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Napalm Death live in Köln

Für die einen sind sie Grindcore-Götter, für die anderen die härteste Punkrock-Combo aller Zeiten. Fest steht: Napalm Death sind eine außergewöhnliche Band. Das beweisen die Briten auch beim Köln Konzert mal wieder eindrucksvoll.
Geschrieben am
01.05.2017, Köln, Underground

Seit über 25 Jahren spielen Napalm Death nun schon in ihrer gegenwärtigen Besetzung, doch statt sich auf dem Status als Szenehelden auszuruhen, ist das Quartett auch 2017 wieder ausführlich unterwegs. Einen Monat dauert die »Campaign For Musical Destruction«-Tour, die die Briten gemeinsam mit Power Trip und Brujeria auf Europas Bühnen und an diesem verregneten Montagabend auch nach Köln führt. 

Der alteingesessene Rockschuppen Underground scheint der perfekte Ort für dieses Programm und der Konzertsaal platzt dementsprechend aus allen Nähten, als Napalm Death gegen halb elf mit ihrem Set starten. Ihrer langen Geschichte angemessen, beschränkt sich die Band keinesfalls auf aktuelles Material. Vom dritten Album »Harmony Corruption« spielen sie »Suffer The Children« und auch der Titeltrack des Debütalbums »Scum« wird zur Freude der zahlreichen Fans älteren Semesters nicht vergessen. Metalheads gelten gemeinhin als treu und langlebig, an Abenden wie heute, sieht man, was damit gemeint ist. So ist es schwer vorstellbar, dass im Underground Menschen anwesend sind, für die das ihr erstes Napalm Death-Konzert ist. Lautstark werden sich Lieblingslieder gewünscht oder euphorisch die Kommentare zwischen den Liedern beklatscht. Auch Crowdsurfen gehört trotz bedenklich tief hängender Lichtanlage mit dazu.
Sänger Barney Greenway wechselt wie üblich nahtlos zwischen seinem brüllenden Gesang und höchst pointierten Ansagen zu den Missständen der Gegenwart: von den skandalösen Arbeitsbedingungen der Bekleidungsindustrie bis zur politisch geschürten Angst vor dem Fremdartigen. Jeder Mensch auf der Welt verdiene es, glücklich zu sein und ohne Anfeindungen oder Unterdrückung zu leben, lautet die simple Forderung. Diese klare politische Positionierung, die eher auf Verständigung statt Ausgrenzung setzt, macht Napalm Death schon immer besonders und ist neben dem musikalischen Variantenreichtum eine Erklärung dafür, dass die Band den klassischen Metal- und Grindcore-Rahmen sprengt.

Um das zu untermauern, gibt es gegen Ende des Auftritts drei Coversongs von Bands, die sie beeinflusst haben. Natürlich mit dabei sind die Dead Kennedys und ihr Schlachtruf »Nazi Punks Fuck Off«. Dazu gibt es mit »Face Down In The Dirt« der texanischen Hardcoreband The Offenders und dem blitzartig kurzen »Hate, Fear And Power« von Hirax zwei weitere zwei weitere Stücke aus den 80ern zu hören. Nach etwas über einer Stunde ist das packende Set dann vorbei, und auch wenn die Band auf eine Zugabe verzichtet, ist von Ermüdungserscheinungen keine Spur.