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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Music Complete«

New Order

Auch ohne Peter Hook gelingt es den neu formierten New Order, im alten Glanz zu erstrahlen. Neue Horizonte zu erschließen, scheint hingegen nicht mehr auf ihrer Agenda zu stehen.
Geschrieben am
Jede Band hat ihre Zeit – und die von New Order ist natürlich schon lange vorbei. Wer es einst schaffte, nach dem tragischen Ende Joy Divisions aus dieser dunkelsten und prägendsten Band der Musikgeschichte hervorzugehen und plötzlich mit einem auf Euphorie und Bewegung setzenden Stil ein noch größeres Publikum zu erreichen, wird danach nie wieder so hell scheinen, wie New Order es die in ihren ersten Jahren getan haben. Doch obwohl sie seitdem aktiv ihr Erbe verwalten, waren sie noch immer für eine Überraschung gut – zum Beispiel 2001, als sie sich mit »Get Ready« mal eben als Gitarrenband neu erfanden. An ihrem ersten Studioalbum seit zehn Jahren überrascht zuerst einmal, dass es überhaupt existiert. Peter Hook verließ bekanntlich wutschnaubend die Band, dafür ist Gründungsmitglied Gillian Gilbert wieder dabei, plus Phil Cunningham an den Keyboards und Tom Chapman am Bass. Der leistete bei der Single »Restless« gleich mal erstaunliches: Man realisiert erst am Ende des Songs, dass Hooks wundervoller Bassklang fehlt, obwohl dieses Instrument in der sehr klassisch klingenden Nummer durchaus präsent ist. Hook wird vermutlich geschnaubt haben, als er das hörte. 
Es sind vor allem die Songs auf »Music Complete«, die eher auf die spätere Bandphase verweisen, die am Ende dieses wohlige Gefühl zwischen Nostalgie und Euphorie auslösen. »Restless« eben, dazu das gitarrengetriebene »Academic«, das wieder einen dieser Breite-deine-Arme-aus-und-schau-ins-Licht-Refrains parat hat, oder das melancholische »Nothing But A Fool«, in dem Sumners Stimme nach und nach mit schillernden Gitarren und einem wehmütigen Background-Chor verschmilzt. Allerdings ist der Band der Tanzfaktor leider wichtiger; man wollte wieder elektronischer werden. Tja, und dadurch ist das Ergebnis durchwachsen. Bei »Tutti Frutti« möchte man nach dem schlimmen Sample in den ersten Sekunden vor Scham im Erdboden versinken, »People On The Highline« ist zwar funky Gedengel, aber wie monoton Sumners hier die Strophen singt – das nagt schon am Nervenkostüm. 
Aber wir wollen nicht unfair sein: Im Rausschmeißer »Superheated« sind New Order dann wieder ganz groß und melancholisch und tanzbar und elektronisch und euphorisch und alles zugleich, in »Unlearn The Hatred« ebenso. So wird dieses Album am Ende wohl genau das schaffen, was es wollte: Die alten Schäfchen einfangen und sie noch mal in Bewegung versetzen, während man sich gemeinsam auf die Strahlkraft der gemeinsamen frühen Jahre besinnt. Ob New Order jenseits davon noch neue Hörerschichten erschließen können, darf indes immer noch bezweifelt werden.

– New Order »Music Complete« (Mute / GoodToGo / VÖ 25.09.2015)

New Order

Music Complete

Release: 25.09.2015

℗ 2015 New Order Ltd under exclusive licence to Mute Artists Ltd