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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Das exklusive Online-Interview

My My

Interview mit My My (- hier der komplette Magazin-Artikel.)Ihr seid ja zu dritt. Es wirkt auf mich immer noch eher unüblich, ein Produzententeam zu bilden. Wie kamt ihr zusammen, wie verteilen sich bei euch die Verantwortlichkeiten, und wieso produziert ihr lieber zu dritt als allein?Wir sind zwar z
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Interview mit My My (- hier der komplette Magazin-Artikel.)

Ihr seid ja zu dritt. Es wirkt auf mich immer noch eher unüblich, ein Produzententeam zu bilden. Wie kamt ihr zusammen, wie verteilen sich bei euch die Verantwortlichkeiten, und wieso produziert ihr lieber zu dritt als allein?

Wir sind zwar zu dritt, aber wir verstehen uns als Kollektiv, in dem es nicht nur ums Produzieren geht. Wir veranstalten z.B. einmal pro Monat eine Clubnacht, wir betreiben seit kurzem unser Label Just und Carsten Klemann und Nick Höppner sind ja auch als Djs tätig. Wenn es aber ums Produzieren geht, liegt die Hauptverantwortung bei Lee Jones, Nick trägt jedoch auch seinen Teil bei. Wir produzieren dabei meistens getrennt und kommen dann später zusammen. Ab und zu produzieren Lee und Nick die Tracks aber auch von A-Z gemeinsam.

Wie kam es zu dem Just-Label? Was war der Ausgangspunkt für seine Gründung? Und wie viel Raum soll es zukünftig in eurer Zeitplanung einnehmen?

Die Ausgangsidee war, eine Plattform vor allem für Lee zu schaffen, da er ziemlich produktiv ist. Während wir über ein eigenes Label nachdachten, sind wir in unserem direkten Umfeld auf produzierende Freunde aufmerksam geworden. Das passte uns gut ins Konzept und so veröffentlichen wir vorerst tatsächlich nur Tracks aus engstem Kreis und versuchen so, eine kleine Labelfamilie aufzubauen. Stilistische Erwägungen spielen dabei eine zweitrangige Rolle, solange uns das Material eben gefällt. Man muss aber schon sagen, dass sich momentan ein eher minimales Profil abzeichnet, was sich aber auch schnell wieder ändern kann.

Wie fühlt ihr euch denn im Playhouse-Kontext? Bestens aufgehoben, eher exotisch oder wie auch immer…? Und wie läuft die Zusammenarbeit?

Wir fühlen uns bestens aufgehoben. Ein wenig Exotik kommt durch die geografische Distanz ins Spiel, aber mit Prosumer oder Phage&Daniel Dreier auf Klang sind wir ja mitnichten die einzigen Berliner an Bord. Die Zusammenarbeit läuft meistens über Emails und Telefon, was in der Regel keinen Nachteil bedeutet, außer dass die Dinge manchmal ein wenig mehr Zeit brauchen.

Das Album ist zu großen Teilen ja eher zum daheim hören als für den Club konzipiert, so scheint es mir jedenfalls. Wie habt ihr euch das gedacht? Für welche Situationen sind die Tracks gedacht? Wann sollten die Stücke am besten funktionieren?

Anders herum wird ein Schuh draus: Wir wollten definitiv ein Club-Album machen, das aber trotzdem auch zuhause funktioniert. Auf unseren vorangegangenen 12"es haben wir oft extrem experimentiert und alles mit in den Topf geworfen: Cut Ups, Glitches, extreme Effektspielereien und eine generelle Tendenz zur Rumpeligkeit. Beim Album kam es uns mehr auf Harmonien an, auf Schönheit in einem eher romantischen Sinn und darauf, dass das Album als Album funktioniert und nicht als Zusammenstellung von Tracks, die wir so rumliegen hatten. Wir wären sehr froh, wenn die Leute das Album auf dem Dancefloor, im Auto, beim Chillen oder Putzen hören und genießen können.

Ihr schaut, sowohl was eure musikalischen Interessen als auch eure Arbeit selbst betrifft, ja gerne über den stilistischen Tellerrand hinaus. Welche Stilarten haben euch denn wie beeinflusst, was habt ihr als Neuerung bewusst in die Albumtracks aufgenommen?

Zu den Neuerungen haben wir ja bereits bei der vorherigen Frage etwas gesagt. Wir haben das Maß des Chaos zugunsten von Melodie, Harmonie und Atmosphären zurückgeschraubt. Dazu muss man aber sagen, dass der einzige Masterplan tatsächlich nur war, dass Album als Einheit zu konzipieren. Stilistisch sind wir sehr offen an die Sache herangegangen, da wir uns ja auch mit den Maxis nicht unbedingt auf nur eine Spielart festgelegt haben. Die relative Homogenität ergab sich eher daraus, dass 8 Stücke des Albums innerhalb von 2 Monaten entstanden sind. Ein genereller Einfluss, der für uns alle gilt, ist aber schon HipHop und damit zusammenhängend der Stellenwert von Sampling. Ein weiterer Einfluss, den man eher sehen kann, ist Folk. Wir wollten bei unserem Artwork nichts, was so gängigen, eher technischen oder designten Präsentationsformen von House und Techno entspricht. Deshalb die Fotografie einer Pferdekoppel in der Uckermark. Anderen, eher indirekten Einfluss auf die Musik nehmen vor allem Carstens und Lees Hörgewohnheiten. Die beiden beschäftigen sich vornehmlich mit klassischem Pop.

Ihr arbeitet ja auch was das Artwork angeht mit einer ziemlich deutlichen Folksong-Ästhetik. Was hat euch daran interessiert?

Wir wollten einen bewussten Bruch zu im Genre gängigen Ästhetiken herbeiführen. Darüber hinaus drückt es natürlich auch aus, dass es ein Leben außerhalb der Clubkultur gibt und dass es gut tun kann, denn S-Bahn-Ring von Berlin auch ab und zu mal zu überschreiten.

Woher ist denn das hübsche Coverphoto?

Vom Fotografen Oliver Helbig, der wiederum mit unserem Freund und Grafikdesigner Alex Geh von Cityrama befreundet ist.

Habt ihr Stücke von dem Album denn schon in Clubsituationen ausprobiert? Wie waren die Reaktionen?

Wir haben alle Tracks ausprobiert und wenn man sie zu ihrer Zeit spielt, funktionieren sie alle prächtig. Was uns besonders freut, ist die Tatsache, dass die Tracks, die zuhause eher verhalten wirken, im Club dann doch ordentlich schieben.

Ist "My My" eigentlich ein Zitat aus dem Neil Young-Song? Oder woher kommt das?

Erst in zweiter Linie. Unser Freund und My My-Gründungsmitglied Cornelius hat sich diesen Namen ausgehend von seiner Vorliebe für gedoppelte Bandnamen ausgedacht. Natürlich war der Young-Bezug dann auch ganz schnell da, was wir ganz hervorragend fanden, da wir ihn als Musiker sehr schätzen.

Und habt ihr vor, die Platte auch zu dritt live auf die Bühne zu bringen? Schon eine Idee, in welcher Form?

Es gibt ein laptop-basiertes Live-Set-Up, dass Lee und Nick auf die Bühnen bringen. Ab und zu integrieren wir auch eine Gitarre. Am liebsten sehen wir das Live-Set aber eingebettet in eine ganze Nacht, in der Carsten und Nick, mal back to back, mal alleine, auflegen.