×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Platten der Woche

Mit Die Sterne, J Mascis, Zoot Woman u.v.m.

Wie jeden Freitag: Die wichtigsten neuen VÖs für euch gehört. Diesmal mit Die Sterne, J Mascis, Zoot Woman u.v.m.
Geschrieben am

Die Sterne »Flucht in die Flucht« (Staatsakt / Rough Trade)

Auf »Flucht in die Flucht«, dem ersten Album nach dem Roman-Debüt von Spilker, präsentiert sich der textliche wie soundmäßige Gestaltungsbock abnutzungsfrei. Spilker fabuliert fanatisch und verdreht Redewendungen, als wäre Poplyrik immer noch eine Kunstform, gar eine eigene Sprache. Musikalisch geht das Panorama nach der Konzeptplatte »24/7« wieder weiter auf, so erinnert das Stück mit Alex Hacke an den deutschen Country von Fink, »Hirnfick« bedient sich bei Punk. Wer möchte, kann sogar das wunderbare »Wie groß ist der Schaden bei dir?« als Reboot ihres größten Erfolgs »Was hat dich bloß so ruiniert?« verstehen. (LV)

Weiterlesen: Die Sterne im Gespräch über »Flucht in die Flucht«.

J Mascis »Tied To A Star« (Sub Pop / Cargo)

Wie schon bei seinem Solodebüt »Several Shades Of Why« vor drei Jahren setzt der Meister der Gitarrenwand bei »Tied To A Star« daher überwiegend auf unverstärkte Instrumentierung. Die Saiten der Akustikgitarre werden häufig nur behutsam angeschlagen und gezupft, wie im Opener »Me Again« oder in den nachdenklichen inneren Monologen »Trailing Off« und »Better Plane«. Ein Höhepunkt ist das einfühlsame »Wide Awake«, bei dem Chan Marshall alias Cat Power ihre dunkle Stimme zum Duett beisteuert. (BK)

Weitersehen: J Mascis stellt sich unserem Fragebogen. »Say That Again?!«.

Zoot Woman »Star Climbing« (Embassy Of Music / Warner)

Zoot Woman klingen, insbesondere in der ersten Hälfte des neuen Albums, das insgesamt zu den besten Synth-Pop-Platten des Jahres gehört, nun eher wie ein John-Hughes-Film. Mal zu albern in den Spielereien, mal zu ungestüm in den Beats, mal zu poppig in der Attitüde, aber immer emotional packend und nachvollziehbar. Wie heißt es so schön in »The Breakfast Club«: »When you grow up, your heart dies.« Das Herz dieses Albums schlägt laut und kräftig. (HR)

Sinkane »Mean Love« (City Slang / Universal)

Als Sinkane Ende des letzten Jahrzehnts erstmals auch in Europa auf den Plan trat, war recht schnell klar, über wie viel Potenzial das Soloprojekt des US-Musikers Ahmed Gallab verfügte. Doch schon das erste über City Slang erschienene Album »Mars« machte deutlich, dass Gallab nicht der Sinn danach stand, zur nächsten hippen Afrofunk-Jukebox zu mutieren. Stattdessen gingen und gehen seine von Afrobeat getriebenen Songs stilistische Umwege, kaum einer war auf Tanzbarkeit als erstem Ziel aus, lieber nutzte Gallab jeden einzelnen, um in ihm Genre-Exkursionen unterzubringen. Das ist auf dem neuen Album »Mean Love« nicht anders. (CS)

Weiterlesen: Sinkane über über afrikanische Einflüsse, New York und wie es ist, mit David Byrne zusammenzuarbeiten.

Ty Segall »Manipulator« (Drag City / Rough Trade)

Seit 2008 haut Ty Segall jährlich mindestens eine LP sowie unzählige Singles und andere Nebenprojekte raus. Nachdem im vergangenen Jahr das hitreiche Garagenpop-Album »Twins« und das introvertierte »Sleeper« erschienen, folgt nun mit »Manipulator« ein weiterer Grund zur Freude für die Anhänger des charmanten Songwriters. Aktuell ist offenbar der Sommer zurück in San Francisco, und so hört man mehr Psychedelic Pop, weniger Proto-Punk und Feedback-Orgien. Beim Ausbau der eigenen Nische zeigt Ty Segall keinerlei Ermüdungserscheinungen. Wie viele gute Einfälle wird dieser Tausendsassa wohl noch haben? (BK)

Roman Flügel »Happiness Is Happening« (Dial / Rough Trade)

»Happiness Is Happening« kann helfen: Die Platte ist ausgesucht freundlich, fast höflich. Händereichend. Flügels zweites Soloalbum für das Hamburger Label Dial gibt sich angenehm greifbar – mitnichten stumpf, aber eben ohne allzu scharfe Kanten. House und Techno sind nach wie vor in dieser Musik als Anlage und Impulsgeber spürbar, aber als irgendwie domestizierte Electro-Pop-Variante. (MW)

Cymbals Eat Guitars »Lose« (Tough Love / Cargo)

Zu Zeiten seines Debütalbums »Why There Are Mountains« im Jahr 2009 hatte das US-Quartett Cymbals Eat Guitars durchaus die Klasse, Indie-Rock aus der Falle der Stagnation und des Altmodischen zu retten. Aber das so enthusiastische wie unbewusst genialische Modest-Mouse-Momentum ist ihnen mit den Folgealben bis hin zum neuen »Lose« ein Stück weit verloren gegangen. So haben Cymbals Eat Guitars weiterhin das Potenzial, für weltvergessene Indie-Rock-Liebhaber wichtig zu bleiben oder zu werden. Eine Renaissance können sie heute aber nicht mehr auf den Weg bringen. (CS)

Teesy »Glücksrezepte« (Chimperator / Groove Attack)

Chimperator schickt seinen nächsten Goldjungen ins Rennen: »Glücksrezepte« ist R’n’B, der US-Größen wie Drake, Frank Ocean oder D’Angelo zum Vorbild hat und auf Deutsch gemünzt irgendwo zwischen Max Herre, Marteria und Label-Kollege Cro liegt. So viel warmen, weichen und schmerzend sehnsüchtigen Soul bekommt man in Deutschland sonst vielleicht nur noch von Fetsum. (JW)

Erland And The Carnival »Closing Time« (Full Time Hobby / Rough Trade)

Erland Coopers und Simon Tong, Gründer von Erland & The Carnival, teilen sich die Affinität zu ungewöhnlichen Klängen. Die enthusiastische, psychedelische Musik der beiden wärmt den Zuhörer wie eine gute Tasse englischer Tee, getrunken in einem etwas heruntergekommenen Café in einem Seebad, während draußen der Regen sanft vor sich hin tropft. Treibende Folk-Songs mit melancholischem Hintergrund, Hymnen für einsame Inselbewohner und Hoffnungsschimmer für trübe Tage. (KW)

Highasakite »Silent Treatment« (Four / Sony)

Der Sound der Band schafft den perfekten Spagat zwischen melodischem Indie-Pop, Jazz und norwegischem Folk, gepaart mit einer Menge Synthesizern und der hauchzarten Stimme von Sängerin Ingrid Håvik. Ihre Single »Since Last Wednesday« ist handgemachter Pop durch und durch und hat es sogar zur offiziellen Hymne der Berlin Music Week geschafft. Das Highasakite die Zuschauer auf dem »First We Take Berlin«-Konzert verzaubern wird, steht jetzt schon fest. Die Band ist hierzulande noch ein Geheimtipp, aber in ihrer Heimat haben sie schon Platz 1 gestürmt. Merken: Highasakite! (FO)

Phox »Phox« (Partisan Records)

PHOX kombinieren auf eindrucksvolle Weise Americana, karibische Klänge und zurückhaltenden Pop. Daran schmiegen sich die subtilen und melancholischen Texte von Monica Martin und eine Stimme, die schon so ausdifferenziert ist, wie man sie im Game selten findet. Die zwölf Perlen auf dem selbst betitelten Album strotzen nur so vor bezaubernden Hooklines, die sonst nur Regina Spektor oder Christine McVie von Fleetwood Mac so ausgestalten könnten. (HW)