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»Ich sehe das Ganze hier heute zum ersten Mal nüchtern!«

Ein Tag in Hamburg mit Enno Bunger

Was haben »Tetris«, Beamtenbeleidigungen und Mutti gemeinsam? Sie alle spielen tragende Rollen auf der kleinen Tour, die wir mit dem gebürtigen Ostfriesen Enno Bunger durch seine Wahlheimatstadt gemacht haben. Ebenjener hat er auf seinem aktuellen Album »Flüssiges Glück« eine zehnminütige Liebeserklärung namens, logisch, »Hamburg« gesungen. 
Geschrieben am
1. Fähre 62 nach Övelgönne (Landungsbrücken, Brücke 3)  

Von den Landungsbrücken mit der Fähre 62 nach Övelgönne, bei bestem Touristenwetter und dementsprechend raren Plätzen auf Deck. »Ich bin diese Strecke häufiger gefahren, als ich wusste, dass ich ein Lied über Hamburg schreiben will«, erzählt Enno. »Keine reine Lobeshymne. Eher etwas, das die Ambivalenz auch auf die Schippe nimmt. Den Gentrifizierungswahnsinn und so weiter. Auf dieser Strecke nahm diese Idee ihren Lauf. Das war im Januar. Acht Uhr morgens. Und draußen wurde gerade das Eis gebrochen.«
2. Strandperle am Elbstrand (Oevelgönne 60, 22605 Hamburg)

»Kräne spielen Tetris mit bedruckten bunten Quadern« ist die erste Textzeile vom Song »Hamburg« und – natürlich – mit Blick auf die Kräne am Elbstrand entstanden. »Wobei es schon eine sehr einfache ›Tetris‹-Version ist, immer nur die Längssteine«, ergänzt Enno Fischbrötchen kauend. »Ich bin eigentlich eher jemand, der rückwirkend seine Texte schreibt. Am Laptop. So ganz unromantisch. Aber hier ist diese Zeile tatsächlich direkt beim Betrachten entstanden. Wie bei einem Maler. Auch mal schön.«
3. Golden Pudel Club & Park Fiction (Am St. Pauli Fischmarkt 27, 20359 Hamburg)  

Am St. Pauli Fischmarkt 27, 20359 Hamburg »Ich sehe das Ganze hier heute zum ersten Mal nüchtern!« freut sich Enno, als wir beim Pudel und dem angrenzenden Park Fiction ankommen. »Das ist einfach so ein Ort geworden, an dem man ständig am Ende eines Abends landet. Dazu finde ich den Platz auch einfach unglaublich wichtig, als Zeichen für die Hamburger Protestkultur. Da gehört schon was dazu, an so einem Spot so ein Ding zu betreiben. Hier könnten ganz andere Sachen stehen, die viel mehr Geld einbringen.«
4. Molotow (Nobistor 1422767 Hamburg)

Noch im alten Molotow, in den Esso-Häusern, spielte Enno damals, 2007, sein erstes Hamburg-Konzert: »Das war direkt nach dem Abi, ein Bandwettbewerb namens Global Battle Of The Bands. Pro Bandmitglied musste man 30 Euro Startgebühr zahlen. Das Ganze gab es auch in Oldenburg, Paderborn und Pusemuckel ... Wir haben so getan, als wären wir Hamburger, damit wir hier spielen durften. Dabei waren wir Ostfriesen. Also schwerst illegal. Am Ende haben wir dann aber tatsächlich gewonnen, was wir beinahe nicht mitbekommen hätten – zusammen mit einer Band namens 1000 Robota!«
5. Große Freiheit (Thai Oase) ( Große Freiheit 38-40, 22767 Hamburg )

So ungefähr alles, was man von der Reeperbahn erwartet, hat Enno an der Großen Freiheit in einer Nacht nach einem Konzert in der PIAS Night erlebt: »Wir haben damals gnadenlos verkackt, und ich war so frustriert, dass ich mir richtig einen reingetrunken habe. Das führte dazu, dass ich in der Thai Oase Wolfgang-Petry-Karaoke gesungen habe, mit einer Freundin im Dollhaus war, wo mir von einer Stripperin mein Handy geklaut wurde, dann mit Polizisten wieder dort hin bin, um in einer bizarren Situation Aussagen aufzunehmen, und ich am Ende selbst noch auf der Davidswache Ärger bekommen habe. Weil ich mein Brot essen wollte, aber nicht durfte und Beamte beleidigt habe. Und trotz allem war das einer der schönsten Abende, die ich hier je in Hamburg erlebt habe.«
6. Mutter (Stresemannstraße 11, 22767 Hamburg)

»Hier kommt man immer wieder vom Schnaps zur Freundschaft zu gemeinsamen Projekten!« erzählt Enno, während er seinen Aufkleber an prominenter Stelle am Eingang der Mutter platziert. »Spaceman Spiff hab ich hier an der Theke kennengelernt. Man ist immer nach Konzerten hier – egal, ob man selbst gespielt hat oder wer anderes. Ich komm aber ansonsten auch gerne mal alleine vorbei und guck mir die Leute an.«

Enno Bunger

Flüssiges Glück

Release: 18.09.2015

℗ 2015 [PIAS] Recordings Germany