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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Du kannst ja überhaupt nicht singen, was?«

Mit Adolar beim BuViSoCo

Der innerdeutsche Grand Prix für den Pop- und Indie-Zoo ist wieder on. Genau: Stefan Raabs Bundesvision Songcontest (BuViSoCo). Wir fühlen uns wie immer angesprochen und fiebern postwendend mit. Natürlich mit unseren Darling-Acts (unter anderem MC Fitti, Die Toten Crackhuren) - und gegen die restlichen Halb- und Vollidioten. Die niedlich bis durchgeknallten Adolar aus Leipzig und für Sachsen-Anhalt haben es uns dabei besonders angetan. Ein Herz für die (steilen) Kleinen. Und interessante Einblicke von Sänger Tom zum Spektakel.
Geschrieben am

Hallo Tom, eure five minutes of Privatfernseh-Fame stehen nun kurz bevor. Wie fühlst du dich - Angst, Euphorie, egal?

Ach, das Ganze wurde ja bereits im Juni bekannt. Da war das alles echt noch krass. Wir haben viel darüber geredet, ich habe schlecht geschlafen. Aber mittlerweile haben wir uns an den Gedanken, an diese Show irgendwie gewöhnt.

 

Kein komisches Gefühl mehr übrig?

Wir hatten ja schon unsere Vorstellungsrunde bei »TV Total« und haben da hinter den Kulissen echt gute Leute kennengelernt. Also zum Beispiel die Produktionsleiterin kam auf uns zu, weil wir auf Michas Bassbox »Pro Asyl« geklebt hatten. Und da ging es nicht darum, dass man sowas zu entfernen habe, sondern die erzählte uns, wie schwer es für sie seinerzeit war, in Leipzig ein Studium zu beginnen mit einem Migrationshintergrund. Das hat uns echt beeindruckt. Wir haben mit Vollidioten gerechnet, die sagen, »hier, flirte gefälligst mit der Kamera!« – aber nicht mit sowas.

Es tauchen ja auch wieder so leidliche Kunstprodukte großer Plattenfirmen auf – das wundert einem bei dem Big Business um so eine große Show ja auch gar nicht. Aber wie schafft man es denn als linke Band ohne großes Label im Rücken in so eine Sendung?

So genau weiß ich das auch nicht. Wir standen Ende 2012 im Studio, nahmen das neue Album »Die Kälte der neuen Biederkeit« auf und ein Freund von unserem Booking meinte, »Hey, die suchen gerade wieder, soll ich nicht die aktuellen Demos einschicken?« Und dann kam irgendwann Bescheid, dass die Bock darauf hätten, »Halleluja« für Sachsen-Anhalt ins Rennen zu schicken.

 

Wirklich? Musste man da nicht sonstwie hinter den Kulissen rühren?

Nicht dass ich wüsste, aber was könnte man als kleine Band da auch groß machen? Du hast ja nichts anzubieten, worauf die Produktionsfirma scharf wäre. Außer eben deinem Song vielleicht.

 

Stimmt, Geld sehe ich bei euch eher nicht.

Das musste Pro7 auch feststellen. Die haben uns einen Katalog geschickt, was für Bühnenelemente wir gern haben würden. Dann habe ich aber gesehen, da stehen Preise hinter. Das müsste man alles selbst zahlen. Können wir uns eh nicht leisten, deshalb habe ich da gar nicht weitergelesen.

 

Ihr wurdet aber nicht nur gefeiert für den Entschluss, beim BuViSoCo mitzumachen, es gab ja auch stimmen, die meinten: »Eine Band mit einem linken Verständnis, kann sich nicht auf die Bühne stellen und ihr Heimatbundesland vertreten.«

Ja, das waren aber nur so drei Punks, die sich da bei mir gemeldet haben. Und sicher haben die auch recht, wenn da dann ständig die Landesfahne von Sachsen-Anhalt eingeblendet wird. Aber letztlich konnten wir uns dieser patriotischen Nummer an vielen Stellen ganz locker entziehen. In unserem »Wahlwerbespot« musste man zum Beispiel den Satz vervollständigen »Ich bin stolz auf mein Bundesland, weil …« Das haben wir abgelehnt. Und war aber auch gar kein Problem. Wir sagen in dem Spot ja auch, das Schönste an Sachsen-Anhalt ist der Bindestrich. Also jeder, der nicht total bescheuert ist, kann in der Art, wie wir da auftreten, sehen, dass wir keine Patrioten sind. Übrigens habe ich auch von der anderen Seite Ärger bekommen, also ich bekam Mails, wo die Leute sich beschwerten, dass wir das Bundesland nicht würdig vertreten würden.

 


 

 

 

Sonst gibt’s aber keine Beschwerden?

Doch von mir. Und zwar ist die Sendung Donnerstag, wir mussten aber schon Dienstag hin, um unsere Gitarren und so vorbeizubringen. Boah, für einen Abend verliert man gleich wieder die ganze Mitte der Woche. Dabei mag ich die am liebsten! Xavier Naidoo hat sicher jemand, den er mit seinem Equipment schicken kann. Aber wir müssen selbst hin.

 

Na, der wohnt ja eh auch um die Ecke.

Stimmt.

 

Ist das eigentlich live?

Nee, Halbplayback.

 

Das heißt, du musst dir als einziger Mühe geben?

Kann man so sagen, die anderen können sich total wegdröhnen und ich muss klarkommen. Aber wir haben das bei »TV Total« ja auch bereits in diesem Setting gespielt. Da haben aber in der Tat einige hinterher zu mir gesagt: »Du kannst ja auch überhaupt nicht singen, was?« Habe ich das denn je behauptet? Aber immerhin Raab meinte, ich würde klingen wie Robert Smith von The Cure auf deutsch.

 

Was denkst du, wirst du von diesem Abend lernen?

Ich hoffe, ich kriege die Bestätigung von folgendem Gerücht, dass ich gehört habe: Xavier Naidoo würde über die Autobahn mit 210 Sachen brettern und dann das Steuer zwischen die Knie nehmen und sich einen Spliff drehen – nur aus Gras.

 

Jede Band hat doch auch ihren eigenen Fanblock, wen habt ihr dafür gewonnen? Mannheim ist doch nicht gerade eure unmittelbare Hood?

Gute Frage. Also die Mutter vom Schlagzeuger hat sich angesagt – und eine Freundin. Kann also sein, dass es etwas leerer bei uns sein wird. Na, muss man nur aus dem richtigen Winkel filmen...

 

Bundes Vision Song Contest aus Mannheim /

Donnerstag 26.September 2013, 20Uhr15, Pro7