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Kaizers Orchestra live

Mittendrin statt nur dabei

14.03.06 - Köln, Stollwerck Ahhh, die Parkplatzsuche will und will kein Ende nehmen. Und es wird immer später. Ich beginne zu fluchen und schwöre - mal wieder - nächstes Mal mit der Bahn zu fahren. Und plötzlich ist er da: Ein quasi-legaler Parkplatz in unmittelbarere Nähe vom Stollwerck. Am Einl
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14.03.06 - Köln, Stollwerck

Ahhh, die Parkplatzsuche will und will kein Ende nehmen. Und es wird immer später. Ich beginne zu fluchen und schwöre - mal wieder - nächstes Mal mit der Bahn zu fahren. Und plötzlich ist er da: Ein quasi-legaler Parkplatz in unmittelbarere Nähe vom Stollwerck. Am Einlass ein Zettel: "Sold out". Kein Wunder, dass es keine Parkplätze gibt...

Im Saal sorgt Micke from Sweden am E-Piano, das als altes Klavier getarnt ist, bereits für Stimmung. Mit den wilden schwarzen Haaren und dem ebenso schwarzen Bart ist Micke from Sweden optisch ungefähr so kurios wie die Musik von Kaizers Orchestra. Später wird Janove, der Sänger von Kaizers Orchestra, erzählen, sie hätten ihre Vor-One-Man-Band irgendwo ohne Kleider und total verwahrlost aufgesammelt. Daher sollen wir doch bitte alle seine CD am Merchandising-Stand kaufen, damit sich der gute Micke doch auch endlich ordentliche Kleider kaufen kann und seine Mama auf ihn genauso stolz ist. Wie Janove Mutter auf ihn.

Das Licht geht aus, das Intro beginnt und die Herren Kaizer kommen auf die Bühne. Einer nach dem anderen. Stilvoll. Im Anzug. Das Publikum begrüßt sie jubelnd. Kaum hat die Musik die Ohren erreicht, tanzt auch schon der ganze Saal. Was für ein Anblick von der Empore! Dennoch hält es mich nicht lange dort: Zu mitreißend ist die Musik, zu gut die Stimmung beim tanzenden Volk. Ich will - nein, ich muss - auch tanzen. Mittendrin ist eben doch besser, als nur dabei. Zumal die Herren Kaizer ja ganz gerne mit dem Publikum interagieren. Auf der Empore bleibt man eher Zuschauer.

Sie spielen einen geschüttelten Mix aus alten und neuen Stücken, der jedoch teilweise die großen Hits und die schnelleren Lieder etwas vermissen lässt. Schade auch, dass das Trommeln auf Ölfässern, Felgen und anderen Metallgegenständen eher selten und dafür als große Show präsentiert wird. Gerade die Integration dieser Instrumente in die Lieder ist doch ein Charakteristikum von Kaizers Orchestra. Ihren eigenen Stil haben sie natürlich trotzdem - und der wird vom Publikum gefeiert.

Nachdem die Band die Bühne verlassen hat, kennt der Jubel keine Grenzen. Der Applaus wird belohnt, denn nun geht es eigentlich erst so richtig los. Die Zugabe wird eingeleitet von den drei Liedern, die die Namensvettern der Alben sind: Unter Sirenengeheul und dem Intro von "Evig Pint" steigert sich die Spannung und Begeisterung im Publikum ins Unermessliche. So wundert es nicht, dass beim anschließenden "Ompa til du dor" die Energie zum Tanzen eingesetzt und schließlich bei "Maestro" aus vollem Hals mitgesungen wird, wenn Sänger Janove dazu auffordert.

Weiter geht es mit all den großen Liedern, auf die wir alle gewartet haben. Die Stimmung wird noch besser und Janove beteuert mehrmals, dass dies vermutlich der beste Dienstag seines Lebens sei. Aber der Wahrheitsgehalt solcher Aussagen lässt sich nicht mal grob erahnen. Ein Teil einer großen Show. Ein Schauspiel. Zum Vergleich eine Anekdote von der ersten Deutschlandtour 2003: Auch im Prime Club in Köln ist die Stimmung am Brodeln. Janove steht am Rand der Bühne, schaut ins Publikum und gerührt, kaum hörbar, sagt er: "I never thought, this would work out of Norway." Große Show, aber kein Schauspiel. Nein, das ist keine früher-war-alles-besser-Leier. Denn noch letztes Jahr im Gebäude 9 machen Kaizers Orchestra spontan Späße - sehr natürlich und dadurch sympathisch. Damit will ich das Konzert im Stollwerck nicht schlecht machen. Kaizers Orchestra sind eine großartige Live-Band, die schon Shows auf einem derart hohen Niveau abgeliefert haben, dass dies nur schwer zu halten ist.