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Alptraumtänzer

Mew

Düster ist es geworden, und auf den ersten Blick bleibt schwer auszumachen, was da wohl zu wem gehört. Das Coverartwork des neuen Mew-Albums "Mew. And The Glass Handed Kites" zeigt die Gesichter, die sich hinter der dänischen Band verstecken, seltsam ineinander laufend, mit weit aufgerissenen Münder
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Düster ist es geworden, und auf den ersten Blick bleibt schwer auszumachen, was da wohl zu wem gehört. Das Coverartwork des neuen Mew-Albums "Mew. And The Glass Handed Kites" zeigt die Gesichter, die sich hinter der dänischen Band verstecken, seltsam ineinander laufend, mit weit aufgerissenen Mündern. Ein zunächst amorph anmutendes Antlitz, das vermutlich nicht von ungefähr kommt, denn der nun schon vierte Longplayer der Skandinavier ist von ganz ähnlicher Qualität. Ein Album habe man eben machen wollen, sagt Sänger und Songschreiber Jonas Bjerre, keine bloße Aneinanderreihung von Songs. 14 Stücke sind letztendlich darauf, schenkt man der Tracklist Glauben - was nicht immer ganz einfach ist, denn der dunkle und zuweilen auch leicht sperrige Space-Pop des neuen Werks ist von noch größerer Komplexität als das, was die Band auf ihrem wegbereitenden Vorgänger "Frengers" von 2003 schon angedeutet hatte. "Es war von Anfang an so gedacht, als einziger langer Song", erklärt Drummer Silas. "Erst kurz vor Schluss hat man ja - bei der Pause vor dem letzten Track - Gelegenheit, Luft zu holen." Und Jonas fügt mit der der Band wohl eigenen Schüchternheit hinzu: "Man kann das mit indianischen Beschwörungsformeln vergleichen, wo immer eine kurze Pause gemacht wird, um die bösen Geister herauszulassen..."

Jene Geister sind es wohl auch, die Jonas nachts heimsuchen und ihm all die dunklen Geschichten ins Ohr flüstern. Alptraumhafte und teils surreale Szenarien, die selbst der Bandkopf nicht immer zufrieden stellend entschlüsseln kann: eine Geige spielende Katze, ein Seeungeheuer mit Brustwarzen, wo doch eigentlich Augen sitzen sollten. Seltsam verzerrte Bilder. Man fühlt sich gelegentlich wie in einem David-Lynch-Film, dessen Sinn dem Betrachter zunächst verborgen bleibt. "Es ist gut, dem Zuhörer Raum zu lassen, indem er die Bilder benutzen kann, wie er gerade mag. Es geht für mich um Atmosphäre und um Träume als eine Art fremde, geheimnisvolle Sprache, die man nicht gleich versteht." Gekoppelt mit den fast lieblichen Popmelodien, die immer wieder aus der tiefen Dunkelheit hervorbrechen, ergibt sich dann auch kein zwingend negatives Bild. Hoffnung strahle da durch, sagt Jonas. Es gebe neben den fast apokalyptischen Szenen nämlich auch die Ebene der Läuterung, des Hinwegkommens über Verluste und der Überwindung der Angst. "Mit diesem Kontrast, Hell und Dunkel, spielen wir gerne", bestätigt Silas. "Auf und ab, Licht und Schatten."

Perfektioniert wird dieser Ansatz unter anderem in der Kollaboration mit J Mascis, der einige Vocalspuren für den Song "Why Are You Looking Grave?" beisteuerte. Die knarzige und gebrochene Stimme des Dinosaur-Jr-Kopfes trifft auf Jonas Bjerres klaren und hellen Gesang. "Selbstverständlich war das eine große Ehre, dass er da mitgemacht hat. Wir haben ihn in Kopenhagen am Flughafen getroffen, er hatte sein Gepäck verloren. Wir haben ihm dann mit etwas Kleingeld geholfen...", erzählt Drummer Silas, auch ein bisschen als Fan. Das Management habe dann später noch einmal den Kontakt für die Aufnahmen hergestellt.

Gut, wenn zumindest die schönen Träume in Erfüllung gehen.


Das komplette Interview:

Euer neues Album kommt in Deutschland ja erst im Februar, ist in anderen Ländern aber schon eine ganze Weile erhältlich. Wie sind denn so die ersten Resonanzen?
(Jonas): Wirklich sehr gut. Es wurde bisher in Skandinavien, Asien und England veröffentlicht. In den übrigen europäischen Ländern kommt es dann im Februar raus. Bis jetzt sind die Reaktionen sehr gut, in England z.B. hat es sich jetzt schon besser verkauft als das letzte Album.

Ihr kommt ja gerade von einer Japan-Tour zurück...
(Jonas): Ja, das war großartig.
(Silas): Es war jetzt das fünfte Mal in drei Jahren, dass wir dort waren. Hat dem aktuellen Album auch sehr geholfen…

Heißt euer neues Album denn eigentlich Mew And The Glass Handed Kites oder nur And The Glass Handed Kites? Die Schreibweisen gehen da auseinander...
(Jonas, lacht): Das weiß niemand. Das liegt im Auge des Betrachters.

Das neue Album klingt noch wesentlich verwobener und aus einem Guss als das letzte. Es ist zudem weitaus düsterer und komplexer ausgefallen. Möchtet ihr es als Konzeptalbum verstanden wissen?
(Jonas): Es gibt wohl ein Konzept, in der Art und Weise wie wir die Songs zusammenstricken. Das andere Konzept ist das Mew-Konzept.
(Silas): Es unterscheidet sich sicherlich von einem normalen Album, mit 10 Songs á 3 Minuten. Aber was heißt schon Konzeptalbum? Wir haben im Vorfeld natürlich schon viel über das Album gesprochen und wie wir es uns vorstellten, wir haben uns sehr viele Gedanken gemacht, schon beim Schreiben der Songs. Die meisten Menschen geben dem Kind einfach einen Namen, um es leichter zu greifen und verstehen zu können. Aber Konzeptalbum? Nein, das glaube ich eigentlich nicht.
(Jonas): Einige Leute haben das Album gar in die Prog-Rock-Ecke gerückt, was die Komplexität der Songs betrifft. Ich kann das nachvollziehen, aber wir sind mit dieser Art der Musik nicht aufgewachsen. Wir haben nie Prog-Rock gehört, wir sind mit Indie-Rock aufgewachsen. Und das waren auch die Bands, die uns inspirierten. Vielleicht zusammen mit einigen Achtziger-Pop-Bands. Das war unser Ausgangspunkt. Und der Grund, warum unsere Musik dann komplexer wurde, ist wohl einfach Neugier und das Verlangen, sowohl uns als auch den Zuhörern mehr abzuverlangen. Und als Songwriter zu wachsen.

War das Album denn von vornherein in dieser Komplexität angelegt? Oder wurden die fertigen Songs erst im Studio zu einem ganzen, großen Song?
(Silas): Ja, es war schon von Beginn an so gedacht, als einziger, langer Song. Erst kurz vor Schluss hat man ja - bei der Pause vor dem letzten Track - Gelegenheit, Luft zu holen.
(Jonas): Man kann das mit indianischen Beschwörungsformeln vergleichen, wo immer eine kurze Pause gemacht wird, um die bösen Geister aus sich herauszulassen...

Ist es denn dann nicht besonders schwer, einzelne Songs aus dem Gesamtwerk heraus zu greifen? Die heutige Mentalität der Musikindustrie ist ja sehr singleorientiert...
(Jonas): Das ist richtig. Gerade in Großbritannien ist es so wichtig, eine Single zu haben um auch in die entsprechenden Charts zu gelangen, die Top 40 usw. Aber ich denke, es ist schon recht eindeutig, welche Songs auf dem Album diese Qualität besitzen…Im Mix mussten wir diese dann schon noch einmal extra herausstellen, da sie ja, wie Du schon sagtest, zunächst mal anders konzeptioniert waren. Aber so schwer war's dann gar nicht...
(Silas): Es wäre wohl kommerzieller Selbstmord gewesen, das ganze Album als Single zu veröffentlichen!
(Jonas, lacht): Ja, die längste Single aller Zeiten!

Kann der durchschnittliche Hörer heutzutage nicht mehr knapp 45 Minuten Musik am Stück vertragen? Oder warum werden eurer Ansicht nach immer weniger "Alben" konzipiert sondern eher einzelne Songs, die nachher unter einem Albumtitel zusammengefasst werden...?
(Jonas): Ich denke schon, dass das die Leute noch können!

Aber es bedarf speziell bei euch ja schon etwas Eingewöhnungszeit. Man sollte euer Album ja zunächst doch einige Male hören, um es beurteilen zu können. Geschweige denn, es wirklich in seiner Gesamtheit zu verstehen...
(Jonas):…auf der anderen Seite stechen die Songs, die wir gedenken als Singles zu veröffentlichen, auch besonders raus. In emotionaler Hinsicht. Sie sind catchy und selbst beim ersten Durchhören bleibt bestimmt einiges hängen. Aber natürlich ist es ein etwas schwierigeres Album als viele, die derzeit veröffentlicht werden. Aber es ist nicht Karlheinz Stockhausen! Es ist Rockmusik, mit einer klaren Erzählstruktur: Texte, Gesang.

Ihr benutzt viele traumähnliche, düstere, fast surreale Bilder in euren Songs. Was inspiriert euch, woher stammen diese Bilder? Um euch selbst zu zitieren, "What Are Your Stories All About?"
(Jonas, lacht): Der Song, den Du erwähnst, "Apocalypso", beinhaltet diese westindischen Rhythmen. Er hat ein düsteres Riff, einen düsteren Sound und handelt zudem von Angst. Angst vor dem Tod. Angst vor sich selbst. Der Titel ist recht witzig: Es dreht sich um den Tod und der Titel hat gleichzeitig etwas Karibikflair.

Aber diese apokalyptischen Themen, Tod, das Ende der Welt und Vergänglichkeit sind ja schon eine Art roter Faden in eurem Werk...
(Jonas): Das aktuelle Album ist sicherlich das bislang düsterste und am meisten vom Tod beherrschte. Aber gleichzeitig strahlt Hoffnung durch. Ich würde also nicht sagen, dass es eine negative Platte geworden ist. Es geht auch um Themen wie persönliche Reife und mit Dingen fertig zu werden: Über Dinge hinwegzukommen.
(Silas): Unsere ersten Alben waren vielleicht etwas introvertierter. Das neue Album erscheint mir offener, zumindest gibt es vor, offener zu sein (lacht). Mit diesem Kontrast, Hell und Dunkel, spielen wir gerne. Auf und ab, Licht und Schatten.
(Jonas): Dynamik, das ist es. Auf dem letzten Album haben wir uns eher kindlichen Themen gewidmet: Träumen, Wünschen, Einbildungskraft. Dieses Album behandelt eher die Gegenwart, es ist gleichzeitig etwas erwachsener, aber auch abstrakter - zumindest in textlicher Hinsicht.

Du sagtest einmal, dass Dich Träume sehr inspirieren. Und dass Du euer Texte manchmal selbst gar nicht verstehst. Denkst Du denn, dass man ein Kunstwerk immer verstehen muss, um sich ergreifen zu lassen? Einen David Lynch-Film versteht man ja auch nicht immer...
(Jonas): Sicherlich nicht. Ich glaube nicht, dass David Lynch seine Filme versteht.
(Silas): Man lässt halt vieles raus und lässt die Fragen offen. Behält die Antworten, wenn es denn welche gibt, für sich. Man muss also nicht alles verstehen, damit bleibt es auch interessanter.
(Jonas): Es ist gut, dem Zuhörer Raum zu lassen, in dem er die Bilder benutzt, wie er gerade mag. David Lynch macht das ja auch. Textlich interessieren mich allerdings surrealistische Schriftsteller mehr. Leute wie Haruki Murakami oder Franz Kafka. Die interessieren mich mehr als irgendein 0815-Rock'n'Roll-Text. Es geht für mich um Atmosphäre und um Träume als eine Art fremde, geheimnisvolle Sprache, die man nicht gleich versteht. Man kennt das ja, wenn man aus seltsamen Träumen erwacht und man denkt: Mein Gott, was habe ich nur geträumt? Ich verstehe es nicht, aber ich fühle mich auf eine Art und Weise erfrischt und ekstatisch.

Lernst Du denn beim Schreiben und "Traumdeuten" Dinge über Dich? Wie in einem alten Tagebuch zu blättern oder eins zu schreiben?
(Jonas): Es sind schon einige sehr persönliche Songs auf dem Album. Dinge, die ich falsch gemacht habe und wie ich versuche, wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Aber ich fühle mich dabei nicht öffentlich, es ist teilweise einfach zu abstrakt und lässt genügend Raum für Interpretationen. Ähnlich wie gute Erotik im Gegensatz zu kruder Pornografie.

Wo wir eben von Film gesprochen haben: Seid ihr schon mal angesprochen worden, einen Soundtrack aufzunehmen. Eure Musik scheint mir sehr geeignet für bestimmte Filme...
(Jonas): Ja, speziell einige Songs des letzten "Frengers"-Album wurden für ein, zwei finnische Filme verwendet. Wir sind auch schon kontaktiert worden, um ganze Soundtracks aufzunehmen und das ist ein ehrgeiziges Ziel für eine Band wie uns. Es würde sicherlich einige Zeit in Anspruch nehmen, so etwas zu schreiben. Im Moment fehlt uns dazu aber leider etwas die Zeit, wir befinden uns zu sehr im Schreiben-Aufnehmen-Touren-Rhythmus.

Habt ihr denn schon mal probiert, Musik auf (bewegte) Bilder zu schreiben?
(Jonas): Nein, aber wir haben ja z.B. diese Animationen, die wir auf Tour benutzen. Aber Musik auf einen fertigen Film zu schreiben ist ein ganz anderer Prozess, dafür braucht man eine Menge Zeit. Vielleicht machen wir irgendwann mal eine Art komplett animiertes Musical...

Gutes Stichwort: Ihr benutzt ja eure Animationen, die ihr selbst produziert, für eure Live-Shows. Begünstigt da ein Medium das andere oder könnte beides losgelöst voneinander existieren, zumindest die Animationen?
(Silas). Sie gehen schon Hand in Hand miteinander, obwohl wir manche Shows, gerade auf Festivals, auch mal ohne spielen. Aber wir bevorzugen die Variante mit Animationen.
(Jonas): Die Musik ist schon wichtigster Faktor, die Bilder sollen diese nur untermalen oder hervorheben. Manche Bilder kommen auch nur an bestimmten Stellen im Song, nicht während des gesamten Tracks. Viele Charaktere beispielsweise haben ihren festen Platz, sie stehen für etwas im Song. Es gibt aber auch einen ganz logischen Aspekt: Ich dachte z.B. immer, es wäre kitschig Streicher zu verwenden. Unser Keyboarder ersetzt diese nun und wir dachten halt es sei passender, die Streicher zu visualisieren: Wir haben jetzt eine Katze, die Geige spielt.
(Silas): Wir basteln das so um die Songs herum. Wir haben unter anderem auch ein Duett mit J Mascis auf der Platte und live erscheint er nun immer auf dem Screen. Weil er natürlich nicht immer dabei sein kann…

Da wollte ich gerade drauf zu sprechen kommen: Wie kam denn die Zusammenarbeit mit J Mascis zu Stande?
(Silas): Selbstverständlich war das eine große Ehre, dass er da mitgemacht hat. Wir hören seine Sachen mit Dinosaur Jr , seit wir jung sind. Wir haben ihn in Kopenhagen am Flughafen getroffen, er hatte sein Gepäck verloren. Wir haben ihm mit etwas Kleingeld geholfen...

Ihr habt ihn zufällig getroffen?
(Jonas): Ja, auf der Straße. Unser Gitarrist traf ihn. Er nahm dann das Geld an. Und Bo gab' ihm auch noch ein Mew-T-Shirt. Er spielte abends darauf in einem Club und trug dabei unser T-Shirt - was Dir in Kopenhagen natürlich einiges an Credibility einbringt (beide lachen). Bo hat ihn dann später noch mal hier in Berlin getroffen, ich glaube, er hat sogar eine deutsche Freundin. Unser Management stellte dann später noch mal den Kontakt her. Und dann hat er die Vocals beigesteuert.

Er hört sich schon sehr kaputt an...
(Jonas): Ja, und das ist auch so ein toller Kontrast zu meinem Gesang. Es passt sehr gut.

Michael Stipe grüßt ihr auch im Booklet...?
(Jonas): Richtig, er kam zu einer unserer Shows in New York. Er war sehr nett und mochte die Musik sehr. Wir versuchen, in Kontakt zu bleiben, er ist ein richtiger Fan. R.E.M. fragten immer wieder "Wann seid ihr mit eurem Album fertig?" und dann fragten sie uns, ob wir bei einigen europäischen Terminen ihrer Tour nicht eröffnen wollten. Glücklicherweise ging das trotz der Albumaufnahmen sogar, also konnten wir einige Shows in Skandinavien mit ihnen spielen.

Themenwechsel: Für eure ersten Alben habt ihr euer eigenes Label gegründet, Evil Office. Später seid ihr gar komplett nach England umgezogen. Was für ein Prozess hat da stattgefunden?
(Jonas): Wir steckten gerade mitten in den Aufnahmen zum zweiten Album, als uns unsere damalige Plattenfirma eröffnete, die Aufnahmen nicht veröffentlichen zu können. Sie wollten auf einmal nur noch dänische Volksmusik veröffentlichen. Das war schon eine Klasse für sich (lacht). Wir hatten dann diesen Freund, der uns riet, nicht auf dem Album sitzen zu bleiben, sondern es eigenhändig zu veröffentlichen. Wir gingen zur Bank, steckten all' unser Geld darein, die Rechte für das Album zu kaufen. Das war ganz schön riskant. Wir gründeten dann Evil Office und veröffentlichten es. Es erschien zeitgleich in Schweden und Norwegen und eine Woche später unterschrieben wir dann bei Epic. Jetzt erscheint es nur noch in Dänemark bei Evil Office.

Wie hat es sich denn angefühlt, zumindest für eine kurze Zeit gleichzeitig verantwortlich für das Kreative und das Geschäftliche zu sein?
(Silas): Wir haben viel dadurch gelernt. Es war eine gute Erfahrung. Unser damaliger Manager hat uns da einige hilfreiche Tipps gegeben.
(Jonas): Vor allem auch, dass die Mühlen von der Fertigstellung eines Albums, über die Vertragsunterschrift bis zum Release sehr langsam mahlen. So konnten wir es wenigstens schnell in die Läden bringen und in Skandinavien touren.

Dann habt ihr also bei Sony unterschrieben und seid nach London gegangen. Wolltet ihr einfach näher am Geschehen sein?
(Silas):Genauso war es. Unser Label war in London, zu der Zeit hatten wir kein Management, und wir fühlten uns gut dabei, bei allen möglichen Entscheidungen, auch unsererseits, in der Nähe zu sein.
(Jonas): Wir waren es immer gewohnt, alles selbst zu machen, wir wussten immer, was Sache war. Es ergab sich dann eine völlig neue Situation, das war anfangs schon komisch. Was mich angeht, ich war gewohnt, mein eigenes Apartment in Kopenhagen zu haben. Und auf einmal finde ich mich mit drei anderen Jungs in diesem winzigen Apartment in London wieder, wir hatten keine Ahnung, wo das alles hinführen sollte. Wir hatten kein Geld, haben Gigs gespielt und sind wieder zurück in unser Apartment.

Eine kleine WG also…War das nicht schwierig?
(Jonas): Es war sogar sehr schwierig. Das erste Jahr in London hätte uns fast kaputtgemacht. Wir sind in einem Mini-Van getourt. Spielten einen Gig in Manchster und fuhren in der selben Nacht noch den ganzen Weg nach London zurück. Schliefen vier Stunden und fuhren zum nächsten Gig. Nur um Geld für die Hotels zu sparen. Für die Chemie später in der Band war es toll, aber im Nachhinein hätte ich doch gern etwas mehr Luxus gehabt... Heute könnten wir es jedenfalls nicht mehr machen. Wir würden bestimmt nicht mehr durch die Gegend fahren und im Kofferraum übernachten.

Aber ihr müsst schon sehr davon überzeugt gewesen sein, dass es sich lohnt. Man verlässt ja nicht einfach so seine Lieben und versucht sein Glück in einer anderen Stadt...
(Jonas): Tief im Inneren haben wir wohl immer daran geglaubt, dass wir gut sind und dass es sich irgendwann auszahlen würde. Eine verrückte Jugendspinnerei, die glücklicherweise gut ausging (lacht).

Letzte Frage: Auf einem Major zu sein, bedeutet ja gleichzeitig, Druck zu haben aber auch ein höheres Budget zur Verfügung zu haben. Hättet ihr das Album so auch schon vor einigen Jahren machen können oder wäre das produktionstechnisch ein Ding der Unmöglichkeit gewesen?
(Jonas): Es ist schon komisch. Ich bin da sehr pingelig, wenn es um finanzielle Unterstützung in Kunstdingen geht, denn viel Geld macht noch lange kein großes Kunstwerk. Auf der anderen Seite wäre es uns wohl sonst nie vergönnt gewesen, derart viel zu touren. Und auch, was die Produktionsebene angeht, wäre es uns nie und nimmer möglich gewesen, so ein Album aufzunehmen. Es ist natürlich großartig, seine Visionen auch umsetzen zu können. Ich finde es eigentlich sehr schade, dass die Entwicklung mittlerweile dahin geht, dass immer mehr große Studios dichtmachen müssen und die Künstler ihre Sachen daheim in Eigenregie, mit Pro Tools aufnehmen. Den Plattenfirmen gefällt das natürlich: "Oh, ihr könnt das auch alleine machen!?" - aber das Problem ist, es klingt einfach nicht so gut. Aber, um Deine Frage zu beantworten: Ja, es hilft und es ist gut so.