×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Online Exklusiv: Im Interview

Monta

Wer 'Miles' sagt, muss auch 'Monta' sagen und meint dann damit das Soloprojekt von Miles-Sänger und -Gitarrist Tobias Kuhn. Intro traf ihn anlässlich seines Konzerts in Münster.
Geschrieben am

Unsere Autorinnen Ines Sundermann und Eva Lohmeyer trafen Tobias Kuhn beim Konzert in Münster und sprachen mit ihm über das neue Monta-Album 'The Brilliant Masses'.

Wir schauen uns heute Abend schon das zweite Mal innerhalb von einem Monat ein Konzert von dir an.
Letztens im Blue Shell in Köln und heute in Münster. Wie ist deine Tour denn bisher gelaufen?
In Köln war eigentlich am wenigsten los. Und sonst war es echt überall überraschend gut besucht. In Berlin und Hamburg waren ungefähr 200 und in München sogar 300 Leute.

In Köln haben aber auch nicht wirklich viel mehr Leute in den Club gepasst. Der Club war einfach zu klein.
Ja gut, das stimmt wohl. Ich hatte vorher schon ein paar Bedenken, weil ja noch keine neue Platte da war. Dann waren aber echt viele Leute da, die die Lieder kannten.

... die auch schon die neuen Songs kannten?
Nee, nee (lacht), die noch nicht, die alten meine ich. Aber trotzdem war das ein super Zeichen. Es ist auch schön, dass dieselben Leute wieder kommen, wenn ihnen mein Konzert gefallen hat. Oder es spricht sich rum, und es kommen dann sogar noch mehr Leute. So ist es eigentlich ideal, denn es steckt ja kein großes Marketing dahinter. Es gibt einfach nur eine Platte und die Konzerte.

Man hat gemerkt, dass du heute viel mehr aus dir herausgehst als früher bei Konzerten mit Miles.
Auf der Bühne zu stehen, ist schon schwierig. Irgendwann gab es einen Punkt, wo ich mich wohler gefüllt habe, auf der Bühne zu stehen, ohne das Gefühl zu haben, unterhalten zu müssen. Und jetzt macht es mir wirklich immer Spaß, ohne dass man groß die Show macht oder Leute animiert. Und bei Monta ist es mittlerweile auch so, dass viele Leute kommen, die wissen, dass es ein Konzert zum zuhören ist und sich darauf einlassen, also einfach wegen der Musik kommen.

Heißt das, du fühlst dich jetzt als Monta wohler und auch freier als damals mit Miles? Oder sind das einfach zwei verschiedene Paar Schuhe?
Ich glaube, wenn man alleine Musik macht, sprich eine Platte aufnimmt und entscheidet, wie das Cover aussehen soll oder dergleichen, muss man nicht mehr endlos diskutieren, sondern die erste Idee wird dann einfach realisiert. So werden Ideen, die gut sind, nicht gleich durch Kompromisse in eine andere Richtung geleitet. Da fühlt man sich schon freier, klar. Das ist eben der Vorteil, wenn man alleine arbeitet.

Wie ist es denn im Studio?
Da ist es so, dass ich mit dem Herwig [Zamernik] in Klagenfurt im Studio sitze - zwei Leute bilden ja das kleinste Team. Und das finde ich gut so. Denn wenn ich niemanden hätte, der mir sagt: "Hey, hier ist ne Sackgasse" oder "Hey, hier geht's weiter", käme ich nicht weiter. Mit Herwig hat das immer sehr gut funktioniert. Mit Miles hat es auch Spaß gemacht. Aber wir haben schon mit 16 Jahren angefangen und das ist ja schon eine lange Zeit. Wenn der Erfolg dann irgendwann stagniert und man Ende 20 ist, fragt man sich, wo das hinführen soll. Außerdem ist irgendwann die Luft raus. Ich glaube, dass es Miles in irgendeiner Form noch gibt, und wir vielleicht auch irgendwann wieder etwas zusammen machen werden. Aber für den jetzigen Zeitpunkt war es gut, dass wir aufgehört haben.Darf ich denn fragen, wie es genau zur Trennung kam? Man hat ja recht wenig darüber gelesen...
Der Gilbert hat aufgehört, unser Gitarrist, also der, mit dem ich damals die Band gegründet habe. Er hat irgendwann gesagt, dass er nicht mehr will. Das hat sich über den Sommer so angebahnt. Und dann vor dem Konzert, das unser letztes sein sollte - ein Open Air in Passau mit den Sportfreunden - hat er gesagt, dass er jetzt glaubt, aufzuhören. Das war schon ein ganz schöner Schreck, wenn man so lange in einer Band gespielt und so viel Energie hinein gesteckt hat. Aber im Nachhinein war es trotzdem eine gute Entscheidung für uns alle.

Hier in Münster gab es mal eine beliebte Indie-Party, die nach eurem Hit "Pretty Day" benannt wurde. Du hattest dort in der Vergangenheit ja auch schon einmal nach einem Miles Konzert aufgelegt. Interessanterweise wurde die Party ungefähr zum Zeitpunkt der Auflösung von Miles abgesetzt.
Echt? Schade, habe ich gar nicht mitbekommen.

… und plötzlich hörte man den Song in einem Werbespot für Margarine. Wie habt ihr reagiert, als die bei euch angeklopft haben und den Song für den Spot verwenden wollten?
Also, für uns war das super, weil wir zum ersten Mal richtig Geld verdient haben. Klar ist es immer eine zwiespältige Sache, Musik für die Werbung herzugeben. Aber das Geld war es schon wert. Es ist der Wahnsinn, was die für Budgets haben. Der Regisseur fand den Song immer schon toll und hat vorgeschlagen, den für den Clip zu nehmen. Er ist halt ein riesiger Miles Fan und hat gedacht, der Song passe ganz gut. Und dann hat er mich eben nach unserem Einverständnis gefragt. Für mich war das okay. Ich hab die anderen angerufen, und die haben sich dann auch gefreut.

Nun mal zu deinem neuen Album "The Brilliant Masses". Hat sich seit der letzten Veröffentlichung deines Debütalbums die Herangehensweise, Songs zu schreiben, gewandelt? Du hast zum letzten Album mal erzählt, du würdest dich einfach nur hinsetzen und dann kommen die Songs von ganz alleine. Funktioniert das immer noch so?
Ja, ich wollte auch bewusst nichts daran ändern. Ich höre mir manchmal die letzte Platte an und finde sie immer noch gut, so wie sie ist. Und live kann man die Songs gut umsetzen. Deswegen wollte ich nichts an der Herangehensweise ändern. Es war also nicht so, dass ich irgendeine Vision hatte, dass diesmal alles ganz anders sein muss, so wie etwa bei dem selbstbetitelten Miles-Album. Da war das ja so, dass wir Streicher und dies und das dabei hatten. Ich wollte für das neue Monta-Album genauso angehen wie das letzte. Und trotzdem, muss man sagen, hat es im Nachhinein eine andere Atmosphäre.

… was vielleicht auch mit deiner veränderten Lebenssituation zu tun hat? Du bist seit kurzem Vater eines Sohnes.
Klar, die Inhalte sind unter anderem deswegen auch andere. Das war auf jeden Fall ein prägendes und aufwühlendes Erlebnis. Es dreht sich schon zu einem großen Teil um das Thema. Wenn ich Songs schreibe, dann schon über Erlebnisse, die mich beschäftigen. Aber ich bin kein Geschichtenerzähler. Das funktioniert bei mir nicht.Deine Texte zeugen manchmal von Unsicherheiten und als seiest du stets auf der Suche nach etwas.
Eigentlich ist alles cool: Ich habe eine tolle Familie und ich kann meinen Beruf machen und mit dem Geld kommt man klar. Es funktioniert also alles. Aber trotzdem bin ich ein Mensch, der immer auf der Suche ist und nie weiß, wie es weitergeht. Von daher ist das tatsächlich so, dass ich da gewisse Unsicherheiten fühle. Ich schreibe auch nie, wenn ich mich gut fühle, sondern wenn mich etwas beschäftigt. Hoffnung ist auch ein Stichwort. Manchmal klappt es nicht so, wie man will, aber man hat die Hoffnung, dass dann einfach auf eine andere Art und Weise alles gut wird. Ich dachte zum Beispiel einmal, dass, wenn es mit der Musik nicht mehr klappt, würde ich einfach wieder studieren gehen. Man hält sich im Leben immer ein paar Türen offen. Und das ist bei mir nach wie vor so.

Monta Songs im Allgemeinen klingen introvertierter und ruhiger als Miles Songs. Kannst du dich als Monta besser ausdrücken, weil es ganz allein deine Songs sind?
Ja. Miles war ja auch eine Rockband mit vier mitbestimmenden Leuten. Jeder wollte etwas und das Ergebnis war immer der kleinste gemeinsame Nenner. Zum Beispiel, dass man catchy Popsongs schreibt, was ja auch toll war. Aber mittlerweile haben sich die Dinge geändert. Vielleicht könnte ich heutzutage kein "Pretty Day" mehr schreiben. Damals war alles noch neu. Man stand mit roten Wangen zum ersten Mal im Studio. Aber dahin kann man jetzt einfach nicht mehr zurück, glaube ich.

Hast du also das Gefühl, in deinen Songs erwachsener geworden zu sein?
Ja, ich glaube schon. Ich habe auch gelernt, wie man etwas formuliert, was einem wichtig ist. Das war bei Miles früher anders. Da ging es oftmals einfach nur um klassische Poptexte ohne Inhalt.

Was sich nicht geändert hat, ist die Tatsache, dass du englische Texte schreibst. Wieso ziehst du die Sprache der deutschen vor? Gefällt sie dir einfach besser oder wolltest du mehr Leute erreichen?
Als ich angefangen habe, Musik als Fan wahrzunehmen und Gitarre zu spielen, war die Musik, die ich gehört habe, eben englischsprachig. Da wollte man eben Lieder wie die schreiben. Ich habe wenig deutschsprachige Musik gehört. Ich würde nie auf die Idee kommen, ein Lied auf deutsch zu schreiben. Das wäre irgendwie komisch.

Welche Bands hast du denn früher gehört und welche hörst du heute?
The Clash habe ich viel gehört und auch die Pixies und My Bloody Valentine. Das war ungefähr zu der Zeit, als wir auch mit Miles angefangen haben. Ich habe festgestellt, dass man ganz selten alte Platten wieder herauskramt und hört. Ich würde niemals zuhause auf die Idee kommen, mich zu fragen, "Hm, was höre ich denn heute mal?". Dafür gibt es immer viel zu viel neue Musik.Was hörst du denn an neuer Musik?
Ich höre oft den Radiosender FM4. Da laufen immer neue Sachen und da entdeckt man, so klassisch wie es sein soll, durchs Radio immer neue Musik. Aber ansonsten höre ich selten Musik daheim. Im Auto schon, denn da kann man sich darauf auch konzentrieren. Zuhause hätte ich dazu nicht die Geduld. Im Auto finde ich es echt super, Musik zu hören. Auf den langen Strecken skippt man nicht gleich.

Welche neuen Bands hast du denn in letzter Zeit für dich entdeckt?
Da muss ich überlegen... Was ich super fand, war letztes Jahr das Arcade Fire-Album. Dann freue ich mich jetzt auf die neue Band von Damon Albarn. Und die Ben Kweller-Platte fand ich toll. Von den deutschen Sachen gefiel mir die letzte Der-Hund-Marie-Platte. Nicole und ich machen immer so eine Jahres-Best-Of-Doppel-CD, die wir dann unseren Freunden schenken.

Du hast ein eigenes Label "Labelmate" gegründet, auf dem jetzt auch dein neues Album in Kooperation mit Klein Records erschienen ist. Wie bist du auf die Idee eines eigenen Labels gekommen?
Ich habe meine neue Platte hier und dahin verschickt, aber niemand hat sich für sie interessiert. Daraufhin habe ich mit dem Christian von Klein Records - das ist ein Electro-Label aus Österreich - gesprochen, und er fand die Platte toll. Ich wollte selbst auch involviert sein, deshalb haben wir uns dazu entschieden, eine Kooperation zu machen, das heißt, dass ich meinerseits ein eigenes Label gründe und über Klein Records die Platte einen Vertrieb hat. Die kennen sich auch aus mit Marketing, und das ist gut so, weil ich gar keine Lust gehabt hätte, mich mit Marketing zu beschäftigen. Andererseits will das Label auch immer bei Dingen wie Cover-Artwork, Videoclip, Fotos und so weiter mitreden, weil sie ein eigenes Bild haben, wie der Künstler sein muss, damit sich die Platten verkaufen. Jetzt kann ich über diese Dinge einfach alleine entscheiden und schicke meine Ideen dann dem Christian. Da wird nicht diskutiert, die erste Idee wird genommen. Das ist der Vorteil. Der Nachteil ist, dass man einfach viel Geld investieren muss.

Kannst du dir vorstellen, dich noch weitergehend mit deinem Label zu beschäftigen?
Ja, ich will auf jeden Fall Demos bekommen. Ich habe Lust darauf, dass andere Leute mir ihre CDs schicken. Auf der Monta-Page gibt es auch eine Adresse.

Der Titel deines neuen Albums lautet wie einer der Songs "The Brilliant Masses". Was bedeutet das?
Es ist ja auch eine Textzeile aus dem Song genauso wie beim letzten Album. Der Titel "Where Circles Begin" findet sich ja auch als Textzeile wieder. Und genauso wie Kreise keinen Anfang haben, gibt es in dem Sinne keine brillante Massen. Ich wollte einfach eine Kontinuität zwischen beiden Alben.

Was bedeutet "Brilliant Masses" für dich?
Man denkt sich doch oft, alles ist in Ordnung, alles passt. Aber im nächsten Moment oder am nächsten Tag ist es doch nicht mehr der Fall. Eigentlich ist alles okay, wie es bei mir läuft. Dennoch fällt man manchmal in ein Loch. Dass man sich manchmal so hin und her gerissen fühlt, soll es bedeuten.Auf deinem Album hast du mit Herwig Zamernik, dem Bassisten von Naked Lunch, zusammen gearbeitet. Könntest du dir vorstellen, mit ihm auch noch mehr zu machen?
Ja, mit dem Herwig auf jeden Fall. Der hat ja auch eine eigene Platte, "Fuzzman". Vielleicht unterstütze ich ihn mal bei seiner Musik, so wie er mich bei meinem Album unterstützt hat. Gerne.

Du hast vorhin angedeutet, dass du dir auch vorstellen kannst, noch mal etwas mit Miles zu machen.
Ich habe mir neulich abends vor dem Einschlafen gedacht: "Boah, ich würde gern mal wieder mit Miles im Proberaum stehen und die alten Lieder spielen". Und dann habe ich nächsten Tag den Rock [Ronny Rock, Schlagzeuger von Miles] angerufen und er meinte dazu so: "Ja, ja, gerne." Und die Nina, die bei uns Bass gespielt hat, sehe ich jeden Tag, weil die in dem Gebäude, in dem ich mein Büro habe, für die Leute vom Atomic Cafe arbeitet.

Aber erst einmal geht es ja mit Monta weiter.
Ja, ja, dieses Jahr ist Monta-Jahr.