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Dad Rock im besten Sinne

My Morning Jacket und Dawes live in Köln

Altbewährtes ist manchmal eben doch gut. My Morning Jacket und Dawes beweisen, dass der zwanghafte Neuerungswahn des Musik-Business eben nicht immer eine Berechtigung hat.
Geschrieben am
02.09.2015, Köln, Gloria 

In Zeiten von tagtäglich neu erfundenen, immer hipperen Genres wie Witchhouse, Chillwave, Neo-R’n’B oder Horrorcore mutet ein Konzert zweier Bands, die einfachen, erdigen Rock spielen, ein wenig altbacken an. Und so fühlt man sich ein wenig in die selbst nicht erlebte Vergangenheit versetzt, in der grundsolider Rock noch mehr wert war, als in Zeiten der gefühlt 40. nichtssagenden Coverstory des (deutschen) Rolling Stone über Bob Dylan. 

Den Anfang machen Dawes aus Los Angeles, die ihren Folk-Rock-Sound im Studio gelassen und stattdessen die Gitarrensoli eingepackt haben. Da sie schon länger mit My Morning Jacket befreundet sind, mimen sie auf der Tour einen Support, der mehr einem Special Guest nahekommt. Nichtsdestotrotz ist es ein wenig befremdlich, dass eine Band, für die man eben nicht den Eintrittspreis bezahlt hat, nicht versucht, durch Variationen in Sound- und Songauswahl zu bestechen, sondern mit diversen durch Gitarren- und Keyboardsoli aufgeblähten und dadurch streckenweise beliebig klingenden Darbietungen.
Dem gut gefüllten Kölner Gloria scheint dies trotzdem gut zu schmecken, vermutlich auch wegen der klanglichen Nähe zum Hauptact des Abends: My Morning Jacket beschreiten in ihrem Set ähnliche Pfade. Dass diese frischer und weniger ausgetreten wirken, liegt vor allem an der ungeheuren Spielfreude des Quintetts um Sänger und Gitarrist Jim James. Zwei Stunden lang spielt sich die Band mit 19 Songs mitreißend durch die mittlerweile 17-jährige Band- und Albumhistorie. Die ausgewählten Songs sind mal mehr (»Steam Engine« mit Saxophon) und mal weniger (»Believe«) experimentell, stehen aber immer in einer Rock-Historie: Dad Rock (danke, Urban Dictionary) im allerbesten Sinne! Was übrigens auch der (amerikanische) Rolling Stone in der Kritik zum jüngsten Album »The Waterfall« bemerkte: My Morning Jacket sei eine Band, »that can tap the past without sounding like throwbacks.«

Dementsprechend ist es für Jim James auch nicht zwingend erforderlich, das Publikum mit Worten zu überzeugen: Erst nach 119 Minuten lässt er sich zur ersten Ansage hinreißen. Ein kurzes »Thank You« kriegt er noch über die Lippen, bevor die Band aus Kentucky die Bühne wortkarg verlässt. Und weil man mit den Dawes und My Morning Jacket so gegenwärtig in der musikalischen Vergangenheit schwelgen kann, braucht auch keiner mit Post-Dubstep und Glitch-Hop zu kommen. 

My Morning Jacket

The Waterfall (Deluxe Edition)

Release: 04.05.2015

℗ 2015 ATO Records, LLC under exclusive license to [PIAS]