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Momente für die Ewigkeit

Melt! 2007

Das zehnte Melt! ist Geschichte. Und um es kurz zu machen: Es war toll in Ferropolis. Die tollsten Momente 2007.
Geschrieben am

Autor: Intro

13.-15.07.07, Ferropolis, Gräfenhainichen.

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Das zehnte Melt! ist Geschichte. Und um es kurz zu machen: Es war toll in Ferropolis. Die tollsten Momente 2007:

Linus Volkmann: Mmh, gerne würde ich darüber schreiben, wie das Riff von 'Rhythm Is A Dancer' sonntags um sechs Uhr morgens alles noch mal in diesem gemeinschaftlichen Hedo-Rausch erzittern ließ. Aber das haben ja quasi alle erlebt und sicher schon ausführlich beschrieben. Also erwähne ich besser, wie Virginia Jetzt! bei strahlendem Sonnenschein auf der Hauptbühne ackerten und ich bei den Zeilen „Hey, hey, hey, hey / Das ist dein Leben hier / das ist alles von dir allein / Heb es auf, steck es ein, schließ es zu und lass niemanden mehr rein", wie ich dabei bisschen weinen musste. Ich war natürlich vom Vortag sehr gezeichnet und überhaupt mal wieder ungewöhnlich sentimental - und was die Sonne brannte. Also nahm ich diese gefühlte Verdichtung in dem Song gern mit. Hauptsache Gefühle, sag ich immer.

Thomas Venker: Ich hatte soviele Highlightmomente... Aber ich bring es mal auf 5 runter. Vier davon erstaunlicherweise auf der Großen Bühne. Erstaunlicherweise, da ich ja sonst eher zu kleinen Bühnen neige. Aber legen wir los: Am ersten Tag haben mich The Notwist wie immer sowas von mitgenommen. Sie spielten neben alten Hits auch einige Songs des im kommenden Jahres erscheinenden neuen Albums - zarte Texturen, aufwühlende Gitarrenwallungen. Kurzum: Will ich früher sehen, die Platte. Am zweiten Tag legten dann Hot Chip den Grundstein für eine wilde Nacht. So, und nur so sollte aktuelle Popmusik klingen. Danach zeigten Tocotronic, dass das neue Album nicht nur als Artefakt großartig ist, sondern sie auch live zu einem der besten Auftritte der Bandgeschichte inspirierte (und ich habe viele davon gesehen). Gegen Ende der Nacht, als gerade die Sonne reinschaute, rockten Deichkind mal wieder das Melt!. Nach dem großen Erfolg im Vorjahr diesmal auf der Großen Bühne - wie flüsterte mir jemand ins Ohr: "Auf Platte kann ich mir die nie anhören, aber live sollten sie immer und überall spielen, wo ich bin." Kann man nur zustimmen. Ähm, zum zweiten Teil der Aussage. Und ergänzen: Hör dir die letzte Platte doch noch mal an. Als dann auch noch Snap in den Irrsinn integriert wurden, war alles zuspät. Mein persönlicher Schlusspunkt war dann der Cereal Killers Auftritt - insoforn besonders aufwühlend, da ich das Label ja mitbetreibe und es eine große Ehre war den Schlusspunkt auf dem Technofloor zu setzen. Es war der erste gemeinsame Auftritt von Jake Fairley, Ada, Metope und Pan/tone - wir alle waren etwas skeptisch im Vorfeld. Umso erleichterter konnte dann gefeiert werden, als alles mehr als gut lief.

Peter Flore
: Als The Notwist auf der Hauptbühne nach viel zu langer Abstinenz ihr magisches Set mit 'Pick Up The Phone' eröffnen, sackt vor mir ein junges Mädchen in die Knie, Kreislaufkollaps. Alles aber nicht so schlimm, sie fiel in die Arme ihrer Freunde. Um mich herum liegen auch ganz viele Menschen auf dem Boden, als ich aber sehe, dass sie alle nur die Sterne betrachten, fällt mir ein Stein vom Herzen. Es ist dunkel geworden und die Bagger leuchten, fast wie von selbst.Felix Scharlau: Schönster Festivalmoment: Der Sonnenaufgang am Samstag, als Dutzende versehrter Melt!-Besucher sich schweigend in Richtung See-Ufer schleppten. Ihre schwarzen Silhouetten ergaben von hinten aus gesehen eine Szene aus 'Dawn Of The Dead'. Das lief es mir kalt den Rücken runter. Highlights: Bester Tocotronic-Auftritt seit Jahren! Toll auch: Lady Sovereign, Hot Chip, Jeans Team. Und vieles mehr. Schlimmster Festivalmoment: Beim Deichkind-Auftritt funktioniert das Mikro von Bo nicht mehr. Und anstatt professionell den Schein zu wahren oder sich gar mit jemand anderem ein Miko zu teilen (!), verlässt er "Verdammter Scheißdreck" skandierend mitten im Song wutentbrannt die Bühne. Da ging das Mikro aber leider für kurze Zeit wieder.

Susanne Pospischil: Tiga, Gemini Stage, 03:00 - 05:00. Großartiger Stress: "Alles klar, wir sehen uns dann bei Hot Chip links hinten, bei Jake The Rapper und Digitalism. Wenn Shitdisco toll sind, eher dort und nicht bei Jan Delay. Auf jeden Fall aber bei Tiga, kannst mich ja von Simian Mobile Disco mal anrufen." Und Tiga wurde mein Held in dieser Nacht, in Bruchteilen von Sekunden waren alle Nervenzellen und Muskeln ausgerichtet und in Takt. Nirgendwo sonst wollte ich sein, nur hier zusammen mit all den anderen Glücklichen vor seiner Bühne.

Boris Fust: Ich kann mich an nichts erinnern. Einzig und allein an die Überraschung, mit welcher Geschwindigkeit die Mittagshitze auf die Morgendämmerung folgt. Hatten nicht gerade erst die grandiosen Fraktus gespielt? War am Ende gar ich der Sänger? Es muss ja einen Grund haben, dass ich vor Heiserkeit immer noch nicht wieder sprechen kann.

Daniel Koch: Ausgerechnet Tocotronic! Nach dem letzten Interview, das ich von ihnen las, dachte ich: Ach du scheiße, immer dieser Intellektuellenalarm – laangweilig! Und jetzt das. Drückender Gitarrensound, eine verdammt stattliche Publikumsmenge vor der Bühne und immer wieder dieses Wort, das tatsächlich wunderbar klingt, wenn man es singt: "Kapitulation!" Keine verschwurbelte Ansagen, neue und alte Hits im Dauerfeuer, alle Freunde gerade mal versammelt und das Bier ist auch (noch) kalt. "Alle, die uns deprimieren, sie müssen kapitulieren / lasst uns an alle appellieren / wir müssen kapitulieren!" Bin dabei. Ich gebe auf. Danke.

Benjamin Walter: Melt!-Moment? Es sind zu viele, wie soll das gehen? Immer diese vorgeschriebenen Formate, aber bitte...Einen guten Moment verdanke ich meiner engagierten Teilnahme an einem improvisierten Modeshooting des Lifestylemagazins Intro, bei dem ich mich mit Topredakteur Felix Scharlau prügeln durfte. Niemals zuvor war ich dem stoischen Schwaben so nahe gekommen. Ein kräftiges aber auch zärtliches Tier, mehr davon! Musikalisch geht der Pokal für den besten Moment etwas vorhersehbar aber von Herzen an Tocotronic. Technisch perfekt und die Lieder handeln immer noch alle von mir und den meinen. Danke dafür. Und der allerbeste Melt!-Moment wie jedes Jahr: wieder zu Hause zu sein.

Sebastian Ingenhoff:
Eines der Highlights war sicherlich mein Zungenkuss mit Linus Volkmann im Rahmen des Flatratesaufen-Fotoshootings für die Modestrecke. Dennoch muss ich gestehen, auch ein bisschen an Lady Sovereign gedacht zu haben, während ich an seinen Lippen knabberte und wir uns zärtlich mit den Zungen neckten. Der Jägermeisteratem des jeweils anderen steigerte unsere Leidenschaft nur umso mehr. Als ich mir dann im zweiten Teil des Shootings mit Lady Sovereign zusammen Tequilla-Shots reinknallen musste und die kleine Britin sich etwas geziert hat, die Pinneken anzufassen, weil sie lieber bei Bier bleiben wollte, da habe ich mir ganz tief innen drin schon ein bisschen gewünscht, sie wäre mehr wie Linus, der Schnaps prinzipiell nur in abstrusen Mengen und aus Flaschen konsumiert. Musikalische Highlights waren neben der Lady noch Simian Mobile Disco, Tocotronic, die Cereal Killers und Wolfgang Frömberg, der als einziger zu unserem nachmittäglichen DJ-Set auf der Backstagebühne getanzt hat.

Thorsten Schmidt: Für mich als Melt!-Neuling und Gitarrenliebhaber im Herzen kam einfach alles zusammen: Von der Sonne geküsst entpuppte Ferropolis sich hier erstmals in seiner vollen nächtlichen Farbenpracht. Dazu eine Band, die über die Jahre vom heftigen Rock zu Elektronika alles durchlebt hat mit einem Konzert wie aus einem Guss: 'Neon Golden' glänzt die schöne Melancholie, Bassist Micha Acher im rhythmischen Dauerschwingen, und bevor es mit neuen Songs zu ruhig wird, geht kurz der Punk ab. Ganz groß das!

Und was waren eure Melt!-Momente 2007? Postet sie im Forum.

Viele weitere Bilder unter www.tranzland.com/meltX

.: www.meltfestival.de :.