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alles freunde

Mike Watt

Das Line Up seines aktuellen Albums "Ball-Hog & Tugboat" läßt einen erblassen: Brock Avery, Butler, BEASTIE BOYS, Evan Dando, Flea, Wayne Griffin, Cris Kirkwood, Curt Kirkwood, Thurston Moore, die übriggebliebenen Mitglieder von NIRVANA, Dave Pirner, Lee Ranaldo, Henry Rollins, Eddie Vedder und noch
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Autor: intro.de

Das Line Up seines aktuellen Albums "Ball-Hog & Tugboat" läßt einen erblassen: Brock Avery, Butler, BEASTIE BOYS, Evan Dando, Flea, Wayne Griffin, Cris Kirkwood, Curt Kirkwood, Thurston Moore, die übriggebliebenen Mitglieder von NIRVANA, Dave Pirner, Lee Ranaldo, Henry Rollins, Eddie Vedder und noch ein paar mehr. So was hat die Welt das letzte Mal beim "USA For Afrika"-Projekt gesehen, als sich MICHAEL JACKSON mit VAN MORRISSON gegen den Hunger in Afrika zusammenschloß. Meist laufen solche "All-Star-Classic-Hyper-Jam-Sessions" ja Gefahr, von den Medien und vom Käufer als netter Promotion-Gag abgetan zu werden. "Und genau deswegen habe ich das Line Up bis zum Schluß geheim gehalten", sagt WATT. "Es ist eben kein All-Star-, sondern ein Wrestling-Album. Darunter verstehe ich ein Album, auf dem man sich mit den angetretenen Musikern auseinandersetzt: Ihren Stil zu spielen, ihre Art zu singen und ihr Musik-Verständnis betrachtet, versteht und in einem gemeinsamen Song umsetzt. Dabei haben sich alle auch auf meinen Stil eingestellt. Wir haben einfach geschaut, was rauskam."
Auf dem silbernen Endprodukt hört es sich tatsächlich wie eine Reise durch die momentane Rocklandschaft der Vereinigten Staaten an, wobei der Punk als belebendes Grundelement die Verbindungslinie zwischen den einzelnen Künstlern und Tracks ist. "Der Punk war und ist für mich die wichtigste Erscheinung auf dem Musikmarkt. Er hat mein Leben verändert. Zu Zeiten der MINUTEMEN haben wir unsere Energie darauf verlegt, alles schneller, härter und kürzer zu machen. Jetzt, bei meinem neuen Album, bin ich viel mehr auf die unterschiedlichen Ausdrucksweisen eingegangen, die einem der Punk bietet. Ich glaube, ich habe zum ersten Mal Punk und Blues miteinander verbunden. Zumindest war ich sehr überrascht, wie gut diese sehr unterschiedlichen Musikarten miteinander harmonieren."
MIKE WATT ist in seinem Redefluß kaum zu bremsen. Er erzählt von den Aufnahmen in den verschiedensten Studios (New York, L.A. und Seattle) und wie Henry Rollins seinen Song interpretiert hat. "Henry ist der absolute Wahnsinn. Ich kenne ihn schon seit Jahren, aber so richtig, glaube ich, hat ihn noch keiner kennengelernt. Als ich das erste Mal mit ihm auf Tour war, da hat er außer Musik fast nichts anderes gemacht, als sich zwischen den Auftritten zu prügeln. Eigentlich hat er sich nur geprügelt, und ich dachte: 'Mein Gott, was für ein abgedrehter Wahnsinniger.' Wir haben ihm die ganze Zeit in den Ohren gelegen, er solle damit aufhören. Ein Jahr später waren wir wieder gemeinsam auf Tour, und Henry war die Ruhe selbst. Keine Prügeleien mehr, noch nicht mal, wenn man ihn bis aufs Blut reizte. Er läßt seine Energie im Studio, auf der Bühne und in seinen Büchern ab, ehrlich gesagt bekommt ihm das wirklich besser als die ganze Rumprügelei."
Mit MIKE WATT kann man sich stundenlang über Gott und die Welt unterhalten, ohne daß es langweilig wird. Er steckt voller Energie und strahlt ein so positives Lebensgefühl aus, daß man gar nicht anders kann, als fasziniert zuzuhören. Fragen stellt und beantwortet er gleich selbst, hier ein Auszug des WATTschen Erzähl-Rauschs: "Die ganze Produktion des Albums war schlechterdings ein Witz. Ich hatte erst gedacht, es würde mich Jahre oder Jahrzehnte kosten, dieses Projekt realisieren zu können. Klar sind das alles meine Freunde oder zumindest gute Bekannte, aber ich hatte nicht gedacht, sie alle zu den Terminen ins Studio zu bekommen, und das auch noch gutgelaunt und mit dem Willen, sich einfach in die Songs reinfallen zu lassen. Bei Eddie (Vedder) war ich mir völlig unsicher. Aber er kam einfach und meinte: 'Okay Mike, was geht ab.' Eddie ist einer der nettesten Kerle, die ich kenne, es hat ihm richtig Spaß gemacht, mal was anderes als PEARL JAM zu machen. Er war nicht so recht gut drauf, weil er mit seiner Band zur Zeit auf eine Musikrichtung festgelegt ist. Der ganze Erfolg, der ganze Hype um seine Person passen ihm überhaupt nicht, deshalb gibt er auch keine Interviews, was ich aber nicht so ganz verstehe. Ich hab' ihm gesagt, daß dies doch die Chance sei, das, was ihn nervt, mitzuteilen, aber er will einfach in Ruhe gelassen werden. Kann man ja verstehen, auch nach der Sache mit Kurt Cobain, die ihm sehr nahegegangen ist. Ich glaube, er hat das schlechter verkraftet als die restlichen Mitglieder von NIRVANA, die ja auch im Studio waren.
Wirklich richtig spannend waren die Aufnahmen mit Mike D. und Adam Horovitz (BEASTIE BOYS). Die beiden sind extrem gute Musiker und gehören wohl zu den witzigsten Menschen, die ich kenne. Ach ja, überhaupt waren die ganzen Aufnahmen witzig. Du wußtest nie, was als nächstes passiert, wer, wann, was plötzlich für eine Idee hat. Meinem Label hatte ich zwar gesagt, daß ich an einem Album sitze, auf dem ein paar Gastmusiker mitmachen, aber ich hatte vermieden zu sagen, wer mitspielt und was wir da machen. Ich hatte sogar die Befürchtung, daß das Label die ganze Geschichte ablehnen würde."
Ich sprach zwar nur eine halbe Stunde mit MIKE WATT, aber er hatte so viel zu erzählen, daß man ein ganzes INTRO damit füllen könnte. Die erstaunlichste Neuigkeit jedoch ist die, daß er mit seinem neuen Album auf Tour geht. Wer alles dabeisein wird, darüber schweigt er sich aus. Man darf gespannt sein.