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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mein Song und seine Geschichte

Motorpsycho »Vortex Surfer«

25 Jahre besteht die Band Motorpsycho aus Trondheim bereits. Trotz 17 Alben und Hunderten Songs bleibt eine Auszeichnung aus dieser Zeit jedoch einmalig: Das atmosphärische Neun-Minuten-Stück »Vortex Surfer« wurde 1999 vom Staats-Radiosender NRK P3 zum »Song des Jahrtausends« gekürt und 24 Stunden am Stück gespielt. Sänger und Songwriter Bent Sæther erinnert sich, wie alles begann.
Geschrieben am
»Ich weiß noch recht genau, wie ich ›Vortex Surfer‹ geschrieben habe. Es muss so um den Neujahrstag 1997 gewesen sein, als ich mit einer alternativen Stimmung auf der Gitarre herumspielte und die Saiten mit der Handfläche anschlug. Erst klopfte ich da nur mantraartig auf drei Akkorden herum. Aber plötzlich merkte ich, dass in dem, was ich spielte, ein ganzer Song steckte.

Das Lied verwendet die Surfer- beziehungsweise Snowboarder-Sprache, um zu beschreiben, wie man den ›Wipe out‹, also das Herunterfallen vom Brett, den Sturz verhindert. Den Moment, in dem alles einzustürzen droht.   

Der textliche Ansatz ist sicher nur semi-originell: Der Protagonist bezieht sich die ganze Zeit auf etwas, das ein Mädchen zu ihm gesagt hat. Es wird aber nie klar, was das war. Jeder Hörer wartet im Song also auf eine Punch-Line, die nie kommt. Ich glaube fast, das führt dazu, dass er den Song immer wiederholt, weil er denkt, er könne das Rätsel vielleicht beim nächsten Mal lösen.  

Zunächst spielten wir ›Vortex Surfer‹ als eine Art loses Outro zu einem anderen Song. Er schien in dieser Version nichts Besonderes zu sein. Erst ein paar Monate später erkannten wir das Potenzial des Liedes, der Song setzte uns zeitweise emotional richtiggehend zu. Das passiert übrigens heute immer noch. Trotzdem: Die spätere Beliebtheit des Liedes konnte ich damals noch nicht erahnen – ich bekam davon auch lange nicht viel mit.   

Ich spiele den Song live immer noch gerne, aber bewusst nicht auf jeder Tour. Es ist eines der Stücke, das mit großer Überzeugungskraft performt werden muss, sonst klingt es sofort komisch. Des Songs überdrüssig war ich noch nie, aber Angst davor hatte ich schon. Man merkt, dass ein Song eine Pause benötigt, wenn man den Text live vergisst. Das passiert mir manchmal bei ›Vortex Surfer‹ und heißt, dass wir den Song wieder zu lange gespielt haben.   

Als der Song 1999 24 Stunden lang im Radio gesendet wurde, hat uns das sehr geehrt. Er hat im Voting ›The Final Countdown‹ von Europe geschlagen, und dieser Song war der ›Gangnam Style‹ seiner Generation. Das Lied steht für alles, was ich musikalisch hasse. Europe sind diese Art von Band, wegen der sich die ganze Independent-Kultur formieren musste. Ich finde, ›Vortex Surfer‹ ist das viel bessere Stück – und das hätte ich auch gesagt, wenn ich es nicht geschrieben hätte. Als es dann 24 Stunden im Radio lief, habe ich spaßeshalber ein paar Mal kurz reingezappt. Ganz anhören wollte ich mir das Lied aber nicht. Ich bin ohnehin niemand, der viel zurückschaut im Leben.«
»Vortex Surfer«

And if she said so
That would change it all
If she said so I would cushion her fall
And if it felt right,
She’d let me know the plan
Take my hand
And explain to me so I could understand
Why she said so  

If she said so
It would be too much like death
If she said so I would eat her breath
If she said so I’d know all the lies
But I’d wipe out white
And never even ask the reason why
She said so  

And never end
Go back to start
And never say
When I fall apart
And never stop
To complain About the pain

Motorpsycho »Behind The Sun« (Stickman / Soulfood / VÖ 07.03.14)