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"Indieszene und Weißweinmilieu sind sich ähnlicher, als man glaubt"

Nagel / Ex-Muff Potter

Mit seinem Debüt-Roman hat sich der Ex-Sänger von Muff Potter auf Reisen begeben. Linus Volkmann klärt auf.
Geschrieben am
Mosel, Wein, Familie, Deutschland – auf den ersten Blick eher untypische Nagel-Claims. Doch mit seinem Debüt-Roman "Was kostet die Welt" (nach der Rock-Geschichtensammlung "Wo die wilden Maden graben") hat sich der Ex-Sänger von Muff Potter auf Reisen begeben. Schickte seinen Protagonisten durch die Welt und landete an der Mosel. Was es damit auf sich hat, klärt Linus Volkmann.
 
Was reizt dich an der Mosel-Region?
Als Autor reizt mich daran, dass die Gegend noch nicht so toterzählt ist wie die größeren deutschen Städte, allen voran Berlin. Das Folkloristische, die geradezu anachronistische bundesrepublikanische Gemütlichkeit bietet natürlich ebenfalls viel Stoff, an dem man sich reiben kann.

Wie hast du recherchiert? Man merkt der Genauigkeit des Textes ja an, dass du auf jeden Fall vor Ort warst.
Ich bin beim ersten Mal durch Zufall dort gelandet. Nach einem Muff Potter-Konzert in Karlsruhe wurde ich von einem Jungwinzer auf das Weingut seiner Eltern eingeladen: "Das war mein fünftes Muff Potter-Konzert, jedes Mal hattest du eine Flasche Weißwein auf der Bühne. Wenn du mal sehen willst, wie der gemacht wird, dann komm bei uns vorbei, und du kriegst eine private Führung."

"Die Mosel" fungiert in deinem Buch auch als Metapher für die alte BRD. Was hat es damit für dich auf sich?
Na ja, Deutsches Eck, Loreley, Konrad Adenauer, Helmut Kohl, Kurt Beck, Handwerk und Kleinunternehmertum, Gemütlichkeit, Bescheidenheit und Heile Welt ... – mehr Bundesrepublik geht wohl nicht. Aus mir selbst unerfindlichen Gründen fasziniert mich das. Vielleicht, weil ich in den Achtzigern aufgewachsen bin und einen leichten Hang zur Nostalgie habe. Durch meine Verehrung der Bücher und Reportagen von Jörg Fauser wurde das in den letzten Jahren noch angeheizt.

Nun machst du ja genau da auch eine Lesung – ganz passend zur Story. Hast du nicht Sorge wegen der Anwohner? Immerhin dient ihre kleine Gegenwelt dort bei dir kaum als Utopie, eher im Gegenteil.
Tatsächlich habe ich zu meinem Winzerfreund gesagt: "Wenn das Buch rauskommt, trau ich mich nie mehr an die Mosel." Und er daraufhin: "Ja, willst du nicht eine Lesung bei uns im Weinkeller machen?" – Das mache ich nun, denn die Idee ist einfach zu gut. Zumal der Weinkeller, in dem ich lesen werde, dem im Buch beschriebenen fast eins zu eins gleicht. Rein zufällig, natürlich.

Du hast selbst durchaus eine Affinität zu Wein. Was kannst du unseren Lesern dahingehend empfehlen?
Es stimmt zwar, dass ich anders als Meise kein Bier-, sondern eher ein Weintyp bin. Allerdings bin ich auch nach all der Recherche noch eher Banause als Connaisseur. Von daher maße ich mir nicht an, hier eine Weinempfehlung auszusprechen. Nur von Billigdiscounter-Plörre rate ich dringend ab. Peter Mertes und Co. sind der Media Markt der Winzerwelt. Lieblose Fließbandproduktion, total verpönt, Sell-out und so. Manche Diskussionen findet man eben überall, da sind sich Indieszene und Weißweinmilieu ähnlicher, als man glaubt.


Intro empfiehlt:
Nagel "Was kostet die Welt" (Heyne, 320 S., EUR 16,99 / VÖ: 27.09)

[tour artist=Nagel]