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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Reprovisers

Microstoria

Ist das jetzt der Remix vom Remix? MICROSTORIA ist bekanntlich die Schnittstelle zwischen MOUSE ON MARS (Jan St. Werner) und OVAL (Markus Popp), die auf „Reprovisers“ die fünf Tracks ihres letzten Albums „SND“ den unterschiedlichsten Leuten aus dem Avantgarde- und Pop-Bereich zur Bearbeitung übergeb
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Autor: intro.de

Ist das jetzt der Remix vom Remix? MICROSTORIA ist bekanntlich die Schnittstelle zwischen MOUSE ON MARS (Jan St. Werner) und OVAL (Markus Popp), die auf „Reprovisers“ die fünf Tracks ihres letzten Albums „SND“ den unterschiedlichsten Leuten aus dem Avantgarde- und Pop-Bereich zur Bearbeitung übergeben hat. Was eigentlich schon Sensation genug ist, schließlich hört sich das Ausgangsmaterial bereits an wie erfolgreiches Klangrecycling. So zeigt sich die Geistesverwandtschaft einiger Beiträge nicht nur in der Übernahme kurzer, mehr oder weniger charakteristischer Ausschnitte aus den morphenden Klangstrecken von „SND“. Vielmehr geht es auf „Reprovisers“ auch darum, die Funktionsfähigkeit von einer von allen Zwängen befreiten elektronischen Kunst-Musik (was nicht negativ gemeint sein soll) in den unterschiedlichsten Kontexten zu überprüfen. Auffällig daher schon die Spannbreite der beteiligten Künstler. Strategisch ist das Ganze insofern, als daß der volle Wirkungsradius von MICROSTORIA sowohl in Richtung Pop (mit Beiträgen von UI, STEREOLAB und einem halben Eigen-Remix von MOUSE ON MARS) als auch in Richtung Kunstproduktion und Avantgarde (u. a. JIM O’ROUKE, CHRISTOPHE CHARLES, F.X. RANDOMIZ) ausgenutzt wird. Dieses Netzwerk-Denken entspricht ja auch sehr der Arbeitsweise MICROSTORIAs, die aus einem Haufen musikalischer Klangdaten ihre wundersamen Maschinengesänge zusammenstellen. Das Ergebnis ist dabei mehr als atemberaubend für alle, die in solchen Versuchsanordnungen mehr sehen als die bloße Kopfkunst. Denn das ist sie nicht, bei aller Fremdheit der Musik. MICROSTORIA haben eine Vision von der schönen neuen Welt, die auch andere Leute mit ihnen teilen. JIM O’ROUKE übernimmt zum Beispiel ein Thema (sagt man das hier noch?) von „Endless Summer NAMM“, das er in eine Mischung aus Meditations- und Krachorgie verwandelt, immer wieder durch ein traumhaftes Trompeten-Fitzelchen ergänzt. Der STEREOLAB-Beitrag ragt durch den einzigen Gesangseinsatz und einen neuen, strukturgebenden Rhythmus aus den übrigen ambientesken Beiträgen stark heraus. UI bedienen sich in ihrer zwölfminütigen Baustelle gleich aller fünf Ausgangstracks und verschmelzen diese in genialer Weise, ohne zu vergessen, ihre eigene Visitenkarte in Form komischer Basstöne zu hinterlassen. Verstehen heißt hier erst mal Zuhören und Staunen, die Begeisterung kommt von alleine.