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Inspired by Music

Midlake

Es gibt Bands, die klingen, als würde man sie schon ewig kennen. Instant-Klassiker könnte man so was nennen oder eben einfach zeitlose Musik. Die Bedingungen für diese Kategorie beinhalten unter anderem die Berücksichtigung klassischer Harmonien, ein Bewusstsein über die Vielschichtigkeit des benutz
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Es gibt Bands, die klingen, als würde man sie schon ewig kennen. Instant-Klassiker könnte man so was nennen oder eben einfach zeitlose Musik. Die Bedingungen für diese Kategorie beinhalten unter anderem die Berücksichtigung klassischer Harmonien, ein Bewusstsein über die Vielschichtigkeit des benutzten Instrumentariums, ein gewisses Desinteresse an aktuellen Trends und die Fähigkeit, einen warmen und komplexen aber nie anbiedernden Sound zu produzieren. Ganz schön kompliziert. Da studiert man besser erst mal ein paar Jahre. "Ich habe mit 10 Jahren angefangen Saxophon zu spielen und später Jazzmusik studiert. Party und Dancemusic haben mich nie besonders beschäftigt. Ich fühle mich eher angezogen von Melodien und Harmonien. " Tim Smith, Songwriter und Sänger von Midlake, macht den Eindruck eines ernsthaften Wissenschaftlers, wenn es um Musik geht und wie jeder Wissenschaftler tut er sich schwer mit genauen Spezifikationen.

Bei Midlake geht es aber laut seinem Bandmate Eric Pulido schon um den Wunsch etwas zu schaffen, was den Namen "Classic" verdienen soll. Etwas auf seine Art vollkommenes, reiches und ausgewogenes. Die Herangehensweise des Quintetts aus Denton, Texas ist dabei glücklicherweise nicht die des direkten Zitats, weshalb ihnen nahe liegende Referenzen wie beispielsweise der Folkrock der 60er und 70er allein nicht gerecht würden. Die Chemie, die ihr neues Album "The Trials Of Van Occupanther" ausmacht, ist von so eigenwilliger Natur und so fragil gebaut, dass man sich vor genaueren Zuordnungen sträubt. Konnten sie nach ihrem keyboardlastigen Debut "Bamnan and Slivercork" noch klar dem Adultpop solcher Bands wie den Flaming Lips, Grandaddy, Radiohead oder Mercury Rev zugeordnet werden, dürfte es bei den neuen, größtenteils mit akustischen Instrumenten eingespielten, Songs schon schwieriger werden, sie mit knackigen Referenzen auszustatten. Es gibt zwar einige Elemente, die Midlake als kontemporäre Band erkennen lassen, aber größtenteils verbreitet ihre Musik die emanzipierte Aura eines in sich abgeschlossenen Kosmos, in dem Wohlklang und Melancholie regieren. Das alles in einer Perfektion, die einem glauben macht, man habe es hier mit einer Art Supergroup zu tun. Doch Midlake klingen nur wie eine 1 Million Dollar Band, Geld verdienen sie mit ihrer Musik unglaublicherweise keins. "Ich baue Batterien in Receiver ein", sagt Smith, "und Eric arbeitet in einer Computerfirma. Die anderen haben auch alle normale Jobs. Eine Band zu haben ist ziemlich teuer. Das einzige Land, in dem wir bisher im Radio liefen, ist Norwegen." Klar dass der brilliante Midlake-Sound in Skandinavien gut ankommt, wo jegliche Form von Americana ohnehin zärtlicher gepflegt wird als in ihrem Ursprungsland. Aber auch hier dürfte "The Trials Of Van Occupanther" bald Freunde finden, vor allem nach der kommenden Tour im Gefolge der Flaming Lips, mit denen sie schon einige Auftritte geteilt haben.