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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mein Song und seine Geschichte

Blondie »Heart Of Glass«

Heute singt Deborah Harry ihren ersten Nummer-eins-Hit »Heart Of Glass« deutlich tiefer als bei den Studioaufnahmen 1978. Von der Setlist streichen wird ihn Harrys New-Wave-Band Blondie aber nicht. Immerhin ist der Song, den vor allem unsere Eltern lautstark karaoken können, der ganze Stolz von Gitarrist Chris Stein. Für uns hat sich der 64-Jährige an die schwere Geburt der Erfolgsnummer erinnert.
Geschrieben am
»›Heart Of Glass‹ schwirrte Debbie und mir lange im Hinterkopf herum, bevor er erschien. Schon 1974 fingen wir damit an, den Song zu schreiben. Aber bis er schließlich auf unserer dritten Platte ›Parallel Lines‹ landete, erlebte er zig Tode und Wiedergeburten. Zu Anfang hieß das Stück übrigens noch ›Once I Had A Love‹. Die Phrase ›Heart Of Glass‹ haben wir erst ganz spät eingefügt – in Anlehnung an den Werner-Herzog-Film ›Herz aus Glas‹. Darin dreht ein ganzes Dorf durch. Ein toller Film.

Wie der Original-Titel vermuten lässt, geht es in ›Heart Of Glass‹ um eine verlorene Liebe. In welchem Gemütszustand ich das Stück damals schrieb, weiß ich nicht mehr genau. Ich habe zu der Zeit viel Pott geraucht, dadurch ist manches verschwommen. Ganz klar weiß ich aber noch, dass der Song von Anfang an den Disco-Einschlag hatte, der uns später als ›Ausverkauf‹ vorgeworfen wurde. Zwischendurch haben verschiedene Produzenten versucht, ›Heart Of Glass‹ auch mal in andere Genres zu schubsen. Am wichtigsten war der Versuch von Mike Chapman 1977, den Song elektronischer und so wie Kraftwerk klingen zu lassen. Am Ende haben Chapman und wir uns aber darauf geeinigt, beim Disco-Beat zu bleiben. Damit passte ›Heart Of Glass‹ zufälligerweise perfekt zum damaligen Disco-Trend – es wurde unser erster Nummer-eins-Hit in den USA.   

Der Erfolg kam jedoch spät: Das Album war schon sechs Monate lang in den Charts, bevor unsere Plattenfirma es hinbekam, ›Heart Of Glass‹ als Single zu veröffentlichen. Sechs Monate! Wir waren gerade in Italien in einem Hotel, als uns Chapman runter an die Bar bestellte und verkündete, dass wir unseren ersten Nummer-eins-Hit in den USA gelandet hätten. Dass so etwas passieren würde, haben wir viele Jahre später bei ›Maria‹ vielleicht gespürt – 1979 hatte das keiner von uns kommen sehen. Es war ein wichtiger Moment, ein Durchbruch. Unglaublich befriedigend. Wenn ich heute daran zurückdenke, kommt es mir vor, als sei das alles in einer anderen Realität passiert.  

Zum Erfolg des Songs hat sicher auch das Musikvideo beigetragen, obwohl wir null Konzept dafür hatten. Ich finde, die Helikopter-Aufnahmen am Anfang des Clips sind gut gelungen, ansonsten ist es einfach nur ein simples Performance-Video. Wir stehen in von Debbie genähten Shirts auf einer Bühne und spielen den Song. Der Clip ist nicht mal, wie immer wieder vermutet wird, im echten Studio 54 gedreht worden. Wir haben nur ein paar Außenaufnahmen von dem Club gemacht und die restlichen Szenen in irgendeinem anderen Schuppen gedreht. Ich erinnere mich, dass Debbie kurz vor dem Dreh noch einen Friseurtermin hatte und sich ihre langen Haare abschneiden ließ. Das hat unsere Plattenfirma ziemlich angepisst.   

Sattgehört haben wir uns an ›Heart Of Glass‹ über die Jahre nie. Wir spielen das Stück immer noch gern, zumal wir auch verdammt lange an einer vernünftigen Live-Version getüftelt haben. Ich weiß nicht, warum uns das so schwer gefallen ist, aber dadurch klingt der Song auch heute noch sehr modern. Er fügt sich noch immer gut in unsere Konzerte ein, bei denen wir uns inzwischen eher auf neuere Songs konzentrieren. Selbst wenn wir all die Technik von heute schon früher gehabt hätten, wir hätten ›Heart of Glass‹ nicht besser machen können.«
Heart Of Glass
Once I had a love and it was a gas
Soon turned out had a heart of glass
Seemed like the real thing, only to find
Mucho mistrust, love’s gone behind  

Once I had a love and it was divine
Soon found out I was losing my mind
It seemed like the real thing but I was so blind
Mucho mistrust, love’s gone behind

In between
What I find is pleasing and I’m feeling fine
Love is so confusing there’s no peace of mind
If I fear I’m losing you it’s just no good
You teasing like you do

Once I had a love and it was a gas
Soon turned out had a heart of glass
Seemed like the real thing, only to find
Mucho mistrust, love’s gone behind

Lost inside Adorable illusion and I cannot hide
I’m the one you’re using, please don’t push me aside
We could’ve made it cruising, yeah

Yeah, riding high on love’s true bluish light

Once I had a love and it was a gas
Soon turned out to be a pain in the ass
Seemed like the real thing only to find
Mucho mistrust, love’s gone behind