×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»The Counselor«

Michael Fassbender

Ridley Scotts Neuer ist kein gewöhnlicher Drogen-Thriller an der Tex-Mex-Grenze. Hauptdarsteller Michael Fassbender weiß, dass das auch an Cormac McCarthys Drehbuch liegt.
Geschrieben am

Ein Mann beobachtet einen Drogenkurier dabei, wie er ein verdächtiges Paket an sich nimmt und anschließend auf seinem Motorrad davonfährt. Der Mann hat sich das Fabrikat gemerkt und geht mit einem Maßband in einen Motorradsalon, um die Höhe des Lenkers abzumessen. In der nächsten Szene sieht man ihn auf einem einsamen Highway stehen. Die Nacht bricht an. Der Mann spannt ein Drahtseil über die Fahrbahn, etwa auf Brusthöhe. Als es schön straff ist, zupft er daran. Das Geräusch, das man dann hört, hört man auch, wenn man nur das Buch gelesen hat. Oder das Drehbuch.

 


»Cormac McCarthy ist mir ein Begriff, obwohl ich noch keins seiner Bücher gelesen habe«, sagt Michael Fassbender. »Vor ein paar Jahren habe ich mal mit ›The Road‹ angefangen, aber ich habe es nur bis zur Hälfte geschafft. Ich bin ein langsamer Leser, habe schon seit Jahren kein Buch mehr zu Ende gekriegt, weil ich zwischendurch immer so viele Drehbücher lesen muss. Wenn ich nicht schnell vorankomme, lege ich das Buch beiseite. Das ist mir selbst schon peinlich.«

 


Diesmal ist ihm McCarthy entgegengekommen: Sein erstes Original-Drehbuch konnte Fassbender schließlich nicht einfach weglegen. »The Counselor« spielt genau im selben moralischen Niemandsland wie das von den Coen-Brüdern adaptierte und verfilmte »No Country For Old Men«, wirkt sogar noch etwas kälter und bitterer. Das liegt einerseits an Ridley Scotts vollverchromter Action-Regie, andererseits an Fassbenders Verkörperung des Anwalts aus dem Filmtitel. Der führt eigentlich ein traumhaftes Leben mit Penélope Cruz, aber er kriegt halt den Hals nicht voll. »Es geht um die Idee des westlichen Kapitalismus’«, sagt Fassbender.

 

»Man trichtert dir ein, dass Glück und Erfolg zusammengehören, weshalb die Objekte, die man erwirbt, dich als Person definieren. Wenn man lauter schöne Sachen kaufen kann, wird man nicht nur glücklicher und attraktiver, die Menschen respektieren einen auch eher.« Zumindest, solange alles gut läuft. Weil »The Counselor« aber davon handelt, was passiert, wenn man über seine Verhältnisse lebt und sich dann noch mit der organisierten Kriminalität einlässt, kann man sich auf diverse Varianten des gespannten Drahtseils einstellen. »Schuld daran ist nicht Naivität, sondern Arroganz«, sagt Michael Fassbender. Der Anwalt denkt, manche Dinge passierten nur den Tiefergestellten in diesem Gewerbe und er investiere lediglich ein bisschen Geld. Diese Einstellung kommt einem übrigens auch abseits des Drogenhandels zunehmend vertraut vor.

 

»The Counselor« (USA 2013; R: Ridley Scott; D: Michael Fassbender, Penélope Cruz, Cameron Diaz; Kinostart: 28.11.)