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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mix-CD Quartett mit Verlosung

Michael Mayer / Henrik Schwarz / Âme / DJ T.

Mit Michael Mayer, Henrik Schwarz, Âme und DJ T. haben wir vier Experten in Sachen DJ-Mix-CD zwar nicht an den runden Tisch aber zumindest auf eine Doppelseite bekommen. Impressionen aus dem DJ-Dasein mischen sich mit Weisheiten, die man sich als Nachwuchs-DJ an die Turntables kleben sollte. Zum Bei
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Mit Michael Mayer, Henrik Schwarz, Âme und DJ T. haben wir vier Experten in Sachen DJ-Mix-CD zwar nicht an den runden Tisch aber zumindest auf eine Doppelseite bekommen. Impressionen aus dem DJ-Dasein mischen sich mit Weisheiten, die man sich als Nachwuchs-DJ an die Turntables kleben sollte. Zum Beispiel dieser: "Never trust a static DJ!" (Michael Mayer). Bei vielen müssen wir dann nur noch über den richtigen Tanzstil sprechen, aber das ist ein anderes Thema. Wir verlosen für euch ein schickes Mix-CD Duo bestehend aus DJ T.s 'Body Language' und der 'Âme ... Mixing'-Compilation. Schickt uns eine Mail mit dem Stichwort 'Mix-Duo' an verlosung@intro.de und ihr seid dabei. Die Gewinner werden in den nächsten Tag per Mail informiert. Viel Glück und bitte weiterlesen!

Michael Mayer. Elegantes Knistern

Sein Erweckungserlebnis in Sachen DJing hatte Michael Mayer 1985 auf einer Party im katholischen Jugendzentrum seines Heimatdorfes. Heute ist er Kompakt-Vertriebschef und stellt sich gerne im Unterhemd hinter die Turntables. Fast fünf Jahre ist sein erster “Immer”-Mix her, auf “Immer 2” macht er sich nun abermals für elegantes Verstandverlieren stark. Nicht nur das echte Vinylknistern überrascht, sondern vor allem, dass Mayer nicht Techno ins Zentrum der CD stellt: Mit Todd Terjes Remix von Lindstrøms “Another Station” galoppiert dort einen Moment lang exaltierteste Disco-Opulenz.

Mein schönster DJ-Abend: Da will ich mich gar nicht festlegen. Es waren der schönen Feste gar viele. Und die schönste Party ist ohnehin immer die nächste.
Mein seltsamster DJ-Abend:
Im Winter 1994 mit Tobias Thomas im Wuppertaler U-Club: In Köln war schon ein irrer Eisregen losgebrochen, und als wir in Wuppertal ankamen, ging’s dann auch da los. Blitzeis! Wir waren im leeren U-Club eingeschlossen, hatten aber trotzdem eine super Party. Sie endete damit, dass Tobias und ich besoffen auf unseren Plattenkisten die Wuppertaler Hügel rauf- und runterrutschten.
Unvergesslichstes Set eines anderen DJs:
Das Set von DJ Pierre, 1992 in der Farina Factory in Köln. In jener Nacht hatte ich eine Art spirituelle Erleuchtung.
Bei dieser Platte tanzen garantiert alle:
Die Sachen von Kompakt funktionieren immer ganz gut, höhö. Den Korken raushauen tun immer die Oldies, so was wie “Love Is In The Air”.
Schönster Nebeneffekt des DJ-Seins:
Das Reisen. Das bildet nämlich nicht nur, sondert bereichert auch in vielen anderen Lebensbereichen. Ich habe über die Jahre einige gute Freunde gewonnen, selbst wenn sie am anderen Ende der Welt leben.
Schon mal eine Plattenkiste verschwunden?
Die Fluggesellschaft Iberia hat allein in diesem Sommer drei Mal meine Platten verschlampt. Iberia ist die unzuverlässigste Fluglinie von allen. Ein Horror! Glücklicherweise ist meine Kiste bislang immer wieder irgendwo aufgetaucht.
Wer mir einen ausgeben will, bringt mir am besten:
Stilles Wasser, dazu Wodka oder Schampus on the Rocks!
Ein DJ muss nicht nur mixen können, sondern auch:
Tanzen. Never trust a static DJ.

Henrik Schwarz. Geschichte im Edit

Eine Ausgabe der angesehenen “DJ-Kicks”-Serie bestreiten zu dürfen, diese Ehre wird nicht jedem gerade mal dahergelaufenen Plattendreher zuteil: Henrik Schwarz hat sich in den letzten drei Jahren von Berlin aus einen Namen mit deepen House-Produktionen und umso rockenderen DJ/Live-Sets gemacht. Als Teenager begeisterte er sich für die drei Säulen der HipHop-Kultur – Rap, Breakdance und Graffiti –, kein Wunder also, dass er auf seiner “DJ-Kicks” nicht nur House präsentiert, sondern eine geschickt im Computer zusammengebastelte Geschichtsstunde in Black Music. Quer durch Dekaden und Stile mit tollem Effekt: Wann etwa hat man zum letzten Mal vollkommen begeistert zu Womack & Womack getanzt?

Mein schönster bzw. seltsamster DJ-Abend: Oh, es sind zu viele. Schöne und seltsame. Oft beides zusammen. Wenn alles gut geht, nimmt jeder mehr aus dem Club mit nach Hause, als er mitgebracht hat. Die Energien vervielfachen sich. Dann ist es ein guter Abend für mich.
Unvergesslichstes Set eines anderen DJs:
Jeff Mills, weil er für mich Jazz und Techno verbunden hat; Juan Atkins, weil ich danach dachte, ich müsste aufhören, weil ich es niemals so gut können werde; Theo Parrish, weil er Mauern einreißt.
Bei dieser Platte tanzen garantiert alle:
Kommt immer darauf an, in welchem Zusammenhang man sie spielt.
Schönster Nebeneffekt des DJ-Seins:
Man trifft viele Leute. Die meisten sind okay. Besonders toll ist es, wenn man in anderen Ländern und Kulturen unterwegs ist. Die Clubbesitzer oder DJs dort nehmen einen mit in die wirklich guten lokalen Restaurants und an besondere Orte, die man als Tourist niemals finden würde. In Japan durfte ich sogar die Wohnung einer Familie betreten – das fand ich sehr aufregend.
Schon mal eine Plattenkiste verschwunden?
Zum Glück nicht. In letzter Zeit bin ich zu Live-Gigs hauptsächlich mit meinem Laptop unterwegs und lasse die Platten zu Hause. Und der Laptop ist natürlich immer im Handgepäck!
Wer mir einen ausgeben will, bringt mir am besten:
Gin Tonic.
Ein DJ muss nicht nur mixen können, sondern auch:
Die Augen und Ohren offen halten. Neugierig sein.Âme. Die reine Lehre

Verstrahlt mit “Rej”: Kristian Beyer und Frank Wiedemann hätten es sich wohl kaum träumen lassen, dass sie mit einem ihrer Tracks sogar mal Sven Väth und die gesamte Minimal-Techno-Fraktion begeistern würden. Doch ihnen ist genau das passiert, was vor ihnen schon vielen anderen House-Produzenten passierte: Ihr untypischstes Stück wurde zu ihrem größten Hit. Auf ihrer CD “Âme ... Mixing” bemühen sich die beiden Karlsruher, die vor zehn Jahren den logischen Schritt vom Plattensammeln zum Plattenauflegen vollzogen, denn auch redlich um Image-Diversifikation. Schließlich gilt es, einem Namen gerecht zu werden: Âme heißt auf Französisch immerhin “Seele”. Das Manöver gelingt ihnen gut: “Âme ... Mixing” ist ein makelloser Ableton-Live-Mix geworden, mit erhabenem Garage-House (Coldcut feat. Robert Owens’ “Walk A Mile In My Shoes” im großen Henrik-Schwarz-Remix), hübsch verspultem Disco-Acid von Chateau Flight und esoterisch plöckelndem Ausklang von Ashra alias Manuel Göttsching. So empfehlen sich Âme als Hüter der reinen Lehre. Und Kristian Beyer antwortet hier:

Mein schönster DJ-Abend: Da gab es einige fantastische Momente in den letzten Jahren. Das waren zu viele, um einen besonders hervorzuheben.
Mein seltsamster DJ-Abend:
Ein Riesenrave in Italien in diesem Jahr, zusammen mit Derrick May. Das war einfach eine extrem schräge Situation auf und hinter der Bühne ...
Unvergesslichstes Set eines anderen DJs:
Chez Damier 1993 auf einer Party von Ricardo Villalobos; C-Rock und Yannick von Needs irgendwo im Wald hinter Darmstadt.
Bei dieser Platte tanzen garantiert alle:
The Aztec Mystic “Knights Of The Jaguar”.
Schönster Nebeneffekt des DJ-Seins:
In anderen Ländern Gleichgesinnte treffen und kennen lernen.
Schon mal eine Plattenkiste verschwunden?
Gott sei Dank bis jetzt noch nicht. In Südafrika ist mein Koffer mal urplötzlich wieder aufgetaucht, nachdem die Herren Diebe erfahren hatten, wer ich bin, sie hatten sogar Platten von Âme.
Wer mir einen ausgeben will, bringt mir am besten:
Wodka Red Bull. Ich versuche aber gerade, auf Wodka Apfelsaft umzusteigen.
Ein DJ muss nicht nur mixen können, sondern auch:
Tanzen!


DJ T. Bolero im House

Langsam kommen lassen: Was in der Fahrstunde gilt, kann auch für die Dramaturgie von DJ-Sets nicht verkehrt sein. Thomas Koch alias DJ T. weiß das – was nicht wundert, schließlich ist der vor drei Jahren von Frankfurt nach Berlin-Mitte übergesiedelte Get-Physical-Mitbegründer und Ex-Groove-Herausgeber schon seit zwei vollen Dekaden DJ. Von den Bedürfnissen, die Tänzer haben, verstand er auch vorher schon einiges: Als Teenager war er begeisterter Breakdancer. “Body Language Vol. 2”, seine Mix-CD auf Get Physical, beginnt T. mit wunderbar luzidem Detroit-Electro von The Other People Place, die Knoten platzen dann später zum brachialen Moroder-Techno von Serge Santiago. Gekonnt.

Mein schönster DJ-Abend: Früher: alle Gigs im Dorian Gray und in der Box. Heute: alle Gigs im Monza und in der Panorama Bar. Es hört sich vielleicht etwas pathetisch an, aber die Atmosphäre und Chemie zwischen DJ und Crowd, die sich in der “Panne-Bar” zu fortgeschrittener Stunde entwickelt, glaubte ich schon irgendwo in den frühen Neunzigern verloren gegangen.
Mein seltsamster DJ-Abend: Vielleicht mein Gig in Jakarta vor ein paar Monaten. Die Promoter hatten mich schon vorgewarnt: Die Leute da sind sehr zurückhaltend. Ich stand in der ersten Stunde vor einer Tausendschaft stocksteif stehender Leute, die alle in meine Richtung glotzten. Nach drei Stunden Wippen wusste ich: Das ist hier jetzt schon Ekstase pur.
Unvergesslichstes Set eines anderen DJs: 1988 bis 1993: alle Sets von Sven Väth. 1993 bis 1998: alle Sets von Laurent Garnier. 1998 bis 2003: alle Sets von DJ Hell. Seitdem hat mich nix mehr vom Hocker gehauen.
Bei dieser Platte tanzen garantiert alle: Rockers Hi-Fi “Push Push”.
Schönster Nebeneffekt des DJ-Seins: An so vielen wunderschönen Orten dieser Welt als Freund empfangen zu werden, obwohl man die Empfänger noch nie zuvor gesehen hat. Schon mal eine Plattenkiste verschwunden? Ja. Wenn ich könnte, würde ich nie wieder mit Iberia fliegen. Den Madrider Flughafen hab ich auch gefressen.
Wer mir einen ausgeben will, bringt mir am besten: Wodka Ananas, Grappa oder Sambuca.
Ein DJ muss nicht nur mixen können, sondern auch: Geschichten erzählen.