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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

The Brilliant Masses

Monta

Ich gestehe: Ich bin nicht ganz unbefangen. Mit Tobias Kuhn a.k.a. Monta verbindet mich eine lange Geschichte. Nicht umsonst habe ich seine letzte Platte auf meinem Label veröffentlicht. Jetzt hat er ein eigenes gegründet. Labelmate. Darauf erscheint nun „The Brilliant Masses“. Das gibt mir die Gele
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Ich gestehe: Ich bin nicht ganz unbefangen. Mit Tobias Kuhn a.k.a. Monta verbindet mich eine lange Geschichte. Nicht umsonst habe ich seine letzte Platte auf meinem Label veröffentlicht. Jetzt hat er ein eigenes gegründet. Labelmate. Darauf erscheint nun „The Brilliant Masses“. Das gibt mir die Gelegenheit zu sagen, was man über seine eigenen Künstlern so nie sagt – und wenn, dann denken alle: klaro, hossahossa, geile Scheibe, Alter. Handwerker, ich hör dich klappern. Das vorweggeschickt, soll und muss es nun um diese Platte gehen, Tobias Kuhns zweites Soloalbum nach dem vorläufigen Ende von Miles. Es ist ein brillantes Album. Tobias ist und bleibt einer der besten Songwriter, die dieses Land hervorgebracht hat. Wie sich hier Schicht um Schicht die Instrumente türmen, bis jedes Lied eine kleine Hymne geworden ist, trägt unverkennbar seine Handschrift. Und ein Wissen um Musik, das mindestens um die besten Momente der Beatles, Eric’s Trip und einer ganzen Schule Songwriter vornehmlich amerikanischer Provenienz herum errichtet ist. Das Theremin ist übrigens auch wieder dabei. Das nur am Rande. Es ist ein Album, das nahtlos an seinen Vorgänger „Where Circles Begin“ anschließt. Es variiert dessen Themen, es baut sie aus, besonders in persönlicher Hinsicht, und ist in ständiger Kommunikation mit dir. Tobias hat ja noch nie hinter dem Berg gehalten, wenn es darum ging, die Trennung von Erzähler und Selbst in seinen Songs aufzugeben. Und so sind die Bilder, die er hier benutzt, oft gar nicht so sehr Bilder, sondern bis zur Schmerzgrenze nah dran an seinem Leben. Dennoch gerät „The Brilliant Masses“ nie zur Nabelschau. Es hält immer genug Momente bereit, die darüber hinausweisen, die interpretierbar bleiben für dich und mich und all die anderen blassen Indiejungs und -mädchen da draußen. Und hoffentlich nicht nur für die. Es ist schwermütig, aber nicht larmoyant, es ist einsam, aber nicht ohne Hoffnung. Überhaupt ist Hoffnung, ein immer wieder neuer Aufbruch, das zentrale Thema dieses Albums. Doch wenn ich schriebe, dass es über seine gesamte Länge eine Reflexion auf ein beschädigtes Leben sei, ein Leben, das kaum anders vorstellbar ist, dann wäre das nicht weniger richtig. Es sind die Widersprüche, die es ausmachen, die niemals blöde dualistisch nebeneinander stehen, sondern aufgehoben sind in den Songs von Tobias Kuhn. Das macht seine Größe als Songwriter aus. Wer das nicht kapiert, ist ein schlechter Mensch. Oder, in einem Satz: das hier ist Lieblingsmusik, die sich einen Dreck um Moden schert.