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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Das Interview - Uncut

Metric

Intro: Wie seid ihr eigentlich zusammen gekommen, obwohl damals eine so große Distanz zwischen euren Wohnorten Toronto und New York bestand?Jimmy Shaw, Gitarrist von Metric: Als wir uns trafen, lebten wir noch alle in New York. Als wir dann auseinander zogen, haben wir es so hinbekommen, dass wir ei
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Intro: Wie seid ihr eigentlich zusammen gekommen, obwohl damals eine so große Distanz zwischen euren Wohnorten Toronto und New York bestand?

Jimmy Shaw, Gitarrist von Metric: Als wir uns trafen, lebten wir noch alle in New York. Als wir dann auseinander zogen, haben wir es so hinbekommen, dass wir einfach viel flogen und ziemlich konzentriert arbeiten konnten, wenn wir beieinander waren.

Was hast du eigentlich in deiner Zeit in New York gemacht? Hast du in anderen Bands gespielt?

Nein. Metric war da meine einzige Band. Josh und Joules spielten aber in vielen anderen Bands, meistens experimentelles Zeug. Außerdem arbeiteten wir in Restaurants, um Geld zu verdienen.

Was ist Ziel und Konzept von Metric? Was wolltest du mit der Band erreichen, als du nach Toronto zogst?

Tatsächlich war und ist es unser ausschließliches Ziel einfach weiterzumachen, so groß zu werden wie es geht und sich dabei nicht von den Fallstricken von Erfolg und Versagen zerstören zu lassen. Und Leuten, die Popmusik mögen, eine Alternative zu geben, damit sie sich nicht den ganzen anderen Mist anhören müssen.

Wie wichtig sind Dinge wie "Glamour" und "Tanzen" für Metric?

Beides ist wichtig, denn unsere Musik ist so angelegt, dass sie transzendental sein soll. Glamour ist ein Weg, die ordinäre Welt hinter sich zu lassen und wenigstens für eine Weile eine andere zu imaginieren. Und der beste Weg, das auszuleben, ist zu tanzen.

Du hast eure Platte ja selbst produziert. Gibt es einen Produzenten, mit dem du gerne mal arbeiten wollen würdest?


Brian Eno und Nigel Godrich.

Kannst du eine Art Traditionslinie beschreiben, auf die sich Metric beruft? Kannst du Einflüsse benennen?

Unsere Einflüsse sind sehr unterschiedlich. Wir klingen mehr nach Bands, die wir selbst fast nie gehört haben, als nach solchen, die wir hören. Ich tendiere dazu zu sagen, dass wir etwas nach The Cure klingen, aber ich habe mich nie groß mit dieser Band beschäftigt. Ich finde es schön, wenn man sagen kann, dass wir die Fackel weiter tragen, die Sonic Youth anzündeten.

Wieso nutzt du eigentlich gar nicht deine Ausbildung an der Trompete für Metric?

Weil es einfach nicht passt. Wenn Joey Ramone hätte Klarinette spielen können, meinst du, dass das dann auf Ramones-Alben zu hören gewesen wäre?



Bist du gegenwärtig in andere Projekte neben Metric involviert?

Ja, ich versuche, so viel wie möglich umzusetzen. Ich habe gerade eine Band namens The Lovely Feathers produziert, und ich werde die neue Memphis-Platte nach der kommenden Europa-Tour abmischen. Das ist ein Nebenprojekt der Stars. Und ich werden den ganzen Sommer mit Broken Social Scene auf Tour sein. More Music, better life.

Wie würdest du euer musikalisches und soziales Umfeld in Toronto beschreiben?

Sehr unterstützend und inspirierend. Als Stadt ist Toronto zwar etwas langweilig, aber gerade das gibt dir die Möglichkeit, dich ganz auf deine Arbeit zu konzentrieren.

Torontos Musikszene hat in den letzten eine Menge Aufmerksamkeit von Seiten der Medien bekommen. Wie hast du das wahrgenommen? Hat sich innerhalb der Szene etwas geändert?

Ich glaube nicht, dass sich groß etwas geändert hat. Die lokale Szene hat etwas mehr Hoffnung und Stolz bekommen und junge Musiker sehen, dass sie eine Chance auf eine Karriere haben. Sie merken, dass sie nicht nach Amerika ziehen müssen, um außerhalb von Kanada erfolgreich zu sein.

Man konnte lesen, dass ihr es nicht darauf anlegt, euch um jeden Preis der Undergroundszene zu beweisen. Dass ihr durchaus offen für den Mainstream seid. Wie beurteilst du diese Aussage heute?

Ich weiß nicht, ob wir das wirklich jemals so gesagt haben. Wir wollten immer Leute um uns scharen, die wir lieben und respektieren und die dasselbe für uns aufbringen können. Wir müssen bloß nicht für immer im Underground verbleiben. Wir haben keine Angst davor, groß zu werden.

Es scheint so zu sein, dass Metric ein Beispiel dafür sind, dass Erfolg planbar ist. Was ist denn das Geheimnis eures Erfolgs?

Das ist wirklich einfach: Niemals aufhören.



Wie hast du denn euren Erfolg der letzten Monate wahrgenommen? Ist es eher beängstigend oder befriedigend?

Es ist extrem befriedigend. Wir arbeiten sehr hart und hofften immer, davon irgendwann profitieren zu können. Und dass das nun geschieht, macht uns sehr glücklich und dankbar.

Wie kam denn der Kontakt zu L'Age d'Or, eurem gegenwärtigen deutschen Label, zustande? Und seid ihr zufrieden mit ihrer Arbeit?


Oh, das wissen wir noch nicht genau. Unser erster Trip nach Deutschland steht kurz bevor, und wir sind gespannt darauf, sie zu treffen. Wie es mit der Platte in Deutschland läuft, wird sich erst noch zeigen.

Wie wichtig ist es überhaupt für euch, auch in Deutschland erfolgreich zu sein?

Sehr. Ich möchte die Möglichkeit haben, um die Welt zu reisen und unsere Musik und unsere Musik möglichst überall auf die Bühne bringen zu können. Dabei solch wichtige Orte auslassen zu müssen, würde mich sehr enttäuschen.

Death From Above 1979 haben euch geremixt, aber als Band haben sie ja einen ganz anderen Sound als ihr. Wie seid ihr mit denen verbunden?

Ganz einfach: Wir sind öfter mit ihnen getourt, sind Labelmates und überdies sehr gute Freunde.

Ihr seid ja auch oft mit Broken Social Scene getourt. Und es gibt noch einige weitere Verbindungspunkte. Mir scheint das musikalisch aber eine ziemlich verwunderliche Kombination. Was verbindet euch eigentlich musikalisch?

Ja, Metric und Social Scene haben wirklich keine besonders große gemeinsame musikalische Basis. Aber auch zu ihnen kann ich sagen, dass sie mich einfach schon eine sehr lange Zeit meines Lebens begleitet haben. Sie sind meine Familie, so sehr, wie das überhaupt möglich ist. Es ist wundervoll und herausfordernd, von einer Metric-Bühne direkt auf eine der Broken Social Scene zu springen. Es hält dich als Musiker fit.

Und wie war eure Rolling Stones-Erfahrung? Ihr seid ja sogar mit ihnen getourt.

Aufregend und bizarr. Sie sind einfach eine Liga für sich. Niemand in der Geschichte von Rock'n'Roll hat geschafft, was sie geschafft haben. Es war wirklich eine Ehre, sehen zu können, wie sich diese riesige Mammutshow aufbaut. Eine wundervolle Gelegenheit.

Eine Frage noch, die Emily Haines, eure Sängerin, betrifft: Wie wichtig ist ihr ihre Arbeit als Schauspielerin in Relation zu ihrer Musik-Karriere?

Ich glaube, dass sie versucht, für jegliche Künste offen zu bleiben, solange sie darin mit den richtigen Leuten zusammenarbeiten kann.