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Black Hole / Blank Canvas

Motorpsycho

Es rockt wieder. Endlich! Statt Beach-Boys-Süßigkeiten gibt es von den Norwegern Volumen satt auf zwei CDs verteilt. Genug der musikalischen Experimente mit Jazz, Pop und der analytischen Komposition an sich. Am besten sind Motorpsycho immer dann, wenn sie einfach die Instrumente nehmen und unbekümm
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Es rockt wieder. Endlich! Statt Beach-Boys-Süßigkeiten gibt es von den Norwegern Volumen satt auf zwei CDs verteilt. Genug der musikalischen Experimente mit Jazz, Pop und der analytischen Komposition an sich. Am besten sind Motorpsycho immer dann, wenn sie einfach die Instrumente nehmen und unbekümmert loslegen. Mehr The Who als Pink Floyd, mehr "Trust Us" als "Phanerothyme". Erstmals sind einem Motorpsycho-Album die kompletten Texte beigefügt, es gibt schließlich einiges zu erzählen. Nach dem Ausstieg ihres musikalischen Weggefährten Gebhardt, der sich künftig lieber HGH widmet, wirkt der einzige Akustik-Song des neuen Albums wie ein Gruß an den sympathischen Freigeist - ein klares Statement von Bent Saether ist es allemal, wenn er singt: "it's so much easier to move with the changes / when all the daemons are let out of their box / the love cult self-imploded fat / and bloated throwing rocks." Für den Rest gilt: "Lautstärkeregler sind zum Anschlagen da, und Amps müssen krachen!" Saethers Bässe rumpeln rau und massiv, Snahs Gitarrenwände sind schier endlos und sämtliche 17 Tracks mit einer Energie intoniert, die man in dieser Masse und Intensität fast nicht mehr erwartet hätte. Und die dadurch umso mehr Herz und Seele erfrischen. Es tauchen auch gute Bekannte auf. So geht der "Devil Dog" mit Moondogs "All Is Loneliness" jagen, und Marie Antoinettes weltfremde Kuchenspende in "L.T.E.C." wird als lässiger Barracuda-Blues zelebriert. Captain Snah ist in Höchstform, seine Spielweise ist mal ungestüm und übersteuert, mal trocken und angenehm reduziert. Dann wieder singt und soliert er sich dermaßen losgelöst durch die epischen zehn Minuten von "Before The Flood", dass J. Mascis oder Neil Young ihre wahre Freude daran hätten. "Kill Devil Hills" ist zunächst ganz unschuldig als fluffiger Popsong getarnt, entpuppt sich aber plötzlich als teuflische Rockoper. Furioser Highspeed-Jazz trifft wehleidige Ballade, überraschende Soundspielereien ("Triggerman") echten Stoner-Groove: Während das Schlagzeug in den neuen Songs komplett von Bent eingespielt wurde, erhält das hypnotische "You Lose" seinen schwebenden Rhythmusteppich vom Niederländer, Freund und anstehenden Tourschlagzeuger Jacco Van Rooij. Ein großer Song. Eine großartige Produktion - eine grandiose Rückkehr.