×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Technologie Mit Seele

Metro Area

Geschichten von ganz privaten Momenten mit Musik werden an Orten wie diesem zahllose geschrieben. Manchmal werden dabei Bezüge zur eigenen Vergangenheit hergestellt oder Vergleiche gezogen, die nicht selten melancholisch sind. Ich habe mich schon oft gefragt, warum wir gerade bei der Rezeption elekt
Geschrieben am

Geschichten von ganz privaten Momenten mit Musik werden an Orten wie diesem zahllose geschrieben. Manchmal werden dabei Bezüge zur eigenen Vergangenheit hergestellt oder Vergleiche gezogen, die nicht selten melancholisch sind. Ich habe mich schon oft gefragt, warum wir gerade bei der Rezeption elektronischer Musik gerne in dieses Schema verfallen, das Gehörte mit dem eigenen, oft auch längst vergangenen Erleben zu verknüpfen, wo doch die Musik an sich genug Raum für Bezüge offerieren müsste. Sind wir tatsächlich alle so egozentrisch? Oder sehnen wir uns derart nach vergangenen Zeiten, wie es uns dann gerne unterstellt wird?

Morgan Geist von Metro Area hat dazu etwas sehr Einfaches, Schönes gesagt: "Gerade elektronische Musik ist meist sehr rigide und kalt. Das, was fehlt, ist die Seele, das lebendige, menschliche Element, ja, wenn man so will: die Liebe. Das fällt ganz besonders bei Clubmusik auf. Sie hat, ganz banal betrachtet, die Funktion, Leute zum Tanzen zu bewegen. Sie sollen Spaß haben. Das Problem ist nur, dass heute dabei meistens das Hauptaugenmerk auf der Technologie liegt, denn die ist genaugenommen das einzige, was sich an der Musik in den letzten Jahren weiterentwickelt oder auch nur verändert hat. Junge Leute hören heute genauso Musik wie wir auch, und sie hören immer noch die gleiche Musik und produzieren sie, nur mit anderer, weitentwickelterer Technologie. Deshalb denken wir immer, das ist doch alles alt, das kennen wir doch schon. Alles wird heute mit Computern produziert, sogar Klassik, und das ist es, wo sich Clubmusik oder Musik überhaupt verändert. Der einzige Unterschied ist, dass heute allzuoft die Seele dahinter vergessen wird."

Vielleicht ist es genau dieses Fehlen von Emotionen in der Musik, ihrer Fähigkeit auch, Geschichten zu erzählen, die derart viele selbstreferentielle Texte hervorbringt. Einfach, weil die Fokussierung auf fortschrittliche Technologien und deren Möglichkeiten für die meisten nicht das Faszinierende an Musik ist, nicht das, weshalb wir in den Plattenladen gehen oder uns ganz plötzlich aufgeregt im Club zur Tanzfläche durchdrängeln.
Metro Area machen Musik, bei der man plötzlich wieder anfängt, wirklich zu tanzen, weil sie schon mit den ersten Takten und Melodien, die man nicht sofort wieder vergisst, mitreißt. Und vielleicht ist es das, was Morgan mit Seele meint: "Ich hasse es eigentlich, über unsere Musik zu reden. Zu sagen, die ist so und so und die kommt da her. Weißt du, wir versuchen unserer Musik einfach etwas Lebendiges zu geben. Da gibt es natürlich ein paar feste Basics: Es ist schlicht Tanzmusik. Und natürlich spielen die verschiedensten Einflüsse mit rein, die sich aus der Kombination unserer eigenen Interessen und Vorlieben ergeben. Darshan zum Beispiel kommt mehr aus der Detroit-Techno-Ecke, ist selbst DJ und kauft sich auch sehr viel aktuelle Clubmusik. Aber es gibt eigentlich keine direkte Verbindung zu irgend etwas. Ich glaube, das, worauf es ankommt, ist das Umfeld, in dem man agiert. Und das ist bei uns eben New York. Seine Einwohner, deren Emotionen und Reaktionen und andere Musik und auch deren Reaktionen auf unsere Musik. Ich bin erst später zugezogen. Jetzt leben wir beide hier, sind aber irgendwie immer noch Außenseiter. Und genau aus dieser Position heraus betrachten wir die Stadt und unser Umfeld."

Natürlich ist es trotz allem Interesse an der "Lebendigkeit" der eigenen Musik vor allem die sich weiterentwickelnde Technologie, die es Projekten wie Metro Area überhaupt erst ermöglicht, selbst Musik herauszubringen: "Wir waren immer fasziniert von Musik. Als Kinder haben wir sehr viel Radio gehört und uns dann als Teenager die ersten Keyboards gekauft. Dann war man DJ, und Darshan besuchte sogar ein College für Musik. Und so ist irgendwann auch die Idee zu Metro Area entstanden. Ich denke, es war eine Kreation aus dem, was wir gehört haben, frühere Sounds, Live-Musik, kombiniert mit Elektronik, und dann wurde Digital Recording eben günstiger, und es wurde sehr einfach, eine Platte herauszubringen. Das haben wir dann auch getan. Erst danach haben wir angefangen, den Fokus vermehrt auf unseren eigenen Style zu richten. Das ist ja ganz natürlich, denn man baut immer ein Stück auf dem nächsten auf und entwickelt sich so weiter oder formuliert eine Idee aus."

Szenenwechsel: Es ist gerade Morgen in New York, als Morgan Geist über seine Musik und die seines Kollegen Darshan Jesrani redet: "Entschuldige, ich bin noch nicht ganz wach ... Darshan ist auch spät dran, und ich versuche hier gerade alleine die ganzen Interviews zu organisieren, was ziemlich kompliziert ist, da Source irgendwie mit unterschiedlichen Zeiten gearbeitet hat. Deshalb bin ich ein wenig durcheinander ..." Er klingt tatsächlich noch etwas verpennt und läuft anfänglich mit dem Hörer durch die Gegend, um schnell noch ein paar Dinge zu erledigen. "Oh, ich kann gerade nicht, ich mache ein Telefoninterview. Gleich, ja!?" wirft er zwischendurch jemandem zu, um sich wiederum bei mir für die Störung zu entschuldigen. "Weißt du, es ist schon komisch, auf beiden Seiten zu agieren. Also einerseits Musik zu machen und Interviews zu geben, also auf der künstlerischen Seite zu arbeiten, und parallel selbst ein Label zu machen ... Elektronische Musik hat in Amerika einen sehr schweren Stand. Die ganze Underground-Szene geht immer erst nach Europa. Und erst, wenn man dort auf sie aufmerksam geworden ist, schaut das eigene Land auf einen. Ansonsten sind die hier immer noch eher Rock-orientiert und schauen kaum hinter das, was Elektronik eigentlich ist ..."