×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

kleiner aufwand, große wirkung

Minxus

Das Problem von Musiktreibenden unserer Zeit: Es gibt zuviel neue Einflüsse; Ethno-Jazz? Intelligent-Trance?? Noise-Core??? Kein Problem, gleich um die Ecke im Plattenladen (wahlweise Magazin, Fernsehkanal, Club) Deines Vertrauens. Nie war es einfacher, ein Identitätsproblem zu haben. Auch MINXUS ha
Geschrieben am

Autor: intro.de

Das Problem von Musiktreibenden unserer Zeit: Es gibt zuviel neue Einflüsse; Ethno-Jazz? Intelligent-Trance?? Noise-Core??? Kein Problem, gleich um die Ecke im Plattenladen (wahlweise Magazin, Fernsehkanal, Club) Deines Vertrauens. Nie war es einfacher, ein Identitätsproblem zu haben. Auch MINXUS haben damit zu kämpfen. Meinte man eben noch, alles für sich klar zu haben (wehe dem, der im Vakuum des "Nichts" plötzlich keine Luft mehr bekommt!), so wird alles durch ungewohntes Saiten-Schrubben, aufgeregte Snareteppiche oder das sanfte Rattern einer Spielzeugleier wieder durcheinandergebracht. Die wissen gar nicht, was sie wollen?! Oder doch?? "Unsere Songs entstehen meistens aus Improvisationen heraus", klärt mich Gitarrenspieler Pearce auf. "Die Texte sind sekundär, meistens ist es nur das, was uns gerade so einfällt. She (die übrigens über ein äußerst laszives - soll ich sagen erotisches? - Stimmorgan verfügt, Anm. d. V.) macht das. Wir könnten uns übrigens gut vorstellen, Filmmusik zu machen. Joe (der Trommler) hat da was am Laufen ..."
Nach ihren Einflüssen befragt, weichen sie lieber aus. Es gäbe eine Menge Bands, die sehr interessant seien, aber man halte nicht viel von Name-Dropping. Die typischen Britpop-Bands wie RIDE, BLUR etc. und insbesondere der Trubel, der um sie gemacht würde, stieße ihnen allerdings übel auf. "Ich kann mit diesem seelenlosen Geschrammel nicht viel anfangen", ereifert sich Pearce. (Ich glaube, er sagt noch was von "Milchgesicht-Core", wenn ich diesen schrecklichen Akzent richtig deute.) Und wie steht's mit Metal? Man denke nur an "X Y Zoom" ... "Ja, solche Bands sind lustig, ich mag diese Durchgedrehtheit der Sänger. Sehr inspirierend", und grunzt vor sich hin. Ja, das ist cool im sprichwörtlichen Sinne: Erst eine Platte einspielen, die von spielerischer Cleverness und musikhistorischen Zitaten nur so geschwängert ist, und dann Death-Metal-Dumpf-Dödels loben.
MINXUS sind geniale Minimalisten, deren Soundphantasien sicher nicht in den großen, bunten Vergnügungsparks der Musikszene, wo man alles irgendwie schon kennt, beheimatet sind. Eher bieten sie den Soundtrack für einen aufregenden, kleinkindlich-gutgelaunten Spaziergang durch einen beschaulichen Märchenpark abseits der ausgetrampelten Touristenpfade. Aber die meisten Musikhörer verhalten sich ja eh' wie deutsche Touristen am "Ballermann"-Strand auf Mallorca ...