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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Finn. und Chelsy live

Miniaturwelten, Soundwände

05.02.06 - Essen, Zeche Zollverein Bedrohlich ragt der alte Fördertum der Zeche Zollverein in die kalte Winternacht. Zwei Strahler durchschneiden die diesige Dunkelheit. Wie ein überdimensionales Mahnmal der Kultur wirkt er. Seit 2002 ist die Zeche Zollverein Weltkulturerbe und Zentrum für divers
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05.02.06 - Essen, Zeche Zollverein

Bedrohlich ragt der alte Fördertum der Zeche Zollverein in die kalte Winternacht. Zwei Strahler durchschneiden die diesige Dunkelheit. Wie ein überdimensionales Mahnmal der Kultur wirkt er. Seit 2002 ist die Zeche Zollverein Weltkulturerbe und Zentrum für diverse kulturelle Veranstaltungen im Ruhrgebiet. Neben aktuellen Designausstellungen und klassischen Konzerten hat der Komplex u.a. auch schon Blixa Bargeld den Raum für Soundinstallationen geboten. An diesem Abend hat man es jedoch weniger mit perkussiven Soundinstallationen, als vielmehr mit Songformaten zu tun. Im Rahmen der Jugendkunstausstellung spielen finn. aus Hamburg und die Essener Chelsy auf. Und alles wohlgemerkt für umsonst.

Chelsy haben ihre Bühnendeko direkt selbst mitgebracht. Einfache, kinderhaft gezeichnete, hüfthohe Papphäuschen stehen zwischen Verstärkern und Schlagzeug. Dazwischen, fast wie Riesen in einer Miniaturwelt, die drei Jungs von Chelsy. Und in der Tat hat man den Eindruck, dass uns Chelsy ihre ganz eigene kleine Welt vorstellen. Poppige Indie-Gitarren-Nummern, mit dem richtigen Gespür für Eingängigkeit und einem dosierten, aber effektiven Maß an spielerischer Finesse sind zu hören. Sänger Martin stampft enthusiastisch und mit breitem Grinsen durch die selbsterbauten Straßenschluchten und erzählt uns von Geschichten, die er dort erlebt. Von Beziehungen und deren Für und Wider, aber auch von den alltäglichen Wundern hinter den aufgemalten Mini-Fenstern. Wenn auch der Sound an manchen Stellen etwas übersteuert ist, Chelsy liefern souverän ein sympathisches, stimmungsvolles Sonntags-Set ab.

Rein von der intendierten Stimmung liegen zwischen Chelsy und finn.Welten. Die Bühne ist jetzt, wie vor zwei Jahren auf der Tour im Vorprogramm von Marr, in schwarz-weiße Projektionen getaucht. An jeder weiteren Lichtquelle wird gespart. Dafür ist finn. aka Patrick Zimmer nicht mehr nur allein mit Rechner unterwegs, sondern hat sich Unterstützung an Gitarre und Schlagzeug geholt. Elegisch, düstere Klangwelten wabern aus den Boxen, zeitweise gekrönt von Zimmers Falsett-Stimme. In den reduziert instrumentierten Passagen kommen die Songs durchaus differenziert rüber, nur ufert es gerade in den lauteren, druckvolleren Parts zu einer etwas breiigen Soundwand aus. Gerade Soundwände hätte man von finn. weniger erwartet. Ist man von ihm bisher ein melancholisch geladenes LoFi-Set, mit nur dezent eingesetzten Elektronik-Sprinklern gewohnt, lässt er 2006 an einigen Stellen ekstatisch zuckend den Rocker raushängen. Es bleibt finn., mit nahezu allgegenwärtigem verzweifelten Unterton versteht sich, aber durchaus mit Nachdruck. Vor stimmiger Kulisse eine lohnende Veranstaltung, wobei großes Lob an die Veranstalter der Essener Jugendkunstausstellung geht, die zu überkorrekten Preisen ein abwechslungsreiches Programm anbieten.