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So war’s in Köln: Durchs Schlüsselloch beim Proben zuschauen

Neil Young & Crazy Horse live

Neil Young verzichtet auch in Mönchengladbach auf prätentiösen Mehrzweckhallen-Gestus und konzentriert sich auf das wesentliche: seine Gitarre.
Geschrieben am

The Magic Numbers haben ihren latent hippie-beseelten, latent drögen Folk-Pop vor halbleeren Rängen abgespult. Eine halbe Stunde später, bei hellster Abendsonne um sage und schreibe 19:50 Uhr, steht Neil Young schon auf der Bühne. So beiläufig, als sei er sein eigener Roadie. Kurzes Handheben und los geht es. So brachial und mitunter bescheiden er und seine Backing Band Crazy Horse seit Jahrzehnten Shows auf der ganzen Welt spielen, so einzigartig bleibt dieser Habitus auch. Andere Shows vor 7000 Menschen wären ohne Computeranimationen, Laser, Nebel und geschwätzige Ansagen völlig undenkbar. Von großen Konzerten für viel Geld, so die Logik der Live-Industrie, muss großes Spektakel ausgehen. Bei Neil Young verharrt der Zuhörer hingegen ein ganzes Konzert lang im Glauben, der Band durchs Schlüsselloch beim Proben zuschauen zu dürfen.

Durch das sehen die Fans, die nach 2013 überraschend schon wieder mit einer Tournee von Young beglückt werden, ein viel schöneres Set als zuletzt. Ohne deutsche Nationalhymne, rätselhafte Songwauswahl und unnötige Gastmusiker. Lediglich zwei Backgroundsängerinnen verleihen einigen Stücken dezent eine weitere stimmliche Dimension. Dabei wäre sie gar nicht nötig: Young der sich aufgrund seiner dünnen Stimme in den 1960ern zunächst davor geziert haben soll, hinters Mikrofon zu treten, singt 2014 erstaunlicherweise besser als früher. Auch was er intoniert, hat sich bisweilen gewandelt. Anfang der 1990er und Mitte der Nullerjahre war Young musikalisch getrieben vom Thema Krieg. Zurzeit scheint es erneut der Umweltschutz zu sein. Anders ist es nicht zu erklären, dass er live etliche Texte auch seiner größten Hits um Verse zu Umweltverschmutzung und Öl-Lobby erweitert. Schon am Eingang hat bekommt jeder (!) Konzertbesucher, und das gilt offenbar für die komplette Europa-Tournee, ein T-Shirt geschenkt. Auf denen in klassischen Männergrößen steht »Earth«, auf denen für Frauen »Protect«. Neil Youngs Botschaften bleiben einfach, sein Elan aber wirkt weiter ungebremst. Die Shows sind die eines gealterten Rockstars, der dadurch reüssiert, dass er diese Tatsache weder zu verschleiern noch zu betonen sucht. Neil Young ist einfach nur der Typ mit der Gitarre. Das reicht.

 

 

Setlist: 

 

Love and Only Love 
Powderfinger 
Standing in the Light of Love 
Days That Used to Be 
Living With War 
Love to Burn 
Name of Love 
Blowin' in the Wind 
Heart of Gold 
Barstool Blues 
Psychedelic Pill 
Cortez the Killer 
Rockin' in the Free World 
Who's Gonna Stand Up and Save the Earth