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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Newcomertipp: PTTRNS

Neue Bands fürs Jetzt

Formate, Formate – die musikverarbeitende Industrie verlangt sie jeden Tag: Wo ist die Single, wann kommt das verdammte Album? PTTRNS, eine ungewöhnliche Rockband aus Köln, haben ihre eigenen Pläne und veröffentlichen mit »Love Quest I« und »Love Quest II« nun zwei 12-Inch-Platten voller ekstatischer Zustände.
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Eine nervöse Gitarre, eine absteigende Melodiefolge, Percussion, Bass und Schlagzeug setzen ein, fügen sich so punktgenau, unangestrengt zu einem treibenden Rhythmus – und PTTRNS sind so was von da. Das Konzept hinter ihren neuen Veröffentlichungen »Love Quest I« und »II« auf dem unbedingt weiter zu beobachtenden Leipziger Label Altin Village & Mine präsentiert sich so ungewöhnlich wie in sich stimmig – wie die Band selbst.

Jede Platte enthält ein neues PTTRNS-Stück und als B-Seite eine Bearbeitung von älterem Material durch befreundete Künstler – im Prinzip ist die Serie endlos erweiterbar. Bei den Gästen handelt es sich nicht um befreundete Kölner Musiker, sondern mit dem Downtown Party Network aus Litauen und Map.ache aus Leipzig um zwei eher unbekannte Namen, die hier einen Balearic-House/Cosmic-Disco- und einen Deep-House-Remix abliefern. Daniel Mertens von PTTRNS erzählt zur Idee: »Das Albumformat genießt ja gewissermaßen eine hegemoniale Stellung im Indie/Pop/Punk-Bereich, was sich auch entsprechend in den rezensierten Formaten widerspiegelt. Wir machen es uns zwar nicht zur Aufgabe, diese Hegemonie zu brechen, mit der 12-Inch-Serie wollen wir eigentlich mehr der Disco/Techno-Szene Tribut zollen.«

Produziert wurden die neuen Stücke von Jan-Philipp Janzen (Von Spar, Urlaub In Polen). Daniel: »Dabei ging es vor allem darum, das perkussive Element in unserer Musik noch stärker herauszustellen und auf die Tanzfläche zu projizieren.« Polyrhythmische Partymusik könnte man das Ergebnis nennen: Disco, Wave, Afrobeat, der Hardcore-Background – hier fließt vieles zusammen, aber es fällt schwer, genauer zu beschreiben, wie die mittlerweile vierköpfige Band denn nun klingt. Aber warum sich abmühen: Man kann sich viele Stücke legal im Netz anhören, die zahlreichen Tonträger (auch das Debütalbum »Science Piñata«) über ein weit verzweigtes Vertriebsnetz quasi weltweit kaufen oder die kommenden Konzerte besuchen. All das sei zur Selbsterfahrung empfohlen.

Die Wirkung der Musik lässt sich hingegen besser beschreiben: PTTRNS verstehen es wie wenige Bands aus Deutschland, den Musiknerd nicht nur mit komplexer, durcharrangierter Musik um eine intellektuelle Erfahrung reicher zu machen, sondern auch den verstockten Körperpanzer aufzulösen und dabei physische wie geistige Grenzen zu verschieben. Songs als eine »Quest«, als eine Suche, eine Reise nicht hin zu einer höheren Erkenntnis, sondern zu einer tieferen kollektiven Erfahrung.

Das funktioniert live, wenn das Publikum – mit Percussion-Instrumenten ausgestattet – zum fünften PTTRNS-Mitglied wird, aber auch innerhalb der Band, wie Patrick Hohlweck in Bezug auf die Songtexte erzählt: »Jeder singt, jeder schreibt, und die Verschiebungen und Verdichtungen, die sich ergeben, auch mitunter innerhalb eines einzelnen, vermeintlich ‘homogenen’ Textes, bilden die Musik wieder ab.«

»Everyone plays everything«, lautet die Losung dieser Band. Auf »Love Quest I« und »II« gelingt sie: die Vereinigung von Körper und Geist mit PTTRNS’ Hilfe. Amen.
 

Diese Band ist nun überflüssig: Foals.
 
Hört man am besten: Gemeinsam in der Sonne. Leicht angetrunken.