfreuten sich Nutzerbeiträge besonderer Beliebtheit, die auf den Umstand hinwiesen, dass Kanye West noch lebt und keineswegs bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Diese Schockmeldung verdrängte sogar "Paranormal Activitiy" als "Trending Topic" in den Aufmerksamkeitscharts.

Von so einem Erfolg können Scooter nur träumen. Und das tun sie auch. In einem Interview mit dem Viralmarketingfachblatt "Bild" wies H.P. Baxxter, Kopf der Feuilleton-Rocker, auf ein alarmierendes Kommunikationsproblem hin: "Wir haben 25 Millionen Platten verkauft. Trotzdem nimmt man uns nicht als erfolgreich wahr." Das stimmt und ist ein ernstes Problem, mit dem sich vielleicht einmal Profis befassen sollten.

Auf der nächsten Seite: Erfolgreich vermarkten wie Bono Vox - das Internet ist nicht nur Gefahr, sondern auch Chance für Gunter Gabriel und Elke Heindenreich.

Katzen sind das neue große Ding. Doch Medien und Musikindustrie reagieren nur schwerfällig auf den Monstertrend aus Amerika. Von Boris Fust.

Als ausgesprochen erfolgreich wahrgenommen wird hingegen Friedensnobelpreisträgerfreund Bono Vox. Mit seiner Firma U2 gibt er am kommenden Sonntag eine Videokonferenz, die auf YouTube übertragen wird und hierzulande am sehr frühen Morgen zu sehen ist. Die genaue Agenda des Live-Geschehens im kalifornischen Pasadena ist noch unklar. Erwartet wird aber, dass Bono mit dem iPhone Außerirdische anrufen und den Papst per Live-Chat einbinden wird. Die im Besitz der sympathischen kleinen Computerklitsche Google befindliche Videoplattform fürchtet allerdings, sich mit der Chose eine Art Killer-Katzen-Content eingehandelt zu haben und dass die Server unter dem Ansturm eine "broadcast message from root" broadcasten, die kein Admin gerne liest.

In der Tat ist Hochtechnologie nicht immer nur ein Segen – erst Recht, wenn es an innovativen Konzepten mangelt. Portishead beispielsweise haben Schwierigkeiten, sich in der Neuen Zeit zurechtzufinden. Monatelang haben sie Mäuse geklickt und Bedienmenüs bedient. Doch selbst für ihre Ohren erwies sich die auf diese Weise hergestellten Strukturen aus Tonhöhe und Tondauer für die kommende MP3-Songsammlung erkennbar nicht als das nächste große Ding: Alles klang nach Portishead. "Es war, als hätten wir ein Chicken Curry gegessen, es ausgebrochen und noch einmal verspeist."

Auch Hartz-IV-Sänger und Katzenmusikant Gunter Gabriel hat ein neues Album erbrochen. Es heißt "Sohn aus dem Volk" und enthält unter anderem eine Coverversion von Peter Fox’ "Haus am See", damit die Knete stimmt.

Zu guter Letzt muss auch Elke Heidenreich ihren Arsch immer in Bewegung halten. Pünktlich zur Markteinführung von Kindle & Co. stellt sie daher ihren Internetauftritt "Lesen" ein. Als offizielle Begründung gab sie Leseverdruss an, in Wahrheit wollte aber niemand "lesen". Heidenreich wird sich zukünftig auf lukrativere Geschäftsfelder konzentrieren, vor allem die Vermarktung von Katzen-Content. "Ich verschenke ihn jedes Jahr. Wer eine Katze im Haus hat, kommt um diesen Kalender nicht herum!", teilte sie dem kaufkräftigen Teil der Weltöffentlichkeit bereits in Sachen "Literarischer Katzenkalender" mit. Denn Print ist nicht tot.


Lesen Sie nächste Woche: Warum Bloc Party kein Album, aber dafür einen Hundekalender herausbringen werden, weswegen Mika statt Musik demnächst nur noch Animationsfilme macht und wieso Toni Braxtons Haus zwangsversteigert werden muss, obwohl sie irgendwann mal 40 Millionen Laserdiscs verkauft hat.