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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mit Olli Schulz

Bitte bleiben Sie gesund!

Doc Intro mit Olli Schulz über seine Krankheitsresistenz und das Tourettesyndrom der Großstädter.
Geschrieben am
Was war die übelste Krankheit, die du jemals hattest?
Mir geht es gut! Ich bin ein Wolfsmensch. Ich habe gute Gene und einen unbändigen Überlebenswillen. Wenn Atomkrieg ist, solltet ihr euch an mich halten.

Unverletzbarkeit? Auch schon wieder pathologisch. Welche Symptome gibt es dabei?
Drahtiger Körper, kräftige Beine und gesunder Menschenhass.

Wie kann dir denn nur geholfen werden?
Zum Glück noch gar nicht!

Welche Krankheit hältst du für überschätzt?
Das Tourette-Syndrom. In Großstädten wie Hamburg oder Berlin kann man damit gut leben, weil da jeder Zweite wie ein Vollassi redet.

Was ist dein Lieblingsmedikament?
Mein absoluter Geheimtipp: Ayran mit Mineralwasser. 50/50-Mische. Hilft bei Magenproblemen jeder Art.

Wie kurierst du den berüchtigten, unvermeidlichen Tourschnupfen bei Konzertreisen in Herbst und Winter?
Nasenspülung ohne Ende, viel Schlaf und Abwarten.


Sehr geehrter Herr Schulz,
neulich sah ich Ihr exzentrisches Alter Ego Charles Schulzkowski bei dem für »neoParadise« (ZDFneo) produzierten Auftritt am roten Teppich der Berlinale. Das war nun wirklich nicht weit weg von dem von Ihnen so geschmähten Tourette.
Da hätten wir zum Beispiel unter den vokalen Tics die Koprolalie, das Ausrufen obszöner Wörter und wohl berühmteste Symptom des Tourette-Syndroms. Koprostase nennt sich in der Medizin übrigens der Kotstau im Darm – das nur mal für die Wortherkunft. Auch das Wiederholen von Wörtern (Echolalie) zeigte sich bei Ihnen in erschreckenden Ansätzen.
Kommen wir zu den motorischen Tics der sich in den Jugendjahren manifestierenden Krankheit: das Schneiden von Grimassen und auch selbstverletzende Handlungen. Dürfte Ihnen auch nicht fremd sein. Sicher wird Herr Schulzkowski versuchen, sich mit dem übermäßigen Genuss von Alkohol zu entschuldigen, dieser verstärkt jedoch – neben Stresssituationen oder emotionaler Belastung – zusätzlich das Auftreten der Tics.
Ebenso zeigte Herr Schulzkowski Symptome von Krankheiten, welche häufig mit dem Tourette-Syndrom assoziiert sind, wie Zwangsstörungen, Depressivität und Hypersexualität. Jedoch finden sich auch positive Auswirkungen des Tourette-Syndroms, dessen pathophysiologische Ursachen noch nicht völlig bekannt sind. Hier hätten wir eine gute Reaktionsfähigkeit und Kreativität.
Schlussfolgernd handelt es sich sicher um einen noch kontrollierbaren Verlauf der Krankheit. Dennoch: Bevor Sie diese das nächste Mal dissen, denken Sie daran: Wenn Sie diese noch bisschen pflegen, können Sie bald überall parken ...
Ihr Doc Intro