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Die Gehen Immer

Michael Mayer

Die Online-Plattform Resident Advisor hat seinen „Immer“-Mix zur „Best Mix CD Of The 00s“ gekürt. Nun legt Michael Mayer nach und „Immer 3“ vor.
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Die Online-Plattform Resident Advisor hat seinen „Immer“-Mix zur „Best Mix CD Of The 00s“ gekürt. Nun legt Michael Mayer nach und „Immer 3“ vor.
 
Gerade erst von einer US-Tournee zurück, trifft man Michael Mayer schon wieder in der Kompakt-Schaltzentrale an. Das Wort Off-Day kennt der Kompakt-Mitbetreiber nicht, selbst die monatliche „Total Confusion“ hat er noch am Landetag mitgenommen, schließlich stand das zwölfjährige Jubiläum auf dem Programm. Zeit für eine Mittagspause ist aber. Und so erzählt er bei Weißweinschorle und Spargel erst mal von der Tournee, die durchgängig ein Erfolg gewesen sei – was in Amerika trotz Status als Mutterland von Techno keine Selbstverständlichkeit ist.

Selbst ein Dienstagabend in Washington sei super gelaufen: übrigens unter Anwesenheit von Musikern aus dem Dischord-Umfeld – denn merke: Auf Mayers Sound können sich vom norwegischen Death-Metaller bis zum Straight-Edger alle einigen. Am besten sei aber der Auftritt im Rahmen des Detroit Electronic Music Festivals, von dem anfänglich wegen Sturmwarnung gar nicht klar war, ob er überhaupt stattfinden würde, gewesen – da wurde nämlich absurderweise sogar gestagedivt.

Sprechen wir von „Immer 3“, der Mix-CD, deren Konzept im Namen manifestiert ist. In diese Mixe gehen all jene Tracks ein, die Mayer immer bringen kann, seine Geheimwaffen. Na ja, so geheim, wie es bei einem geht, der im Jahr an die hundert Gigs absolviert. Er habe aber noch genügend in petto, begegnet er Befürchtungen, das Reservat könnte versiegen. Nach einer entspannten Brasilientournee war Mayer merklich im richtigen Vibe, um es schön warm anzugehen, ein Set zu stricken, das permanent die Tänzer zu sich heranzieht.

Die wie immer bei ihm von zahlreichen Produktionen von Freunden geprägte Trackauswahl (Ewan Pearson, Closer Musik, Gui Boratto, Popnoname, Superpitcher, Justus Köhncke) schimmert poppig, was nicht nur an der Vocallastigkeit (u. a. durch Stücke mit Hope Sandoval und Charlotte Gainsbourg) liegt, die dem „Popjunkie“ Mayer geschuldet ist, sondern auch am Zeitgeist der neuen Deepness.

„Ursprünglich wollte ich viel weiter zurückgehen“, berichtet Mayer vom Findungsprozess des Mixes, „also bei den Einflüssen suchen, frühe 90er-Detroit-Sachen, die Geheim-Geheimwaffen, aber dann schien mir das nicht der richtige Weg zu sein, da gerade die House-Renaissance voll da ist.“ Also Musik zur Zeit statt Nostalgie. Dementsprechend stellt sich das Set auch den Veränderungen der letzten Jahre, er führt aus: „Die Musik hat sich verfeinert, weiterentwickelt. Das Verhältnis Song/Track hat sich aufgelöst. Früher brauchte man Remixe, heute sind die Originalstücke schon voll clubtauglich.“

„Immer 3“ gelingt, all das einzubringen und dabei trotz des begrenzten zeitlichen Formats „abzuholen und wieder abzuliefern“ – wobei die Stimmung angenehmerweise auf die letzten zwei Stunden eines langen mehrstündigen Sets zugeschnitten ist, wenn die Tänzer schon in diesem schönen Erschöpfungszustand sind und sich selig an die Beats und Flächen schmiegen.