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Ruhig, aber bestimmt

Mogwai live in Köln

Mogwai bespielen das Kölner E-Werk – und alles ist wie immer. Den mystischen Melodiestrudeln der Postrock-Urgesteine gibt man sich nach Feierabend nur zu gerne hin.
Geschrieben am
17.10.17, Köln, E-Werk

Lärm braucht Platz, um zu wirken. Besonders, wenn es so schöner, so sanfter und so geduldiger Lärm ist, wie Mogwai ihn fabrizieren. Den meist wort-, aber nie wirklich sprachlosen Liedern der alteingesessenen Post-Rocker bietet das Kölner E-Werk Raum zum Atmen – und zwar so viel davon, dass selbst die unscheinbareren Stücke der Schotten plötzlich aufblühen, Druck entwickeln und zu fesseln beginnen. Und so bäumen sie sich dann wieder in voller Pracht vor einem auf, diese klobigen, aber hintersinnigen Post-Rock-Hymnen, die Halt geben durch ihre behagliche Monotonie, und deren besonders live üppig bemessene Bassregionen so schön das Zwerchfell massieren.

Auf Musikerseite zeigt man sich relativ unbeeindruckt von der eigenen Durchschlagskraft; Körperlichkeiten überlassen die Routiniers lieber der Gegenseite. Geschäftigkeit geht allenfalls von Barry Burns aus, der immer wieder zwischen Synthesizer und Gitarre hin- und herspaziert. Dass man nicht im Stuhlkreis sitzt, wie es die Kollegen von Godspeed You! Black Emperor bei ihren Konzerten tun (sofern das Instrument es nicht anders erfordert), ist gerade mal alles. Diese Band dient ihrer Musik, anstatt auf ihr herumzuturnen, lässt sich bereitwillig von der eigenen Lichttechnik die Schau stehlen, und auch ihr Publikum zieht in weiten Teilen die Trance der Action vor und lässt sich beglückt treiben.
Mogwai, die ihre Tour mit jungem Ersatz- beziehungsweise Ergänzungspersonal an Schlagzeug und Gitarre angetreten sind, geben heute den Großteil ihres neuen Albums »Every Country’s Sun« zum Besten, darunter auch das ungewöhnlich leutselige »Party In The Dark«. Während man sich gesanglich sonst kaum aus der Deckung des Vocoders hervortraut, trällert Stuart Braithwaite den schwungvollen Hit-Aspiranten in sein Mikro, das lange für kaum mehr als ein zigfaches artiges »Danke sehr!« bereitzustehen schien. Und dann gibt es da natürlich noch das schleppend hochfahrende »I’m Jim Morrison, I’m Dead« in seiner schlurfigen Schönheit, die Vocoder-Operette »Hunted By A Freak« und »Mogwai Fear Satan« vom Debüt der Band, ein obligatorisches Sakrament, das man sich jedoch bis zum Ende der Zugabe aufspart. 

An das Googeln von Mogwai-Lyrics braucht man sich natürlich nicht zu gewöhnen: Nach dem Ausreißer in die Welt der Strophen und Refrains wandert das Mikro wieder an die Seite und Mogwai predigen mit lautgedrehten Leisetretern den akustischen Frieden. Mit voller Absicht verstricken sie sich in Melodieschleifen und wiegen die Konzertbesucher in Besinnlichkeit, um dann plötzlich – alter Trick – mit dem fulminanten Riff-Getöse von »We’re No Here« in Erinnerung zu rufen, wieso sie noch immer als lauteste Liveband des Erdballs gehandelt werden. Den fahrlässig Stöpsellosen sei gesagt: Ein Tinnitus ist sicherlich alles andere als eine Wohltat, stammt er aber von Mogwai, so lässt er sich zumindest mit etwas Stolz tragen.