×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Newcomertipp: Luise Pop

Neue Bands für's Jetzt

Luise Pop mischen Riot-Grrrl-Rock, Surfmusik und Pop, als ob es keine besondere Kunst wäre. Die Wiener Band versteht sich als Brückenbauer, man will feministische Inhalte klug und gewitzt präsentieren.
Geschrieben am

Ganz schön aufgeregt ist Vera Kropf, Sängerin und Gitarristin der Wien-Berliner Formation Luise Pop. Am Abend will das Damentrio mit Quoten-Mann sein neues Album vorstellen. Anders als der Vorgänger ist »Time Is A Habit« weniger elektronisch verspielt, setzt mehr auf Gitarren, Schlagzeug und munteren Gesang. »Unsere erste Platte haben wir zu Hause aufgenommen und dafür verschiedenste Instrumente benutzt, was live dann leider nicht ganz so leicht umzusetzen war«, erzählt Kropf. Also galt es diesmal, die Finger lieber an den Gitarrensaiten austoben zu lassen, statt sie in Laptop-Reichweite zu haben. Ein bisschen Hamburger Schule hier, etwas Riot Grrrl dort und dazwischen surreal-existenzialistische Songzeilen, deren Lakonie vom fröhlichen Pop überstrahlt wird. Ach so, und nach Lasso schwingendem Cowgirl-Chor klingen Luise Pop mit ihrem verhalten klingenden Schlagzeug und surfigen Gitarren außerdem. »Stimmt«, bestätigt Sängerin Vera Kropf. Surfmusik ist ihr persönlich wichtigster Einfluss und das Genre, das sie mit ihrem anderen Bandprojekt, Sonodrom Express, bedient.

Für Luise Pop dagegen gibt es keinen Genre-Zwang, hier dominiert die Lust an der Veränderung, egal, ob es Sound oder Besetzungswechsel betrifft. Bevor Martin Lehr Schlagzeug spielte, saß Ja-Panik-Sänger Andreas Spechtl auf dem Hocker. Für Ina Freudenschuss übernahm die Kanadierin Erin Stewart neulich erst den Bass. Überhaupt fand man sich nur zufällig als Band zusammen, als man gemeinsam auf dem Fest von Freunden aufgetreten sei und irgendwie zufällig mit Luise Pop weitergemacht habe. »Viele halten uns für zu kopflastig«, bringt Kropf ein Vorurteil gegen die Band auf die Agenda. Und da steckt ein bisschen Wahrheit drin, denn Luise Pop packen viel in ihre Songs, nicht zuletzt den Mut zum Perspektivwechsel. »Viele Songs entstehen in Etappen, und eine Idee von vor zwei Jahren verändert sich, bekommt neue Impulse und entwickelt sich zu einer ganz neuen Geschichte.« Die dann eben mal ein bisschen komplizierter wird. So geschehen bei »Fat Yellow Moon«, das als Liebeslied entstand und textlich dann als Drama mit dunklem Blut, auf dem Rücksitz vergossen, endete. »We took the wrong turn«, singt der Frauenchor auf dem Album und klingt plötzlich gar nicht mehr nach Wild-West-Spaß. Kopflos dagegen entstand »Conceptual Dance«, eine intellektuell gepimpte Referenz an Right Said Freds »I’m Too Sexy«. »Das haben wir abends in einer Bar so hingepfeffert«, verrät Kropf. Luise Pop kritisieren hier den zur Schau gestellten Intellektualismus, der mitunter auch die feministischen Diskurse bestimmt: »Dieses wichtigtuerische Auftreten, mit dem sich Menschen in Diskussionen einbringen und über Namedropping zur Schau stellen, irritiert mich sehr«, sagt Kropf. In der feministischen Szene Wiens sehen sich Luise Pop deshalb als Brückenbauerinnen, die feministische Queerness gleichermaßen klug wie gewitzt präsentieren wollen.

Diese Bands sind nun überflüssig: Le Tigre, Right Said Fred
Hört man am besten: beim Katzenausritt, dem Sonnenaufgang entgegen