×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Momentum

Monolake

Moment mal. Welches Jahr schreiben wir gerade? 1995, möchte man meinen. Und wo befinden wir uns, in London etwa? Obwohl wir (also ich stellvertretend für euch) hier und heute in Berlin im Jahre 2003 sind, legt Robert Henke mit ›Momentum‹ quasi einen Wayback bzw. eine Zeitreise vor. Gleich mit Beginn
Geschrieben am

Moment mal. Welches Jahr schreiben wir gerade? 1995, möchte man meinen. Und wo befinden wir uns, in London etwa? Obwohl wir (also ich stellvertretend für euch) hier und heute in Berlin im Jahre 2003 sind, legt Robert Henke mit ›Momentum‹ quasi einen Wayback bzw. eine Zeitreise vor. Gleich mit Beginn des ersten Stückes ›Cern‹ kann ich mich der Assoziation an DJ Krust oder Rony Size, der mit seiner ›Musicbox‹ den Londoner Ravern Mitte der 90er ordentlich einheizte, nicht verwehren. Die Jungle-Beats gaben den Anlass zum Schwitzen, oder waren es die niedrigen Decken? Jedenfalls schwappten die Big Beats damals bis zum Limes der Römer und noch darüber hinweg. ›Momentum‹ geht in diese Richtung: Trockene Downtempo-Beats drücken ordentlich in die Beine, blenden das Schlafdefizit nach dem Rave einfach mal aus. Experimenteller, dann linear, riesige, abstrakte Elektrowellen rasen über die Erde und verheißen elektronische Entladung. Auch ›Atomium‹ scheint das Unwetter weiter heraufzubeschwören, es knistert, was das Soundprogramm hergibt, groovige Perkussionen machen dem aber dann den Garaus. Mit ›Exentric‹ beginnt es nun auch, dubbiger zu werden. Berauscht unter freiem Himmel irgendwo im futuristischen Berlin (oder Brandenburg) bei Sonnenaufgang, so breit und dicht sind die Bässe. Sequenzieller dann der Mittelpart, die Räume scheinen multipliziert, im Hintergrund ganz schön flauschig, doch vorne bleibt die Bassline konsequent dumpf und böse, ein Hoch auf die hallige Snare, ich meine, ›Shake Your Body‹ zu vernehmen. Zurück im Club, steckt Housy Mousy glänzend das süße Gesicht zur Tür herein, traut sich aber keinen Schritt weiter, das ist zu tight fürs zarte Seelchen der Minimal-Chicks. Ich würde sagen, ›Momentum‹ ist sehr stimmungsabhängig. Hier gibt es Ekstase ohne ein Davor, und wenn du da nicht sofort drauf kommst, kannst du nicht »Moment mal« sagen.