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Review: So ist "Death Magnetic"

Metallica

Wenn Metallica dir nicht mehr gefallen, ist es nicht zwangsläufig die Schuld von Metallica - findet jedenfalls Linus Volkmann.
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Wenn Metallica dir nicht mehr gefallen, ist es nicht zwangsläufig die Schuld von Metallica - findet jedenfalls Linus Volkmann. Er hat sich "Death Magnetic" mal genau angehört.


Der Metallica-Drummer und Co-Mastermind neben Hetfield wirkt unlocker, ein bisschen gepresst, vielleicht sogar verlegen. In diesem "Featured YouTube-Video“, das den schnörkellosen Titel "Lars Ulrich Thanks Youtube Fans" trägt. Wen wundert es? Schließlich rechnet man ohnehin eher mit Überschriften à la "Lars Ulrich verklagt YouTube Fans".


Video: Lars Ulrich Thanks YouTube Fans



Dieser Makel wiegt immer noch schwer: Metallica, die Spielverderber. Die Band, die Napster seinerzeit verklagte, während viele Kollege das Ende des Urheberrechts im Netz ignorierten oder depressiv tolerierten. Metallica dagegen wollten ihr Recht und bekamen: Ein schlechtes Image bezüglich Kohle und Fan-Arbeit. Auch jetzt brandet der Ausverkaufsvorwurf schnell auf, wenn gleich ein "Death Magnetic“-Coffin-Boxset mit Kinkerlitzchen und für eine stattliche Summe (an die 90 Euro) in die Läden kommt.

All dem steuern die dennoch komplett sakrosanten Metal-Überlebenden entgegen. Mit einem bodenständigen YouTube-Contest oder auch New-Kids- und New-Media-zugewandten Aktionen wie das zeitgleiche veröffentlichen der neuen Platte als "Guitar Hero“-Version. Botschaft dieses Par-Force-Ritts durch alles mögliche: Metallica sind nicht die konservativen Gegenspieler der neuen Zeit. Metallica sind längst wieder Teil von ihr. Okay. Kapiert.

Allerdings fragt man sich auch, wie viel digitale Hipness mit Rupert-Murdoch-Aufschlag ein Rock-Dinosaurier eigentlich braucht? Die Platte hat das Tätera dabei am wenigsten nötig. Sie zeigt sich zumindest ungebrochen klassisch. Metallica-klassisch und durch den Status der Band auch ein großes Stück weit unfehlbar. Gefällt einem ein Part nicht, denkt man bei dieser Band nie, sie habe Schuld. Nein, es muss an einem selbst liegen. Dabei gibt es schon einige Momente, auf denen sich die Spannung früherer Veröffentlichungen ein bisschen im Meisterschaftsrockmummenschanz verliert. Schon die erste Single "The Day That Never Comes“ erzeugt den Thrill mehr durch das epische Wüstenvideo, das die Stationierung amerikanischer Truppen im Irak zum Thema hat (und im Gegensatz zu "One" quasi ein "Happy End“ besitzt).

Video: Metallica - "The Day That Never Comes"



Die E-Saite der Gitarren, das eine der ersten Auffälligkeiten, wirkt nicht nicht mehr sonst wie runtergestimmt, der percussive Fokus von "St. Anger“ findet sich wieder gegen mehr Bandsound getauscht. Dramaturgisch wechseln sich in den Songs sehr oft eher konventionelle Rockmomente mit thrashigen Riffing à la "Battery“ (also "Master Of Puppets“) ab. Das alles natürlich durchsetzt mit Highlights und Details für Checker, für Audiophile, Nerds, Spinner. Nicht die schlechteste Zielgruppe.

So steht allerdings der etwas weniger ambitionierte Rest vor einer Platte, deren Schwerpunkt nicht auf dem großen Refrain oder jener Emotion liegt, sondern vor einer echten Musiker-Platte. Andere Bands würde das einiges an Netto-Zuneigung kosten, an Metallica prallt das dagegen locker ab. Denn nie vergessen: Es ist deine Schuld, wenn du einen neuen Abschnitt im Universum Metallica nicht diggst.

Metallica “Death Magnetic” (Mercury / Universal)
erscheint am heutigen Freitag, 12.09.. Am Abend spielen Metallica in der Berliner O2-Arena.