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dto.

Movietone

Movietone formierten sich 1994 in Bristol im Umfeld von Third Eye Foundation und Flying Saucer Attack (siehe auch Crescent-Rezension in diesem Heft). Das jetzt vorliegende Album ist eine Auslese der 1994/95 entstandenen, auf Planet Records erschienenen Titel. Sie beginnen allesamt zart und melodisch
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Movietone formierten sich 1994 in Bristol im Umfeld von Third Eye Foundation und Flying Saucer Attack (siehe auch Crescent-Rezension in diesem Heft). Das jetzt vorliegende Album ist eine Auslese der 1994/95 entstandenen, auf Planet Records erschienenen Titel. Sie beginnen allesamt zart und melodisch, mit wenigen, reduzierten Instrumenten und Akkorden, einer Gitarre etwa, die gelassen den bisweilen gesprochenen Gesang begleiten. Dies und auch die Aufnahmetechnik schaffen eine intime Atmosphäre: Es scheint eine akustische Schleuse in das Studio aufzugehen, in dem das Ohr Zeuge wird von Räuspern vor der Aufnahme oder von einem umgefallenen Glas (in “Darkness Blue Glow”). Doch wenn man sich in diesem stillen Slowcore eingerichtet hat, dann lassen Movietone es ordentlich krachen. So kommt in “Orange Zero” unvermutet die Verwandlung des ruhigen Sounds: Ein Saxophon schraubt sich wirr in unvermutete Höhen, erinnert an free jazziges Chaos oder übermütige Evening-Session-Versionen von Spiritualized (“On Fire”). Der Takt ist gebrochen, und innerhalb dessen scheint der Sound diese Brechung selbst wieder zu stören – ein echter Knalleffekt und gelegentliche Nervenstrapaze.

“Redemptive Strikes” ist zwar ganz anders arrangiert, wirkt aber ebenso unverbraucht. Es ist das Debüt des Multiinstrumentalisten Directorsound alias Nick Palmer. Auch er geht mit Versatzstücken zu Werke, ist an Seltsamkeiten und dem vom Strom der Masse Abgedrängten interessiert. Er eröffnet einen Erfahrungsraum, der unweigerlich an den Tonfall des Cinéma Française erinnert. Die Soundästhetik ist narrativ beeinflusst und scheint die Musik zu Jacques-Tati-Filmen zu reformulieren. Ob Directorsound einen Walzer mit (absichtlich) schief gestimmter Gitarre dengelt, ein Schifferklavier haarscharf zu spät einsetzen lässt (“Preliminary Strike”) oder mit Kastagnetten und Zither die Melodie eines schweren, hitzigen Tangos (“Fanfare For Your Museum Of Choice”) kreiert, die elf Stücke wirken durch diese Disharmonien spielerisch und überhaupt nicht aufgesetzt. Das sind positiv besetzte Rauschmomente und zwei richtig gute Fänge.