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Todeskandidaten und das Web 2.0

MySpace/MyDeathRow

US-Beamter lässt MySpace-Profile von Todeszelleninsassen sperren.
Geschrieben am

Auf MySpace treibt sich ja so ziemlich jeder rum. Man hört meist von den Copyrightverletzern - ein gewisser Andy Kahan, beim Bürgermeister von Houston, Texas angestellt, hat aber nun eine neue Zielgruppe entdeckt. Nachdem schon Kinderschänder bei MySpace vermutet und aufgespürt wurden, ist die neuste Entdeckung die Benutzung von MySpace durch Todeskandidaten. Die Insassen der Death Row dürfen zwar nicht selbst ins Netz, aber können immer noch auf Hilfe von Außen zurückgreifen, indem beispielsweise Briefe als Blogeinträge durch Freunde oder Verwandte abgetippt werden.

Kahan, der in einem Artikel die Meinung vertritt, es handele sich dabei um einen Versuch, sich zu legitimieren, findet, Myspace sollte diese Seiten sperren. "You don't have to allow convicted killers on death row the opportunity to legitimize themselves and influence young minds that are easily manipulated." Wenn man nun auf die Seite von Randy Halprin zugreifen möchte, so bekommt man seit einigen Tagen nur noch eine Fehlermeldung.

Halprin ist als einer der sogenannten 'Texas 7' 2003 wegen Polizistenmord zum Tode verurteilt worden. Auf seiner Homepage, die noch offen einsehbar ist, erklärt er sich ausführlich zum Tathergang und zu seiner (der Homepage nach) offensichtlichen Unschuld. Ohne sich ein Urteil anzumaßen, was Schuld oder Unschuld eines Einzelnen angeht, ist doch die Frage, was Andy Kahan dazu bringt, eine Sperre der Seiten von Todeskandidaten zu fordern.

Denn es ist keineswegs so, dass Halprin seine Taten verherrlichen würde. Im Gegenteil, er sucht noch nicht einmal Mitleid, er möchte eine Öffentlichkeit schaffen, in der Todeskandidaten als Menschen wahrgenommen werden. "I don't want sympathy or even pity. I made my own bed. But I do want to bring attention to the fact that there are many more people back here on death row just like me. We all aren't the monsters that the State Prosecutors and media might make us out to be." Sicherlich ist das über den Einzelfall hinaus als grundsätzliches Pladoyer gegen die Todesstrafe anzusehen.

Dass aber ausgerechnet Halprins relativ harmlose Seite als eine der ersten angegriffen wurde, verwundert dann doch. Einer Quelle vom 26.11. zufolge war seine Seite beispielsweise früher aus der Suche genommen worden, als andere, deutlich drastischere Seiten, wie etwa die mittlerweile auch gesperrte Seite von Richard Ramirez. Von den Weiten des Internets mal ganz abgesehen. Da fragt man sich dann, warum Kahan zuerst auf MySpace Profile losgeht, anstatt sich etwa der Serienkillerkalender anzunehmen, wie hier zu sehen. Die daraus sprechende Verallgemeinerung der Todeskandidaten ist genau, wogegen sich Halprin wendet.