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Die Nerven

Neue Bands fürs Jetzt

Die Nerven aus Stuttgart treten auf dem amerikanischen Noise-Label Amphetamine Reptile das Erbe von Bands wie Helmet und Surgery an. Schienen sie mit ihrer Lana-Del-Rey-Coverversion »Summertime Sadness« vor Kurzem noch auf dem besten Weg in die Funpunk-Disco, so stehen nun mit dem Album »Fun« alle Zeichen auf Verzerrung und Schreianfall.
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Es gibt ein Stuttgart ohne Rap. Es ist nicht groß, dafür ziemlich aktiv und hatte sein Epizentrum bis vor wenigen Monaten in einem als Konzertort und Bar dienenden Waggon am Nordbahnhof. Mittlerweile ist ebenjener ehemalige Zugwaggon, in dem sich Die Nerven ihre ersten Sporen und Schrammen abholten, leider dem Stuttgart-21-Bahnhofsdrama zum Opfer gefallen.

Aber gehen wir noch mal ein paar Jahre zurück. So richtig begonnen hat die Geschichte von Die Nerven im dörflichen Umland der Landeshauptstadt. Dort besuchten die beiden Gründungsmitglieder Julian Knoth und Max Rieger (die gemeinsam mit Kevin Kuhn die aktuelle Besetzung stellen) zwar dieselbe Schule, brauchten jedoch trotz der überschaubaren Zusammenhänge das Internet, um sich zu finden. Danach ging aber alles sehr intensiv los. Gleich vier MP3-Alben entstanden ab 2010, alle ausschließlich im First-Take aufgenommen, nicht editiert und kaum gemischt. »Wir haben uns auf einen Akkord geeinigt, losgespielt und darüber Texte von Julian gesungen«, erklärt Max Rieger die damalige »Erfolgsformel«. Man ging mit viel Elan und wenig technischem Vermögen zur Sache, gibt er offenherzig zu. »Ich konnte damals schlecht gleichzeitig singen und Gitarre spielen. Später habe ich diese Einschränkung beibehalten.«


In der Tat liegt die Klasse von Die Nerven nicht in instrumentaler Komplexität, sondern in auf den Punkt funktionierendem Songwriting und Texten, die in ihrer nüchternen Destruktivität Sturm und Drang ausdrücken. »Andere Frauen ändern auch nichts an deinen Problemen, andere Städte ändern auch nichts an deinen Komplexen«, hieß es beispielsweise in »Irgendwann geht’s zurück«, dem am meisten wahrgenommenen Song des letzten Albums »Fluidum« – mal von der auf YouTube sehr populären Lana-Del-Rey-Coverversion »Summertime Sadness« abgesehen. Hendrik Otremba, Sänger der Band Messer, hatte es seinem Label This Charming Man Records als Empfehlung geschickt. Dort fand man die Demo-Aufnahmen so gut, dass man sie nahezu unbearbeitet veröffentlichte.


Mit dem neuen Album »Fun« gehen Die Nerven nun den nächsten Schritt. Die Aufnahmen erreichen erstmals den Druck ihres Livesounds, gleichzeitig klingen sie immer noch so schroff und direkt, dass sie ihre Wirkung von unmittelbarer Kraft nicht verlieren. Von der war schließlich auch eine wahre Ikone des Noise angetan: Tom Hazelmyer, in den späten 1980er-Jahren Gründer des stilbildenden US-Labels Amphetamine Reptile, veröffentlichte unlängst die Single »Nichts Neues« der Band. Ein Ritterschlag. Die Pointe daran: Die Bedeutung des Labels war den Stuttgartern bis dato nicht bewusst.

 

Die Nerven »Fun« (This Charming Man / Cargo / VÖ 07.02.14)

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