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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Pinkus Abortion Technician«

Melvins

»Pinkus Abortion Technician« ist gehobene Unterhaltung für geübte Hörer, die zwischen schroffem Jam und übermütigem Cover alles mitmachen.

Geschrieben am

Eines der schönsten Formate in der weiten Welt von YouTube ist »What’s In My Bag?«. In der Sendung geht das Kamera-Team mit verdienten Musikern aus Indie, Punk oder Metal in den Record Store einkaufen. Nach dem Shopping präsentieren die alternativen Stars die tonalen Schätze und erzählen ihre persönliche Geschichte dazu. Auf ihren frühen Schlüsselalben wie »Houdini« oder »Prick« spielten die Melvins einen Stil, mit dem womöglich sogar Kurt Cobain gerne alt und ruhmreich geworden wäre, ohne in Komplexe aufgrund Massenerfolgs zu verfallen.

Dennoch schwärmt die Band in ihrem Auftritt bei »What’s In My Bag?« nicht etwa von gleich gesinnten Kollegen wie Helmet oder Chokebore, sondern von den Rolling Stones. »Exile On Main Street« sei ihr Werk des Jahrtausends. Größte Sympathie gilt Charlie Watts, der seit Jahrzehnten ungeachtet aller Neuerungen auf seinem Drumset aus den 1970ern spiele. Wer das neue Melvins-Album hört, versteht diese Wahl perfekt. Der Rock darauf ist nicht ernsthaft aggressiv oder abweisend, sondern lässt eine Menge Luft und Licht durch alle Ritzen. Einige Stücke haben den Charakter sorgloser Jams, aufgenommen von gelassenen Großmeistern der gepflegten Grenzenlosigkeit. Mit Zweitbassist Pinkus covert man dessen Butthole Surfers und puzzelt »I Want To Hold Your Hand« von den Beatles gemäßigt böse neu zusammen. An alte Großtaten erinnert »Don’t Forget To Breathe« mit seinem reduzierten, repetitiven, beschwörenden Sog.

Melvins

Pinkus Abortion Technician

Release: 20.04.2018

℗ 2018 Ipecac Recordings