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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Alles halb so wild

Mighty Oaks im Gespräch

Brexit, Trump und Fake News. Alles halb so wild, bei den Mighty Oaks ist die Welt noch in Ordnung. Das zweite Album der Band klingt zwischendurch nach schön geordnetem Leben in der Truman Show. Zu perfekt? Oder haben wir nur verlernt, dass ein Album auch einfach gut klingen darf, ohne alles in Frage zu stellen? Hannah Bahl hat die Band getroffen, um diese Fragen zu klären.
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Du musst deinen Eltern eine Band vorstellen? Bring die Mighty Oaks mit nach Hause! Mit ihrer Weltliebe und der kumpelhaften unangreifbaren Nettigkeit wickeln Ian Hooper, Claudio Donzelli und Craig Saunders jeden um den Finger. Und du musst dir keine Sorgen machen, dass sie morgens mit einer Flasche Bier am Frühstückstisch erscheinen. Mit ihrem Debüt »Howl« waren die Mighty Oaks schon 2014 die absolute Konsens-Band. Immer wieder tauchte dieser Moment auf, in dem morgens auf einer WG Party oder beim letzten Zelt-Festivalbier »Brother« lief und man sich bei »I’d follow you, to the end of the world, if only you would ask me to« tanzend und knutschend in den Armen lag – Menschen, an deren Namen man sich jetzt nicht mehr erinnern kann.

Und auch wenn sie sich längst von ihrem Indie-Status freigestrampelt haben, knüpfen die Mighty Oaks mit ihrem Album »Dreamers« genau an diese Roadtrip- und Alltagsflucht-Sehnsucht an. Mit Universal steht allerdings auch ein Label hinter der Band, das bei diesem Album ganz klare Erwartungen formuliert hat. Dass diese Auflage den Musikerin eine ziemliche Balance-Fähigkeit abverlangt, gibt Sänger Ian Hooper ganz offen zu: »Universal ist auf jeden Fall eine große Popbude. Da immer bei sich zu bleiben ist schon eine Herausforderung. Wir haben schon darum gekämpft, uns treu zu bleiben, und deshalb singen wir direkt im ersten Song: ›No matter what you do people are gonna criticize.‹ Das Label wollte natürlich, dass wir große Popnummern schreiben. Wir haben aber von Anfang an gesagt, dass wir keine easy-cheesy Band werden wollen, die nur von einem erfolgreichen Song lebt, sondern wir wollen unsere Alben gerne spielen und an ihnen wachsen.«
Diese Eigenwilligkeit und Durchsetzungskraft wird einem vielleicht beim ersten Hören des Albums nicht direkt auffallen, aber wenn man länger an der Oberfläche der geschliffenen Songs kratzt, schimmert sie auf jeden Fall durch. In »Dust« zum Beispiel geht es um Vergänglichkeit und die große Frage, ob man sein Leben mit den richtigen Dingen verbringt. Aufgenommen haben die Mighty Oaks das Album im Bear Creek Studio mit Ryan Hadlock, der auch The Lumineers produziert und der Musik an manchen Stellen ihren rumpelig-treibenden Americana-Sound verpasst hat, der an Bands wie Crosby, Stills And Nash oder Fleetwood Mac erinnert.

Die Herausforderung bei diesem Feelgood-Album? Man ist von diesem ganzen Happy-Sound schnell etwas übersättigt und könnte den Jungs vorwerfen, dass ihr Album auch als perfekter Hipster-Lebensweisheiten-Abreißkalender funktionieren würde und dass dieser einfache Weg der schönen Zitate und eingängigen Melodien nicht immer der spannendste ist. Man wünscht sich geradezu, dass dieses Roadtrip-Album zwischendurch auf einen privaten Feldweg einbiegt, an dessen Ende jemand mit abgesägter Schrotflinte steht. »Dreamers« bleibt leider auf der sicheren Straße. Dieser Wohlfühl-Sound hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass bei den Mighty Oaks in den letzten Jahren alles sehr entspannt und gut gelaufen ist. Wahrscheinlich hatte Ian 2016 neben Donald Trump als einer der wenigen Menschen ein richtig gutes Jahr, wie er lachend bestätigt. »Für viele Leute war 2016 ein richtig beschissenes Jahr, aber ich habe geheiratet, bin Vater geworden, wir haben unser zweites Album geschrieben. Nur einen Baum habe ich nicht gepflanzt. Bei mir war 2016 ein super Jahr, und diese Euphorie hat sich sicherlich auch in die Songs geschlichen.«

Vielleicht brauchen wir gerade jetzt hoffnungslos große Romantiker wie die Mighty Oaks, die daran glauben, dass man alles überwinden kann und dass die Liebe das Einzige ist, was gegen den Welthass hilft. Darüber sind sie sich im Interview einig: »Träumen ist in den heutigen Zeiten auf jeden Fall wichtig, das darf man jetzt nicht an die Angst verlieren.« Träumen wir also weiter mit den Mighty Oaks von Lagerfeuer-Momenten und ungefährlichen Straßen, nur das Losfahren darf man nicht vergessen.

Mighty Oaks

Dreamers

Release: 24.03.2017

℗ 2017 Mighty Oaks, under exclusive license to Vertigo/Capitol, a division of Universal Music GmbH