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Mit Owen Pallett, Hauschka und Ólöf Arnalds

So war das Schumannfest

Wie geht die Musik der Romantik mit Pop zusammen? Vordergründig ist Romantik im Pop, insbesondere seinen Balladen, allgegenwärtig. Wie aber gerade die Kompositionen des größten deutschen Romantikers Robert Schumann im Pop der Gegenwart Einfluss nehmen, versuchten vom Düsseldorfer Pianisten Hauschka eingeladene Künstler in der vornehmen Tonhalle am Rhein zu deuten.
Geschrieben am

 
26.05.12, Düsseldorf, Tonhalle
 
Ob Hauschka alias Volker Bertelmann wirklich schon vorher wusste, wie gut der von ihm eingeladene Kanadier Owen Pallett in das Konzept des Schumannfestes passt? Von der Bühne herab offenbart der als »Teufelsgeiger« angekündigte Musiker jedenfalls ein Detail, das vorher wohl nur Exegeten seiner Diskographie bekannt war: Sein 2006 noch unter dem Namen Final Fantasy veröffentlichtes Album »He Poos Clouds« ist maßgeblich vom Werk des Mitte des 19. Jahrhunderts nicht mal 50jährig verstorbenen Schumann beeinflusst. Für Pallett Grund genug, genau dieses Album in den Mittelpunkt seiner Show zu stellen, die dementsprechend eine Rückbesinnung auf alte Techniken und Reduktionen ist. Tatsächlich war Pallett nie wieder so gut wie in der Phase, als er für seine Shows nur Violine, Loop Pedal und seinen Charme hatte. Es ist sehr schön, diese Old-Fashioned-Show in einer Halle mit solch brillanter Akustik zu sehen, diese Mischung aus sinnlicher Kunstfertigkeit und kecker Gesprächsbereitschaft. Und auch das von ihm eingeladene Lee-Quartett unterstützt mit seinen Partituren den so experimentellen wie sehnsüchtigen und poppigen Charakter einer Show, wie sie nur Owen Pallett zu spielen in der Lage ist.
 
Aber auch die vorangegangenen Acts des Abends tragen einen Gutteil zu seinem Gelingen bei: Zunächst die kurzfristig für My Brightest Diamonds Shara Worden (ausgefallen wegen einer Festivalbuchung in Australien am Folgetag) eingesprungene, ansteckend sympathische Isländerin Olöf Arnalds mit einer starken und klassisch-klaren Stimme und Liedern, die die mystische Romantik isländischer Folklore mit weitgehend englischen Texten für die Restwelt übersetzen. Außerdem Hauschka selbst, der seine nach wie vor unerreichte Show mit den Mitteln eines mit Klangwerkzeugen präparierten Flügels an diesem Abend mit dem großartigen Schlagzeuger Samuli Kosminen anreicherte und anregend variierte. Ebenjener Hauschka war im Vorfeld auch für die künstlerische Zusammensetzung des »The New Romantics« betitelten Abends verantwortlich und ließ es sich nicht nehmen, ein paar zurückhaltende Worte zu seinen vorangegangenen Überlegungen zu verlieren: Die Stücke Robert Schumanns seien in sich zu geschlossen und unantastbar, um sie mit neuen Mitteln zu variieren. Deshalb habe er die Entscheidung gefällt, Gegenwartskünstler einzuladen, deren Musik der Atmosphäre der Romantik nahekommt. Diese Entscheidung war angesichts der so variantenreichen wie stimmigen Zusammensetzung des Line-ups genau richtig. 

Das Schumannfest in Düsseldorf geht mit täglichen Abendveranstaltungen noch bis zum 4. Juni. Am 1. Juni legt etwa das ehemalige Basic Channel-Mitglied Moritz von Oswald in diesem Rahmen auf.