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Michael Jackson ist tot. Ein Kommentar.

Als es passierte

Mit Michael Jackson verliert die Welt die wohl bedeutendste Popfigur der letzten 30 Jahre. Die Chronik eines angekündigten Todes...
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Mit Michael Jackson verliert die Welt die wohl bedeutendste Popfigur der letzten 30 Jahre. Die Chronik eines angekündigten Todes...


Es war eine jener Nachrichten bei denen man weiß, dass sie nicht lange nur Gerücht bleiben werden. Als die News gestern per SMS und Twitter den Weg nicht nur ins Kölner Nachtleben fand, war schnell klar, dass es weder ein Scherz, noch die Wiederholung eines verfrühten Nachrufs wie im Falle Patrick Swayze werden würde: Michael Jackson ist tot.

Michael Jackson tot??? Michael Jackson ist tot! Dementsprechend hielten sich die zaghaften Dementi  auch im Rahmen:  Herzstillstand, oder? Nicht tot, aber im Koma. Alles nur ein Aufschub der traurigen Nachricht, vielleicht weigerte sich der DJ deshalb noch so vehement, "Thriller" zu spielen…Twitter brach für einen Moment zusammen, currently unavailable, ein untrügliches Zeichen dafür, dass gerade etwas sehr wichtiges passiert, popkulturell versteht sich. "Das war unser Elvis" brachte es jemand aus unserer Runde auf den Punkt. In der Tat ist es der große Pop-Tod unserer Generation, für Lennon und Elvis waren die allermeistern, die in diesen Minuten eifrig tippten und aufgeregt telefonierten, zu jung.

Die Gewissheit gab es dann gegen 1:30 Uhr deutscher Zeit, als die Ärzte im UCLA Medical Center in Los Angeles ihren Kampf um das Leben des selbsternannten King Of Pop für gescheitert erklärten. Den offiziellen Tod Jacksons hatten sie bereits um 14:26 Uhr Ortszeit (23:26 Uhr MESZ) festgestellt, also zu einer Zeit, als hierzulande noch die Meldungen über seine Einlieferung ins Krankenhaus kursierten: Das Gerücht, das keins war.
[usercomment=http://www.intro.de/forum/plink/1/1245966871/1245982289]Musste zum ersten Mal wegen dem Tod eines Prominenten weinen. Als ich eben die Maastrichter Straße in Köln lang gelaufen bin, kam aus einem Fenster ganz laut "Man in the mirror". Und etwa 20 Leute, die sich großteils nichts kannten, standen betreten darunter.[/usercomment]
Und damit war der Weg dann frei für alle Nachrufe, die ja bekanntlich bei großen Persönlichkeiten immer schon in der Schublade liegen. Bei CNN saßen dann auch schon die eilig herbeigerufenen Experten vom Rolling Stone oder der Website tmz.com, die als eine der ersten von der Einlieferung des Popstars ins Krankenhaus auf Grund eines Herzstillstands berichtet hatte. Und in noch eiliger einberufenen Schalten betrauerten diejenigen Jackos Tod, die ihn all die Jahre zur großen tragischen Figur des Pop erklärt hatten: Ja, ein ganz toller Mensch sei gestorben, die ganze Stadt, ja: Welt stünde still. Menschen kämen vor dem Krankenhaus zusammen, zur Totenwache. Sie alle zeigten, so die CNN Pop-Expertin, dass Jackson einen Platz in unseren Herzen habe. Und natürlich gab es auch andere Stimmen, auch wenn sich der doch niemals ruhende Zynismus eher in Grenzen hielt: "Tickets for sale! Anyone interested? Will take a fiver…" lautete ein nicht sehr populärer, früher Tweet, in Anspielung auf die im Juli anstehenden 50 Konzerte in London, die das große und letzte Comeback der größten und tragischsten Pop-Figur der letzten Jahrzehnte besiegeln sollten. "Kinderpornosperren zeigen erste Wirkung: Michael Jackson ist tot" lautete ein weiterer von jemandem, der offenbar auf die Schnelle versuchte, der Titanic die Butter vom Brot zu nehmen. Unnötig zu sagen, wie derlei Posts so ankamen, in der Twittergemeinde, gestern Nacht.

Die Blase, in der Jackson seit seiner frühesten Kindheit lebte, ist gestern geplatzt. Und als in jenen eiligen Kommentaren von Larry King bis irgendwem das erste Mal seit Jahren wieder vom "Menschen Michael Jackson" die Rede war, dem einstigen Kinderstar und Mitglied der Jackson Five, wurde vielen möglicherweise erst klar, dass Jacko vielleicht doch keine Fantasiefigur war, auch wenn er in "Neverland" residierte, jener Stein gewordenen Traumwelt, die als letztes Refugium diente, gegen Pädophilie-Anschuldigungen, einen horrenden Schuldenberg und all dem Wahnsinn der realen Welt, die der seit Kindesbeinen im Rampenlicht stehende Popstar niemals kennenlernen durfte und denen auch sein mehr und mehr zerfallender und mehr als Mahnmal der modernen Chirugie herhaltende Körper schutzlos ausgeliefert war: Die Figur Michael Jackson wurde als Kunstfigur wahrgenommen, als Mischung aus Frankenstein und Peter Pan. Den Popstar, den Künstler, Sänger und Tänzer, der mit knapp 750 Millionen verkauften Alben und dem nach wie vor erfolgreichsten Album aller Zeiten, "Thriller", die Musikgeschichte insbesondere der Achtziger bestimmte und damit zur größten Popfigur der letzten 30 Jahre anvancierte, gab es seit Jahren nicht mehr. Den Menschen Michael Jackson gibt es seit gestern, 14:26 Uhr in L.A. wieder und so wird nun an ihn erinnert. Manchmal sind die Menschen komisch.

Unser Elvis ist tot. Michael Jackson ist tot. Er wurde 50 Jahre alt. Und es ist wieder einer diese Momente, an den man sich in 20 Jahren noch wird erinnern können: Wo warst Du als Michael Jackson starb? Viele waren gerade auf Twitter.

Im Intro-Forum könnt ihr kondolieren

Mehr um Thema unter www.intro.de/spezial/michaeljackson.