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»Sirens«

Myra Davies

Politische, dennoch poetische Wort-Kaskaden fesseln auf diesem Spoken-Word-Album der erweiterten Gruppe Miasma. Vielleicht findet nach Kate Tempest so was endlich ein größeres Publikum?
Geschrieben am
Es wäre vermutlich etwas überinterpretiert, in diese Musik einen Trend hineinzulesen. Aber interessant ist es schon, dass in den letzten Monaten – einer Zeit, in der die Parole oft wichtiger war als gute Argumentation – einige großartige Spoken-Word-Alben erschienen sind, die mit Sprechgesang jenseits von Rap-Ästhetik und Poetry Slam zum konzentrierten Hören einluden. Kate Tempest ist hier zu nennen oder der US-Poet Kenneth Goldsmith. Nun legt Myra Davies ein elektronisch befeuertes Poesie-Album vor. Sicher, ganz neu ist das nicht: Rainald Goetz machte 1994 ein Techno-Album; und falls es in den 1980ern schon Vergleichbares gegeben haben sollte, darf man sicher sein, dass Gudrun Gut und Beate Bartel zwei Westberliner Häuser weiter gelebt haben. Beide sind Gründungsmitglieder der genrebrechenden Untergrundgruppen Mania D und Einstürzende Neubauten, beide legen hier einen perfekt gewebten Soundteppich unter Davies’ Vortrag – die wiederum mit Gudrun Gut seit fast drei Jahrzehnten das ästhetisch ähnlich gelagerte Projekt Miasma unterhält. Ein eingespieltes Team also, das hier zusammenkommt – und man hört vielleicht deshalb so überaus gerne zu, wenn Davies ihre Kurzgeschichten, Meta-Polit-Analysen und poetischen Reportagen spricht. Selbst wenn sie Wagners »Götterdämmerung« als Dreiteiler nacherzählt: »Girl kills all and then herself. Another high school massacre?« Krasser Stoff, man sollte hinhören.

Myra Davies

Sirens

Release: 27.01.2017

℗ 2017 Moabit Musik