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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Jalousie«

Messer

Messer sitzen in einem nur spärlich ausgeleuchteten Raum. Ein stetes Drohen, ein stetes Wabern. Hinter den Jalousien scheint das Licht. Doch da ist kein Vertrauen in dieser Halbwelt. 
Geschrieben am
Die ersten Worte nach drei Jahren Pause: »Es riecht nach Regen, riecht nach Metall, es schmeckt nach Blut in deinem Mund«. Diese Worte bleiben das Grundmotiv eines der besten Alben des Jahres. Alles ist schwer, alles hat Bedeutung, auch die unheilvollen Träume, die sich da draußen hinter der Jalousie in der tristen Wirklichkeit widerspiegeln. In elf wabernden Skizzen legen Messer uns ihre Welt dar, immer sind sie zu schwach, immer sind sie ruhelos. Das erinnert an Mutters monumentales »Hauptsache Musik« (wenn auch selten musikalisch), aber auch an die vergessenen The Aim Of Design Is To Define Space, die in den 2000ern zur falschen Zeit am falschen Ort waren.

Das ist mehr Kante als Blumfeld. Das ist eine ganz eigene, hektische Darlegung der völligen Machtlosigkeit. Mit träger Stimme schleppt sich Sänger Hendrik Otremba durch das Album, bohrt sich tief in das Bewusstsein, bricht zusammen. »Ich will das alles, ich will das jetzt. Nur meine Träume will ich nicht«, singt er über ein drohendes Rauschen der Instrumente. Hin und wieder legt sich Micha Achers Trompete über die Hoffnungslosigkeit. Sie bleibt ein Grauschleier. Messer erdenken sich ihre Welt an einer alten Schreibmaschine. Sie sind fahl, konturenlos, trostlos, ermattet. Ihr Kampf ist bereits verloren. 

Messer

Jalousie

Release: 19.08.2016

℗ 2016 Trocadero

Messer »Jalousie« (Trocadero / Indigo)